📌 Themen dieser Folge:
- Die Klotür‑Metapher: Regeln, Tests und Konsequenzen in der WG
- Was ist eine Grenze? Schutzmaßnahme statt bloßes Unwohlsein
- Grenzen sind kein Erziehungsinstrument
- Beispiele aus nicht‑monogamen Beziehungen: Einflussbereiche und Konsequenzen
- Warum Grenzen verletzt/getestet werden
- Grenzen setzen Schritt für Schritt: von Faktencheck bis Handeln
- Wenn Grenzen wiederholt überschritten werden
- Fazit: Wirkmächtigkeit stärken statt in Empörung steckenbleiben
- Nachtrag: Auch Profis üben Nein‑Sagen
💡 Das Wichtigste in Kürze
- Grenze = das, was für mich nicht geht; Ziel ist meine Sicherheit.
- Echte Grenzen sind Handlungen/Konsequenzen, nicht Wünsche an andere.
- Gründe für Grenztests reichen von Unachtsamkeit bis Unsicherheit.
- Vorgehen: Fakten prüfen → verstehen → bewerten → Konsequenzen planen → regulieren → verhandeln → handeln.
- Wähle nur Konsequenzen, die du wirklich durchsetzen kannst.
- Wiederholte Überschreitungen erfordern klarere Maßnahmen oder Beziehungsgrenzen.
- Empörung zeigt oft Hilflosigkeit – entwickle konkrete Schutzstrategien.
- Grenzen setzen ist Übungssache – und darf holprig sein.
🔗 Links & Ressourcen zur Folge:
- MoPoCo #49 – „G wie Grenzen“ – Wie spür ich sie und wie kann ich damit umgehen?
- MoPoCo #50 – „Folge aus der Praxis“ – Grenzen
- MoPoCo #56 – „G wie Grenzen“ – Wie kommuniziere ich wertschätzend und klar, was ich brauche?
- MoPoCo #57 – „Folge aus der Praxis“ – Grenzen
Hast du Fragen oder möchtest uns Feedback geben?
🗣️ Diskussionsgruppe zum Podcast: https://t.me/+qHqB5VYoQSw2NzYy
🌐 Webseite: https://mopoco-podcast.de
- durch Teilen des Podcasts mit deinen Liebsten: mopoco-podcast.de
- mit einer (gerne auch regelmäßigen) Spende an: DE23 5002 4024 6832 2972 01
- bleib über die neusten Episoden informiert: https://t.me/mopoco_podcast
Credits:
🎧 Danke fürs Zuhören – lass uns gemeinsam die Welt liebevoller und verständnisvoller machen – für dich, für deine Beziehung, für alle! ❤️
Zu Sonjas Beziehungs-Coaching und Blog-Beiträgen: https://sonjajuengling.de/
Intro
Willkommen bei Mono, Poly & Co., dem Non-Profit-Wissens-Podcast für Beziehungen in allen Formen. Ich bin Sonja Jüngling, Paar- und Sexualberaterin und außerdem Beziehungsbegeisterte, Abenteurerin und Gegensatzaushalterin. Mein wundervolles Team und ich liefern dir frei Haus und kostenlos alles, was du für die individuelle Gestaltung deiner Beziehungen benötigst, mit ganz praktischen Tipps, Insights und Interviews. Schön, dass du für dich losgehst. Nutz gern zusätzliche Unterstützungsangebote und schaff.
Einleitung
Hallo zusammen. Heute geht es mal wieder um das Thema Grenzen. Da gibt es schon zwei Folgen. Einmal mit dem Titel, wie spüre ich sie und wie kann ich damit umgehen? Und einmal zu der Frage, wie kommuniziere ich wertschätzend und klar, was ich brauche? Diese dritte Folge ist gar nicht geplant gewesen, sondern die ist mir in den letzten Tagen immer so über die Füße gelaufen in meinen Sitzungen und im Privatleben. Und das ist eine ziemlich spontane Folge und den Titel kennt ihr schon. Grenzen setzen oder Grenzen sind keine Pädagogik. Und was ich heute mache, ist, dass ich über eine Metapher spreche, die sich durch die ganze Folge durchzieht. Dann spreche ich nochmal darüber, was sind Grenzen überhaupt? Das ist ein Update. Die letzten Folgen sind schon ganz schön lange her. Dann spreche ich darüber, warum Grenzen getestet werden. Und am Ende gebe ich nochmal Hinweise dazu, wie ich Grenzen überhaupt setzen kann und was das heißt. Und eben alles mit der Metapher. Und jetzt wünsche ich dir viel Spaß.
Triggerwarnung
Ich möchte eine Triggerwarnung vorausschicken, weil wenn wir über Grenzen reden und darüber, was die Person, um deren Grenzen es geht, tun kann, kommt häufig so eine Subbotschaft rüber. Und mir ist es ganz wichtig, dass du, liebe hörende Person, diese Subbotschaft nicht hörst. Ich sage nicht, dass Menschen, denen echte und oder dauerhafte Gewalt, sexualisierte Gewalt passiert, Einfluss oder irgendwie Schuld haben. Das ist nicht, was ich sage. Ich rede von den kleinen und großen Grenzverletzungen innerhalb von Beziehungen vor allen Dingen, aber auch innerhalb vom menschlichen Umgang. Wenn es darum geht, dass jemand aus dem Nichts heraus eine für alle völlig sichtbare Grenze überschreitet, das ist nichts, worüber ich heute rede. Da gilt es, drastische Maßnahmen zu ergreifen. Und vielleicht gehe ich da am Ende der Folge nochmal drauf ein. Vielleicht, aber auch nicht. Aber jedenfalls ist mir wichtig zu sagen, mit dieser Folge will ich nicht sagen, du, deren Grenze ständig überschritten wird, bist zu blöd oder selbst schuld oder irgendwie sowas. Das sage ich nicht. Ich mache diese Folge, um dir mehr Handlungsräume zu geben und eine größere Klarheit.
