#115 – Wie der Kolonialismus unsere Beziehungen prägt

Geschichtsstunde mit Timmy

Ist unsere Art zu lieben ein koloniales Erbe?

Wir halten es oft für selbstverständlich: Ein Mann, eine Frau, für immer (oder zumindest für eine lange Zeit). Die Monogamie gilt in unserer westlichen Gesellschaft als der Goldstandard der Liebe – die „natürliche“ und „richtige“ Art, Beziehungen zu führen. Aber was, wenn dieses Konzept gar nicht so natürlich ist, wie wir glauben? Was, wenn unsere Vorstellungen von Romantik, Treue und Geschlecht eng mit einem der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte verknüpft sind?

In unserer aktuellen Folge von Mono, Poly & Co wagen Sonja und Timmy einen tiefen Blick in die Geschichte – und rütteln gewaltig an den Grundfesten unserer Beziehungsnormen.

Wenn Weltbilder aufeinanderprallen

Als westliche Mächte begannen, die Welt zu kolonialisieren, trafen sie nicht auf leere Länder, sondern auf komplexe Gesellschaften. Dort begegneten sie Menschen, die teilweise völlig anders lebten: Es gab Gesellschaften, die keine Vorstellung von Geschlechtern im westlichen Sinne hatten oder mehrere Geschlechter zuließen. Ebenso trafen sie auf Kulturen, in denen Homosexualität ein normaler Teil des Lebens war.

Für die Europäer war das keine faszinierende Vielfalt, sondern purer Horror. In ihrer Weltsicht, geprägt von strenger Moral und patriarchaler Herrschaft, war alles Abweichende schlichtweg „barbarisch“. Timmy erklärt in der Folge eindrücklich, wie dieser „Schock“ instrumentalisiert wurde: Die angebliche „Unzivilisiertheit“ der fremden Völker diente als perfekte Rechtfertigung, um sie zu unterwerfen, umzuerziehen und auszubeuten.

Impulskontrolle als Machtinstrument

Ein spannender Aspekt, den Timmy in dieser Folge beleuchtet, ist die Rolle der „Impulskontrolle“. Der weiße, europäische Mann definierte sich als überlegen, weil er – angeblich – seine Triebe im Griff hatte. Monogamie wurde zum Ausweis von Zivilisation.

Doch das Gespräch deckt die historische Doppelmoral gnadenlos auf: Während man zu Hause die heilige Ehe predigte, wurden in den Kolonien Bordelle errichtet. Fremde Frauen wurden als „verfügbar“ betrachtet, während die weißen Frauen zu Hause als „schützenswerte Heilige“ idealisiert wurden. Die vermeintliche zivilisatorische Überlegenheit entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als ein Konstrukt voller Willkür und Gewalt.

Warum das heute noch wichtig ist

Vielleicht fragst du dich: „Was hat das mit mir zu tun? Das ist Jahrhunderte her.“ Doch die Muster von damals wirken nach. Timmy und Sonja diskutieren, wie koloniale Denkmuster auch heute noch unsere Debatten prägen – sei es in rassistischen Stereotypen über die Sexualität von nicht-weißen Männern oder in der Angst, dass unsere gesellschaftlichen Werte verfallen, wenn wir traditionelle Beziehungsmodelle hinterfragen.

Diese Folge ist keine leichte Kost. Sie liefert keine „5 Tipps für eine bessere Kommunikation“. Stattdessen öffnet sie uns die Augen, um die Welt und unsere eigenen Überzeugungen einmal aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Wir laden dich ein, zu hinterfragen, welche Teile unserer „Liebes-DNA“ wirklich uns gehören – und welche uns von einer Geschichte der Macht und Unterdrückung vererbt wurden.

Bist du bereit, einen historischen Blick auf Beziehungen und Machtstrukturen zu werfen? Dann hör jetzt in die Folge rein.