Metapher
Also, los geht’s. Ich fange erstmal mit meiner Metapher an. Also, du wohnst in einer WG. Ich spreche heute nur spaßeshalber nur von weiblichen Wesen. Du wohnst in einer WG und die gibt es schon vier Jahre oder so. Und wenn die Klotür nur angelehnt ist, dann kann jede reingehen und es ist einfach die Gewohnheit, Wenn sie angelehnt ist, ist sie quasi offen und wenn sie geschlossen ist, ist sie zu. Sie wird nicht abgeschlossen, könnte theoretisch, wird aber nicht gemacht. So, dann gibt es eine neue Mitbewohnerin. Und ihr findet diese Regel so selbstverständlich, dass ihr mit der Person auch gar nicht darüber redet. Und dann sitzt du auf dem Klo, die Tür ist zu, aber die Person kommt rein. So, dann ist natürlich die Frage, wie geht das an der Stelle? Sagt sie, ach du meine Güte und entschuldigt sich und ab jetzt gilt die Regel oder es wird darüber diskutiert oder schließt doch ab oder was auch immer. Ja, dann gibt es ja verschiedene Möglichkeiten, wie es unabhängig von der Kommunikation weitergeht. Du könntest beim nächsten Mal die Klotür direkt abschließen oder darauf hoffen, nachdem du Bescheid gesagt hast, dass das so gehandhabt wird, weil vielleicht gibt es ja gute Gründe, dass ihr nicht abschließt. Und wenn die Person dann, obwohl die Tür zu und abgeschlossen ist, testet, ob die Klotür auf ist, dann könntet ihr ja vielleicht so ein kleines rot-grünes Dingsi einbauen, dass man von außen schon sieht, ob abgeschlossen ist. Aber sich darüber aufregen, dass die Person die Klinke runterdrückt, bringt natürlich an der Stelle nichts, weil die Person, die vor der Tür steht, kann nur sehen, die Tür ist zu. Ob sie abgeschlossen ist, weiß sie nicht. Also testet sie. So, dann habt ihr dieses Dingsi eingebaut und die Person kann sehen, dass die Tür abgeschlossen ist und testet trotzdem. Auch da hilft Empörung wenig. Weil eure Sicherheit ist ja die ganze Zeit gegeben und vielleicht gibt es eine Unsicherheit und sie vertraut diesem roten Schildchen nicht. Dann könnte es natürlich sein, dass die Person klopft oder versucht mit euch zu reden. Und ob dann eure Sicherheit, ob dann deine Grenze weiterhin gehalten ist und ob du dich weiterhin wohlfühlst auf dem Klo, wenn du antwortest, wenn du nicht antwortest, das musst du dann entscheiden. Aber der nächste Schritt könnte halt sein, dass du mit dieser Person nochmal darüber sprichst. So, jetzt denkt die Person, naja, das Klo ist abgeschlossen, aber ich will da jetzt rein und fängt an, an der Tür zu rütteln oder sie kaputt zu schlagen. Dann gibt es auch wieder verschiedene Handlungsmöglichkeiten. An der Stelle solltest du auch handeln, weil wenn die Klotür kaputtgeschlagen wird oder du dich durch die Interaktion mit den Geräuschen eingeschränkt fühlst, dann ist deine Grenze vielleicht betroffen und dann solltest du was anders machen. Dann könntest du die Tür vielleicht verstärken, sodass sie durch ein bisschen Klopfen und Rütteln nicht aufgeht. Und wenn das auch nicht hilft, könntest du die Tür durch eine Stahltür ersetzen oder ein anderes Schloss einbauen. Also du könntest ganz viel tun, um deine Sicherheit zu gewährleisten. Aber es gibt eben auch, Ganz konkret an dieser Tür. Aber es gibt eben auch andere Möglichkeiten. Du könntest eine WG-Rat einberufen. Du könntest versuchen herauszufinden, ob die Person vielleicht wieder ausziehen kann. Du könntest einen Rechtsanwalt beauftragen. Du könntest selber ausziehen. Also es gibt ganz viele Dinge, aber an der Stelle ist es eben wichtig, dass du auf dich und deine Sicherheit und deine Gefühle guckst. Also an welcher Stelle sagst du, ich möchte eine neue Grenze innerhalb dieser WG finden? Also zum Beispiel abschließen, ein anderes Schloss einbauen, sodass von außen sichtbar ist, ob die Tür abgeschlossen ist. Möchtest du die Tür verstärken? Möchtest du, keine Ahnung, immer wenn die Person durch die Tür mit dir redet, dann mit der Person drei Tage nicht reden? Was auch immer. Also da gibt es viele Möglichkeiten. Oder möchtest du vielleicht ausziehen? Das ist meine Metapher. Und damit starten wir jetzt.
Was sind Grenzen?
Also was sind Grenzen? Im Grunde genommen ist eine Grenze das, was für mich nicht geht. Versus das, was sich für mich scheiße anfühlt. Also was sich für mich scheiße anfühlt, ist nicht zwingend eine Grenze, aber das geht für mich nicht, ist eine Grenze. Und natürlich gibt es Momente, da fühlt sich das so scheiße an, dass für mich eine Grenze überschritten ist. Und das kann ein einmaliges Erlebnis sein. Also die Person macht nicht nur die Tür auf, weil sie ja erstmal nicht abgeschlossen ist, sondern sie kommt rein, redet mit dir und tut so, als wenn überhaupt nichts wäre, obwohl du laut protestierend und richtig schimpfend da sitzt. Das könnte eine Grenzverletzung sein, wo du sagst, das geht für mich einfach gar nicht. Oder es könnte sein, ja, es fühlt sich ganz schön scheiße an, dann müssen wir was tun. Und es gibt natürlich die Sachen, wo etwas sich so scheiße anfühlt, weil es eben schon so oft vorgekommen ist, dass für dich das dann einfach gar nicht mehr geht. Also das ist dann dieses berühmte Tröpfchen, was das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Und diese zwei Versionen von Grenzüberschreitungen gibt es. Das, was die Person tut, ist so schlimm, dass sofort meine Grenze verletzt, weil es für mich gar nicht geht oder es ist das der 197.000. Tropfen oder der 8. oder der 6. Tropfen, wo du sagst, und hier ist eine Grenze. Und, Ob du eine Fassperson bist oder einmal, das hängt nicht nur von der Tat selber ab, sondern es hängt eben auch von dir ab. Weil wenn das die erste Grenzverletzung ist, dann stimmt ja die Fassmetapher nicht, es sei denn, du fühlst dich total erinnert an hunderttausend andere Grenzen, die schon überschritten wurden. Genau, also was ist eine Grenze? Eine Grenze ist für mich das, was nicht geht versus das, was sich für mich scheiße anfühlt und es kann eben sein, dass es sich so scheiße anfühlt, dass es für mich nicht geht. Und eine Grenze ist das, was ich tue und nicht das, was die andere Person tut. Ich komme da später noch drauf zurück, aber wenn ich erwarte, dass die andere Person meine Grenze hält, dann ist es keine Grenze, sondern eine Forderung, ein Wunsch, ein Verhandlungsinhalt oder so, aber keine Grenze. Eine Grenze, da tue ich selber was für. Das ist das, was ich im Titel meine mit Grenzen setzen ist keine Pädagogik. Wenn ich darauf angewiesen bin, dass die andere Person sich auf eine bestimmte Weise verhält und sie auch die Möglichkeit dazu hat, weil die Konsequenzen, dass sie es anders tut, nicht groß genug sind oder weil sie tatsächlich ganz faktisch nicht daran gehindert wird, dann bin ich darauf angewiesen und abhängig und dann ist das keine echte Grenze. Also wenn wir jetzt diese Klometapher wieder nehmen. Wenn ich darauf angewiesen bin, dass die Person das einhält, dass sie nicht reinkommt, wenn die Tür geschlossen ist und ich kein Schloss einsetze oder die Tür nicht abschließe, obwohl es ein Schloss gibt, dann ist es keine Grenze, sondern Verhandlungsmasse. Und wenn das aber für dich ganz klar eine Grenze ist, dann solltest du die Tür abschließen oder ein anderes Schloss einbauen oder die Tür verstärken oder ausziehen oder die andere Person zum Ausziehen bringen, was auch immer. Oder du könntest auch, wenn du sagst, nee, wir haben kein Schloss und es kostet zu viel Geld, das Schloss einzubauen, könntest du mit der Person verhandeln. Wenn du reinkommst, obwohl die Tür zu ist, dann bedeutet das für mich, dass ich hier nicht mehr aufs Klo gehen kann. Oder, dass ich jedes Mal, bevor ich aufs Klo gehe, in dein Zimmer komme, egal ob du beschäftigt bist oder nicht, und sage, die nächsten 15 Minuten kommen, bitte nicht aufs Klo. Oder indem du am besten im Einvernehmen etwas beschließt mit der anderen Person, was passiert, wenn sie versehentlich diese Grenze überschreitet. Diese Möglichkeiten hast du alle. Aber das sorgt am Ende dafür, dass die Konsequenz für die Person, diese Grenze deiner Bitte, in dem Fall ist die Grenze eine Bitte oder Forderung, wenn sie das nicht einhält, ist die Konsequenz nicht groß genug, dass sie das von sich aus nicht tut. Ja, man könnte auch mit Strafen arbeiten, musste jedes Mal 50 Euro bezahlen oder was auch immer. Aber an der Stelle wäre es gut, wenn die andere Person darüber informiert ist, das sowieso, sonst kann sie sie nicht gut einhalten und auch zustimmt. Das geht natürlich nicht immer, aber mir ist einfach wichtig, es gibt zwei Möglichkeiten, die du hast. Entweder du tust selber was, setzt ein Schloss ein oder schließt ab. Oder du sorgst dafür, dass die Konsequenz, die daraus erwächst, so eindrücklich für die andere Person ist, dass sie einverstanden ist und freiwillig diese Grenze hält. Also eine Grenze ist das, was ich tue. Und das Ziel einer Grenze ist nicht die Erziehung der anderen Person. Du musst es demnächst besser machen, sondern das Ziel ist, dass du sicher auf dem Klo sitzen kannst, ohne belästigt zu werden. Und wenn du da sitzt und nur darauf wartest, dass die Person die Tür aufmacht, damit du deine 50 Euro kassieren kannst, dann ist das Erziehung. Und dann ist das keine Grenze, sondern es geht um deine Sicherheit und Privatsphäre auf diesem Klo. Und jetzt ist natürlich die Frage, also das ist ein ziemlich einfaches Beispiel, natürlich, sonst hätte ich das ja nicht gewählt, aber die möglichen Grenzen sind ja in der Realität schon anders. Also nehmen wir mal an, wir hätten eine nicht monogame Beziehung, eine Partnerschaft, die durchaus Richtung Lebensgemeinschaft geht, aber die Personen wohnen nicht zusammen. So, dann gibt es noch eine zusätzliche Person. Eigentlich ist man sich die ganze Zeit einig, dass wir beiden die Nesting-Partnerschaft oder Lebensgemeinschaft sind und plötzlich teilt ihr dann eine Beziehungsperson mit, dass sie mit der anderen Person zusammenzieht. Dann ist das natürlich so eine Sache. Also da kannst du, du kannst dir ja nicht, du kannst dir das nicht verbieten. Das liegt nicht in deinem Einflussbereich. Du kannst bitten, wünschen, Forderungen stellen, aber du kannst an der Stelle nicht sagen, ich verbiete euch das. Auch wenn bei dir ganz klar ist, nicht ein, das fühlt sich scheiße für mich an, sondern das geht für mich gar nicht. Und dann wäre eine Grenze, halt zu gucken. Ja, also was genau die Grenze da wäre, das muss im Einzelfall entschieden werden. Das kann sein, ah, okay, ja gut, bist du dir sicher? Also habe ich das richtig verstanden? Du willst mit der zusammenziehen, obwohl wir ja eigentlich eine Lebensgemeinschaft haben. Und hast du dir gut überlegt und hast gute Gründe dafür? Ja, und die andere Person bleibt sicher. Dann kannst du sagen, okay, dann ist diese Beziehung hiermit beendet. Damit setzt du die Grenze deiner Verletzung. Also du sorgst für deine Sicherheit, dass dich das nicht verletzen kann, dass diese Person mit einer anderen Person wohnt. Es könnte auch sein, dass du in Verhandlungen gehst und fragst, können wir da nochmal drüber reden? Für mich ist hier eine Grenze erreicht und ich glaube, das hätte für mich weitreichende Konsequenzen. Und ob du diese Konsequenzen benennst oder nicht, das ist auch wieder sehr abhängig von vielen Faktoren. Da komme ich zum Schluss nochmal drauf, eben auch davon, dass du weißt, was das für dich bedeutet. Und im Idealfall ist eine Grenze an der Stelle immer etwas, das ich für mich tun kann. Und es gibt Situationen, da kann ich nicht wirklich was für mich tun, außer mich aus der Beziehung zurückziehen oder einen Kontaktabbruch machen. Und was davon es ist, das muss man dann im Einzelfall schauen. Aber es ist mir einfach total wichtig, dass im Idealfall eine Grenze etwas ist, das ich für mich und meine Sicherheit tue. Also nochmal zusammenfassend, was sind Grenzen? Etwas, das für mich nicht geht versus etwas, was für mich sich scheiße anfühlt. Eine Grenze ist das, was ich tue und nicht das, was die andere Person tut. Das Ziel ist meine Sicherheit oder meine Bedürfnisse und nicht Erziehung der anderen Person. Und mögliche Grenzen sollten etwas sein, das ich für mich tun kann, weil dann kann ich mich am besten ermächtigen. Dann bin ich unabhängig von der Partnerperson, weil auf die habe ich nun mal nur in begrenztem Maße Einfluss. Jetzt ist die Frage, warum Grenzen denn überhaupt verletzt werden. Also wenn ich jetzt von dieser, da fasst mir jemand an die Brust an der Bushaltestelle, den ich noch nie gesehen habe, kann ich nicht sagen, ist der krank, ist der bescheuert, weiß ich nicht. Aber wenn ich mit einem Herzensmenschen in einer Beziehung bin, der ja durchaus daran gelegen ist, dass es mir gut geht und dass meine Grenzen gehalten werden und dass wir uns gescheit behandeln. Wenn da eine Grenzverletzung passiert oder die Grenze getestet wird, also die Türklinke wird runtergedrückt, obwohl klar ist, die Tür ist zu, also sitze ich auf dem Pott. Wenn die Person diese Türklinke runterdrückt, dann kann das unterschiedliche Gründe haben. Und ihr wisst ja, jede Person hat gute Gründe für alles, was sie tut. Also, wenn wir nicht über Gewalt reden, echte Gewalt. An der Stelle gibt es
Gründe für Grenzüberschreitungen
verschiedene Gründe. Wir sind sehr schnell dabei zu sagen, der hält meine Grenzen nicht. Die hält meine Grenzen nicht. Aber es können auch ganz viele andere Gründe sein. Ich nenne jetzt nur mal ein paar, aber es gibt noch bestimmt viele andere. Unachtsamkeit zum Beispiel. Also, ich habe es einfach vergessen und habe nicht daran gedacht und bin so im eigenen Saft. Unwissen. Es kann ja sein, dass jede davon ausgegangen ist, dass das für alle klar ist, aber dass dieser Person das nicht mitgeteilt wurde. Ein dritter Grund könnte sein Unwille oder Rebellion. Ich halte mich doch nicht an so bescheuerte Grenzen. Die kann doch abschließen, wenn sie allein sein möchte. Aber es kann natürlich auch sein, dass die Person ganz egoistisch ist und sagt, es ist mir egal, dass die Person da Privatsphäre will. Mir ist es jetzt wichtiger, dass ich mein Make-up hole oder so. Keine Ahnung. Und es kann auch ein Sicherheitsbedürfnis sein. Also habe ich das richtig verstanden? Ich darf da jetzt nicht rein… Obwohl wir kein Schloss haben, obwohl nicht abgeschlossen wird, was auch immer. Und Sicherheitsbedürfnis auf der Seite, die die Grenze testet, also das mag jetzt auf den ersten Blick ein bisschen schwer runtergehen, aber wir Menschen mögen Struktur und Klarheit. Und wenn wir über den Weg gehen, mögen wir, dass wir den Weg erkennen und dass es im Idealfall Leitplanken gibt, die mich ganz sicher auf dem Weg auch draufhalten, selbst wenn ich die Augen zu habe. Und manchmal ist dieses Grenzentesten genau das. Ich fühle mich unsicher. Das mag ein Unterbewusstseinvorgang sein, aber es kann auch ein Grund sein. Also wenn ich merke, dass jemand anders meine Grenzen nicht hält, dann kann das ganz viele unterschiedliche Ursachen haben. Unachtsamkeit, Unwillen, Unwissen, Egoismus, Sicherheitsbedürfnis, also Leitlinie in irgendeiner Form. Aber wir sind schnell dabei, sofort bei uns zu sein, uns unfair behandelt zu fühlen, uns klein zu fühlen, uns hilflos und machtlos zu fühlen. Und das ist ja auch so. Wenn ich in einer WG wohne, wo es kein Schloss gibt und ich bin darauf angewiesen, dass die Person fucking diese scheiß Türklinken nicht anfasst, wenn die Tür zu ist, dann bin ich macht- und hilflos, wenn ich nicht auf die Idee komme, dass ich ein Schloss kaufen könnte, dass ich einen Vorhängeschluss dran machen kann, dass ich ein Schild dran machen kann, dass ich die Tür verstärken kann, was auch immer, dass ich ein Lied singen kann. Immer wenn jemand auf dem Klo ist, dann machen wir Musik an, was auch immer. Ja, natürlich fühle ich mich da hilflos. Und gleichzeitig ist es wichtig, naja, ich rede immer wieder davon, Wohlwollen, davon auszugehen, dass die andere Person eine gute Absicht hat. Und ich sage nicht, dass das immer so sein muss. Also wenn die Person sechsmal, obwohl wir das mehrfach besprochen haben, die Türklinke runterdrückt, dann darf ich ruhig durchaus auch annehmen, dass da vielleicht egoistische Gründe oder Unfähigkeit sind oder so. Dann darf ich das durchaus hinterfragen. Gleichzeitig schon beim ersten Mal total empört zu sein, zu sagen, dieser Mensch ist eine grenzverletzende Person. Das geht gar nicht. Da muss rausgeschmissen werden. Also erst mal gucken, stimmen die Fakten überhaupt und stimmen meine Annahmen überhaupt und das Misstrauen, was ich da habe. Genau, also das ist, warum werden Grenzen getestet? Da gibt es unterschiedliche Gründe für. Und wenn wir davon ausgehen, dass wir erst mal im Wohlwollen sind und davon ausgehen, dass jede Person gute Gründe hat für alles, was sie tut, gibt es da Möglichkeiten. Und wenn ich keinen Bock darüber habe, zu reden oder in der Machtlosigkeit mich zu fühlen, dann mache ich es vielleicht wirklich so, wenn die Person das erste Mal die Türklinke runterdrückt, dann gehe ich sofort in den Baumarkt, hole das Sicherheitsschloss, mache eine Stahltür rein oder ziehe direkt aus. Aber in allen Fällen ist gesichert, dass ich in Ruhe auf dem Klo sitzen kann. Und wenn ich das alles nicht mache, heißt das nicht, dass ich es verdient habe, dass die andere Person sich grenzverletzend verhält. Aber wenn mir meine Sicherheit so wichtig ist, dann darf ich was tun und mich nicht in die Abhängigkeit von dem Goodwill und dem Anstand und der Aufmerksamkeit und der emotionalen wie auch physikalischen Fähigkeit verlassen, dass die andere Person das schon macht. Sondern wenn mir Sicherheit wichtig ist, dann muss ich auf mich gucken und nicht auf die andere Person.
Wie setze ich Grenzen?
Jetzt ist natürlich die große Frage, wie setze ich denn Grenzen? Vor allen Dingen an den Stellen, wo es nicht so einfach ist, dass ich einfach einen Schlüssel rumdrehen kann. Ja, das ist gar nicht so einfach. Eine Grenze zu setzen kann viel damit zu tun haben, Konsequenzen im Vorfeld bekannt zu geben, aber auf jeden Fall Konsequenzen zu ziehen. Also wenn ich jetzt das Klotürbeispiel nochmal nehme, das erste Mal, dass die Person die Klinke runtergedrückt hat und tatsächlich im Badezimmer stand oder reingeguckt hat, ziehe ich meine Konsequenz und schließe beim nächsten Mal ab. Dann kann das nicht mehr passieren. Und wenn das aber eine, also wenn, ich habe ja vorhin von zwei möglichen Konsequenzen gesprochen. Das eine ist, ich schließe die Klotür ab. Das andere ist, ich setze eine Strafe aus oder eine Konsequenz, die die Person dann zu tragen hat. Ja, die Konsequenz könnte auch sein, ich schreie sie zehn Minuten an. Würde die andere Person vermutlich nicht ihr Einvernehmen dafür geben und dann wird sie wahrscheinlich nur hören, die Person schreit und ist blöd und regt sich auf für nichts. Aber sie wird nicht hören, ich brauche meine Privatsphäre. Also es gibt Fälle, wo die Konsequenz ist, die andere Person etwas gesagt bekommt, tun muss, was auch immer. Und wenn das Halten der Grenze davon abhängt, dass die andere Person sich entsprechend verhält, dann kann es natürlich total sinnvoll sein, vorher anzukündigen, was das mit mir macht. Also zum Beispiel bei diesen Menschen war es so, dass eine Person Marihuana konsumiert und da natürlich auch Zeug in der Wohnung hat, mit denen das konsumiert werden kann. Also irgendwelche Werkzeuge, ist ja egal. Und der anderen Person war es aber wichtig, dass dieses Zeug nie rumliegt. Vor allen Dingen nicht, wenn Besuch kommt. Und natürlich kann die Person, die das nicht möchte, immer wieder sagen, bitte kümmere dich darum, dass es nicht rumliegt. Natürlich kann die Person das selber wegräumen, aber eine Sicherheit, dass wenn das nächste Mal die Mama oder Schwiegermama zu Besuch kommt, die Sachen da nicht liegen, hat sie nicht. Und wie kann sie dann die Sicherheit kommen? Also sie kann zum Beispiel sagen, wenn das nächste Mal die Sachen da rumliegen, während ein Besuch da ist, werde ich die Sachen wegschmeißen. Oder müssen wir uns ernsthaft darüber unterhalten, ob du in der Wohnung überhaupt noch Marihuana konsumieren kannst. Das ist die eine Möglichkeit. Die andere Möglichkeit ist, zu sagen, weil ich das vielleicht gar nicht so weiß oder weil wegschmeißen für mich eigentlich keine Option ist, weil ich das bescheuert finde, aus meinem Wertesystem heraus, ich kann das irgendwie ehrlich gesagt nachvollziehen, aber ist ja auch eine Ressourcenverschwendung und so weiter. Sie kann auch sagen, pass mal auf, mir ist das wirklich, wirklich wichtig und ich weiß noch nicht, was passiert, wenn das nächste Mal jemand kommt und das Zeug liegt noch da, aber dann müssen wir uns wirklich nochmal unterhalten. Also versucht das bitte zu vermeiden, weil das ist für mich wirklich eine Grenze. Ja, und an der Stelle ist es halt schwierig, dass das nicht wie Erpressung rüberkommt, wenn du das nicht wegräumst, dann, sondern dass es wirklich darum geht, mir ist das unangenehm, bei mir passiert dann Folgendes, also dass es gar nicht so sehr den Fokus auf die Handlung oder in dem Fall Nichthandlung der anderen Personen geht, sondern dass es darum geht zu sagen, mir ist das unangenehm, ich möchte Menschen damit nicht belasten, ich fühle mich verurteilt oder was auch immer die Gründe sind. Es wird ja gute Gründe dafür geben. Und die auch zu kommunizieren und zu sagen, das könnte auch zum Beispiel sein, dass ich mich nicht ernst genommen fühle bei dieser Absprache. Und obwohl ich dir gesagt habe, wie wichtig mir das ist und auch schon so oft, du das wieder machst, das macht emotional was mit mir und dann muss ich mal gucken, was ich da brauche. Und was da dein Weg ist und mit was da deine Partnerperson umgehen kann, das musst du dann selber gucken. Es gibt Personen, die können mit so einem vage angedeuteten, wir müssen uns dann nochmal unterhalten, selbst wenn es liebevoll ausgedrückt ist, überhaupt nicht arbeiten. Und dann gibt es welche, die können mit so einer klaren Konsequenz nicht arbeiten, weil sie sich dann erpresst fühlen. Ich kann schon mal dabei sagen, egal wie wundervoll du es formulierst und egal wie sehr du den Fokus auf dich hast, du kannst nicht sicherstellen, dass die andere Person sich nicht erpresst fühlt. Gleichzeitig, worum geht es hier an der Stelle? Es geht um deine Grenzen, es geht um deine Sicherheit. Und wenn du es, obwohl du es dich wirklich bemühst, nicht schaffst, der anderen Person klarzumachen, dass es keine Erpressung ist, ja, okay, scheiße, aber darum geht es an der Stelle nicht. Also ob das dann eine Beziehungsverletzung gibt, weil es eine Erpressung ist, das kann man an anderer Stelle gucken, aber an der Stelle geht es erstmal um deine Grenzen und die sind mindestens genauso wichtig wie Gefühle und Bedürfnisse der anderen Personen. Mindestens ist falsch an der Stelle, sie sind genauso wichtig. Ja, ich sage immer, Schutz geht vor Sehnsucht, aber das hat halt auch seine Grenzen. Wenn ich darauf gucke, was für eine Konsequenz könnte denn daraus kommen, da ist es immer schlau, eine Idee zu haben zur Art der Grenze. Also wenn wir jetzt das Beispiel mit der Klotür wieder nehmen, die Person platzt einfach rein und es geht für mich einfach überhaupt nicht. In keiner Welt geht es, dass ich auf dieses Klo noch einmal draufgehe, wenn das Potenzial besteht, dass die andere Person reinkommt. Dann kann es sein, dass ich dann wirklich ausziehen muss, sofort. Aber es kann eben auch sein, dass ich mich darauf einlassen kann unter den und den Umständen. Wenn ich jetzt das Beispiel vorhin von diesem Auszug nehme, dann muss ich mir die Frage stellen, geht das für mich einfach unter gar keinen Umständen? Heißt das für mich sofort, dass ich mich aus dieser Beziehung zurückziehen muss? Oder geht es vielleicht unter den Umständen, dass die auf einem Hof wohnen, wo es 16 Gebäude gibt und die wohnen in zwei Gebäuden, die auf der anderen Seite des Hofes sind? Da wäre mir aber wichtig, dass sie nicht zusammen jede Mahlzeit einnehmen. Oder wie auch immer die Grenze da ist. Also wie verhandlungsbereit bin ich an der Stelle? Und wie sieht das dann aus? Also auch da wieder den Fokus auf meine Sicherheit und was ich tun kann, damit ich wirkmächtiger bin und nicht von der anderen Person abhängig. Und das heißt eben, ich kann mich, also ich sollte mich fragen, ist die Konsequenz innerhalb dieser Beziehung machbar? Oder bedeutet es das Ende der Beziehung bzw. Den Kontaktabbruch? Also was kann ich unabhängig von der anderen Person durchziehen? Und wenn ich mich dann frage, heißt das Beziehungsabbruch oder nicht, dann muss ich mir die Frage stellen, an welcher Stelle bin ich nicht mehr bereit, mehr zu tun, um diese Grenze zu halten? Das ist eine ganz, ganz wichtige Frage.
Wie gehe ich mit Grenzüberschreitungen um?
So, und wenn wir jetzt über den Umgang sprechen, was Grenzverletzungen angeht, dann würde ich folgende Schritte empfehlen. Also als erstes mal einen Faktencheck. Habe ich das richtig verstanden, dass du mit der Person zusammenziehen willst? Also es geht erstmal darum, check die Fakten, dann geht es darum, und was sind deine Gründe, dass du das so entscheidest? Ja, ich möchte verstehen, vielleicht hast du ja gute Gründe, die ich sogar nachvollziehen kann. Das ist Schritt zwei. Und Schritt drei ist, was bedeutet das für mich? Ist das ein, das schmerzt mich? Oder ist es ein, das schmerzt mich einmal zu viel? Oder ist es ein, das geht gar nicht? Und ist das was, wo es Verhandlungsspielräume gibt? So könnte es vielleicht gehen. Oder wo ich sage, nein, indiskutabel, absolut indiskutabel. Und wenn ich dann klar habe, okay, was sind die Konsequenzen? Muss ich die Beziehung dann abbrechen? Oder kann ich was anderes tun? Kann die andere Person was anderes tun? Kann ich deutlicher machen, deutliche Konsequenzen finden? Also erst mal geht es darum, dass ich eine Klarheit habe. Ich muss nicht einen klaren Fahrplan haben, aber eine ungefähre Idee wäre ganz gut. Und während dieser ersten drei Punkte Faktencheck, Verstehen und Konsequenz fühlen, wäre es wichtig, dass ich mich gut reguliere. Also ich kann auch erstmal drei Stunden irgendwen anschreien, aber am besten nicht die Person, die die Grenze verletzt hat. Sondern ich hole mir Hilfe, ich sorge gut für mich, ich atme erst mal, ich schreibe auf, was wirklich passiert ist, ich schaffe mir Klarheit und wenn ich mich dann wieder reguliert habe und ins Gespräch mit der anderen Person gehen kann, dann gehe ich ins Wohlwollen. Na klar, kannst du trotzdem mit der Person reden. Ich glaube, am zielführendsten ist es, wenn ich so weit das für mich klar habe, dass ich denke, okay, ich weiß, wo ich hin will und ich bin in der Lage, ergebnisoffen mit der Person zu verhandeln. Es gibt Wünsche, es gibt Forderungen, es gibt Bitten, es gibt Handlungsanweisungen, es gibt Konsequenzen, was auch immer. Ich habe ein klares Bild und bin im Wohlwollen, dass die andere Person Interesse daran hat, diese Grenze auch halten zu wollen. Und erst dann gehe ich ins Verhandeln, ins Mitteilen und vor allen Dingen ins Handeln. Weil im Idealfall ist die Grenze etwas, was ich tue, beziehungsweise eine Konsequenz, die der anderen Person sehr klar macht, hey, das ist hier eine Grenze und zwar eine wichtige. Also, wie setze ich Grenzen? Indem ich Konsequenzen ziehe. Im Idealfall Konsequenzen, die ich durchführen kann. Manchmal ist es aber eben auch so, dass es Konsequenzen gibt, die die andere Person abhalten, meine Grenze zu überschreiten. Und da kann ich ins Detail gehen oder das vagehalten. Ich sollte aber auf jeden Fall eine Idee haben, geht das gar nicht? Muss ich dann die Beziehung abbrechen oder geht es unter bestimmten Umständen? Also an welcher Stelle bin ich nicht mehr bereit, mehr zu tun, um die Grenze zu halten? Das sind die Fragen, die sich da stellen. Und wenn dann eine Grenzverletzung passiert ist, erstmal Faktencheck, Verstehen, Konsequenz fühlen, mich regulieren, in die Klarheit kommen und ins Wohlwollen kommen und dann mit der Person verhandeln, sich mitteilen und handeln.
Was passiert, wenn Grenzverletungen immer wieder passieren?
Was passiert jetzt, wenn eine Grenzverletzung immer wieder passiert? Tja, musst du wissen, wie lange du dir das angucken willst und wie schlimm diese Grenzverletzung ist. Also es ist natürlich was anderes, ob ich meine Ruhe auf dem Klo will und da jemand reinplatzt oder ob ich geschlagen werde. Also an welcher Stelle ist es dir zu viel? Also dass jemand auf dem Klo reinplatzt, das würde ich vielleicht dreimal aushalten. Wenn die Person mir wirklich versichert, das war nicht meine Absicht und ich habe wirklich diese Maßnahmen gemacht, damit ich das nächste Mal nicht hinkriege. Wenn mich jemand schlägt mit vollem Bewusstsein und nicht reuig ist, dann bin ich sofort weg. Und du siehst es vielleicht ganz anders. dass du sagst, naja, einmal ausrutschen. Die Person hat vielleicht Selbstgewalt erlebt. Ich möchte da, irgendwie hat das eigentlich nicht so viel ausgemacht. Das hat mir zwar körperlich ein bisschen wehgetan, emotional, aber gar nicht. Ich glaube, ich würde dir noch eine Chance geben. Ja, das musst du dann für dich entscheiden. Aber du solltest dir klar darüber sein, wenn du es dir mehr als zehnmal gefallen lässt, dann stimmt irgendwas nicht. Und vor allen Dingen bist du dann überhaupt nicht mehr wirkmächtig und total in der Hilflosigkeit. Und die andere Person kriegt die Botschaft. Naja, dann kann es ja so wichtig nicht gewesen sein. Ich sage nochmal,
Triggerwarnung
Triggerwarnung, es geht hier nicht darum, dir die Schuld zu geben. Sondern es geht darum, dass Grenzen keine Pädagogik sind, sondern dass es um deine Sicherheit geht.
Zusammenfassung
Okay, ich wiederhole das Ganze nochmal. Also ich habe die Klometapher erwähnt. Ich habe erzählt, was Grenzen sind. Also Grenzen sind das, was für mich nicht geht, nicht das, was sich für mich scheiße anfühlt. Und Grenzen sind, da ist das Ziel meine Sicherheit und nicht das Erziehen des Gegenübers. Warum werden Grenzen immer wieder überschritten? Da gibt es viele Gründe für und auch welche, die, finde ich, völlig verständlich sind. So als jemand, der sehr oft irgendwie vergesslich oder irgendwie gerade im eigenen Film ist, kann ich sagen, dass also auch ich übertrete Grenzen manchmal. Hoffentlich nur kleine und hoffentlich nicht oft, aber natürlich passiert mir das auch. Und dann freue ich mich total, wenn du mir das sagst. Genau, als letztes habe ich darüber gesprochen, wie setze ich Grenzen durch Konsequenzen und eigene Handlungen und was mache ich mit Grenzverletzungen? Genau, was ist also das Fazit dieser Folge? Grenzen sind keine Pädagogik und
Fazit
nicht abhängig von der Tat der anderen Personen im Idealfall, weil die Konsequenzen, selbst wenn ich abhängig von der anderen Person bin, so groß sind, dass die Person nicht auf die Idee kommt, das zu tun. Also zum Beispiel nicht schlagen. Wenn die Konsequenz ist, ich lande dann im Knast oder ich werde verlassen, dann ist klar, dass ich mir das dreimal überlege, ob ich schlage. Grenzen schützen mich und nehmen mich in den Fokus. Und, mein Fazit sagt auch, eine Empörung nützt an der Stelle niemanden, weil das deine Sicherheit an keiner Stelle besser macht. Aber wenn du die Empörung fühlst, dann kannst du mal gucken, woher kommt die eigentlich? Kommt die aus einer Hilflosigkeit, weil du dir nicht erlaubst, Nein zu sagen? Kommt es aus einer Hilflosigkeit, weil du keine Möglichkeit hast, diese Grenze zu schützen und die Beziehung aber nicht verlassen möchtest? Also wenn du empört bist, dann gibt es einen Hinweis auf eine Unsicherheit oder Hilflosigkeit. Und dann lohnt es sich, dahin zu gucken. Nicht, damit die andere Person weitermachen kann, sondern damit du einen Weg findest, deine Grenze schützen zu können. Also Wirkmächtigkeit, ganz wichtig. So, üblicherweise mache ich noch einen Call to Action am Ende der Folge. Ich habe mich nicht vorbereitet, also gibt es heute keinen. Ich wünsche dir einen fantastischen Tag und freue mich, wenn du uns weiter empfiehlst. Bis dann.
Nachtrag
Hallo zusammen. Sonja nochmal hier. Ich würde gerne einen Nachtrag machen zu der Grenzfolge. Das klingt ja alles sehr schlau, was ich da erzähle. Die Frage ist dann natürlich, macht die das auch so? Gelingt der das auch immer? Ganz klares Nein. Auch ich struggle immer wieder daran, Grenzen zu setzen, aber genau deswegen finde ich das Thema so wichtig oder aus mehreren Gründen. Warum struggle ich damit? Also erstens wurde mir beigebracht, dass ich nicht Nein sagen darf und mir fällt das immer noch wahnsinnig schwer. Ich mache es und ich finde es auch wichtig, dass ich das mache, weil ohne ein Nein gibt es kein echtes Ja, aber es fällt mir immer noch wahnsinnig schwer und ich enttäusche einfach voll ungern Menschen. Ich arbeite an diesem Glaubenssatz, aber es passiert mir immer wieder. Glücklicherweise immer seltener, also früher vielleicht so 98 Mal von 100 und jetzt vielleicht so einmal von 100, aber es passiert mir auch. Und der zweite Grund, warum mir das auch passiert, abgesehen von dem ich kann nicht gut Nein sagen, ist, dass ich ja so ein Fan von Freiwilligkeit bin. Und wenn ich meine Grenze setze, dann habe ich wenig Freiwilligkeit. Und deswegen mache ich da das, was ich auch in Entscheidungsprozessen immer sage, nämlich mir alle Informationen einholen, um eine gute Entscheidung treffen zu können, ob ich jetzt meine Grenze einfordern muss. Und dieser Prozess dahin, der sorgt schon ganz viel dafür, dass ich meine Grenze gar nicht setzen muss. Und manchmal sorgt er auch dafür, dass die Leute gar nicht hören, dass ich eigentlich eine Grenze setzen will, weil sie so viel Verhandlungsmasse hören. Weil für mich macht das schon einen Unterschied, ob, wenn ich die Grenze setze, die Leute so einen leichten Diskomfort haben, also so ein leichtes Unwillen oder ein ganz leichtes negatives Gefühl oder ob sie völlig ausrasten. Und wenn sie völlig ausrasten, dann würde ich meine Grenze gern anders setzen. Gelingt natürlich nicht immer. Genau, also das sind die zwei Gründe, warum es mir manchmal trotzdem nicht gelingt. Erstens, weil ich nicht gern Nein sage und zweitens, weil ich vorher viele Informationen einhole und dann die Grenzsetzung entweder nicht funktioniert oder gar nicht notwendig ist. So, das war das eine. Wie mache ich das und wie gelingt mir das? Ich kann nur sagen, go for it, das wird schon. Und selbst die Profis haben da Schwierigkeiten mit. Und das war das eine. Das finde ich auch nicht schlimm, weil ich will ja nett sein. Solange ich mich nicht dabei völlig selber vergesse, ist es ja okay, dass ich manchmal so ein bisschen an meiner Grenze kratze, finde ich, wenn ich damit gut umgehen kann. Und das Zweite, was ich gerne noch nachführen möchte, ist, ich kann nicht oft genug betonen, dass Grenzen setzen etwas ist, das mir Sicherheit gibt und mir Macht und Stärke gibt und nicht dafür da ist, die anderen Personen zurechtzuweisen. Und warum sage ich das jetzt nochmal explizit am Ende? Ich glaube, wenn wir in der Welt besser gelernt hätten, mit Grenzen umzugehen und weniger darauf warten würden, dass die Leute, die die Grenzen halten sollen, sich richtig verhalten, dann hätten wir viele, viele, viele Probleme weniger auf dieser Welt, unter anderem auch politische Probleme. Weil warum sind die Schreihälse, die wirklich Quatsch erzählen, so erfolgreich, weil wir sie nicht in ihre Grenzen verweisen, weil wir sie nicht beschränken, weil wir darauf warten, dass die andere Person sich anständig verhält, weil wir empört sind, weil wir immer in der Passivität sind oder weil die Randgruppen und die Schwachen oft in der Passivität sind. Und natürlich können die manchmal auch gar nicht anders, weil sie haben nicht so viel Macht, aber ich kann wirklich nur einladen, mehr auf diesen Prozess des Grenzensetzens zu legen, weil woher kommt das denn? Also es kommt aus der Begrenzung zwischen zwei Parteien und das gilt eben auch für Länder. Und wenn wir lernen, unsere Grenzen zu stärken und selbst zu stärken und nicht in der Passivität ausharren müssen, um darauf zu warten, dass die Grenzgänger in sich richtig verhalten. Dann passieren einfach gar nicht so viele Grenzverletzungen. Dann kann ich souverän sein, dann kann ich gelassen sein. Und deswegen im Kleinen wie im Großen ist es wichtig, Grenzen zu lernen, den eigenen Schutz und die eigene Macht in den Mittelpunkt zu stellen und nicht das Fehlverhalten der anderen Personen. Ich hoffe, das macht Sinn für euch. Schönen Tag euch.
