⚠️ Personen, die selbst die Außenbeziehung waren oder sind, könnten sich von dieser Folge nicht gesehen fühlen – die Folge richtet sich bewusst an das betroffene Paar. Wir haben eine Folge für dich bereits in Planung.
📌 Themen dieser Folge:
- Warum moralische Urteile oft zu kurz greifen – und wie Verständnis helfen kann
- Begriffe klären: Betrug, Untreue, Fremdgehen – und die Abgrenzung zu Polyamorie
- Das 4‑Phasen‑Modell: Akung, Stabilisierung, Entscheidung, Handlung
- Phase 1: Akung – Schock anerkennen, Schutz und Damage Control, keine vorschnellen Entscheidungen
- Phase 2: Stabilisierung – Selbstfürsorge, essenzielle Infos (so detailarm wie möglich), Umgang mit Außenperson C
- Phase 3: Entscheidung – echte Wahlfreiheit: zusammenbleiben, trennen, mono/offen/poly
- Phase 4: Handlung – das „Neue Normal“ gestalten: Alltag, Kommunikation, Rituale, Vertrauen aufbauen
- Parallelaufgaben: Fakten klären, Heilung, Wiederaufbau (Ausblick auf Teil 2)
💡 Das Wichtigste in Kürze:
- Betrug bemisst sich am erlebten Betrugsgefühl; Subjektivität zählt.
- Erst schützen und stabilisieren: ausgewählte Vertraute, Pausen, keine finalen Entscheidungen im Schock.
- Echte Entscheidungen entstehen aus Wahlfreiheit, nicht aus Schuld oder Druck.
- Vertrauen wächst durch transparente, unterstützende Kommunikation und alltagstaugliche Vereinbarungen.
- Neuanfang ist ein Prozess: anpassen, nachjustieren, kleine verbindende Gesten pflegen.
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Credits:
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Zu Sonjas Beziehungs-Coaching und Blog-Beiträgen: https://sonjajuengling.de/
Intro
Willkommen bei Mono, Poly & Co., dem Non-Profit-Wissens-Podcast für Beziehungen in allen Formen. Ich bin Sonja Jüngling, Paar- und Sexualberaterin und außerdem Beziehungsbegeisterte, Abenteurerin und Gegensatzaushalterin. Mein wundervolles Team und ich liefern dir frei Haus und kostenlos alles, was du für die individuelle Gestaltung deiner Beziehungen benötigst. Mit ganz praktischen Tipps, Insights und Interviews. Schön, dass du für dich losgehst. Nutz gern zusätzliche Unterstützungsangebote und schaff Raum für das, was dich bewegt. Und nun viel Spaß mit der heutigen Folge.
Willkommen
Hallo zusammen und willkommen zu einer neuen Themenfolge hier bei MoPoCo. Heute geht es um den Umgang mit Untreue oder Betrug oder Fremdgehen.
Disclaimer
Und ich möchte hier einen kleinen Disclaimer einfügen, denn schon allein das Wort Betrug kann für manche Menschen ja sehr unangenehm sein. Außerdem möchte ich darauf hinweisen, dass diese Folge sich ganz klar an ein Paar richtet, bei dem es eine sogenannte Außenbeziehung gibt. Wenn du diese sogenannte Außenbeziehung bist, dann könnte es sein, dass diese Folge für dich nicht ganz das hat, was du dir eigentlich wünschst und dass sie auch anstrengender ist als für das Paar. Und da würde ich dir empfehlen, dass du auf die Folge wartest, die sich speziell an dich als Person richtet. Hören kannst du diese Folge natürlich trotzdem. Und jetzt komme ich wieder zurück zu meinem Disclaimer. Wenn du merkst, dass diese Folge zu viel für dich ist, unangenehm ist, dass dich das triggert. Das sind gute Zeichen, weil das zeigt, dass sich in dir was bewegen möchte. Und gleichzeitig kann das zu viel für dein System sein. Also überleg dir gut, ob du die Folge ganz hören möchtest, ob du Pausen brauchst zwischendurch oder ob du vielleicht einfach zur nächsten Folge skippst. Und ich möchte noch was vorab schicken. Im Grunde seit Jahrtausenden wird propagiert, dass Betrug etwas unfassbar Schlimmes ist. Und das ist es auch. Aber es wird propagiert, dass es okay ist, dafür zu töten, dass es ganz klar ist, dass dann die Beziehung beendet werden muss. Und das sehe ich und das sehen auch ganz viele andere Menschen, auch im Podcast-Team, sehr anders. Und mir ist es einfach wichtig, an dieser Stelle das zu sagen, dass es auch andere Möglichkeiten gibt. Natürlich kann es sein, dass du so verletzt bist, dass das nicht mehr weitergeht. Gleichzeitig ist es mir so wichtig zu sagen, dass jede Person an dieser Stelle, ja, Entschuldigung, gute Gründe hat für alles, was sie tut. Damit will ich nicht sagen, dass das in Ordnung ist. Aber die Menschen, die in so einer Situation das tun, was sie tun, tun das ja oft aus einer sehr, sehr großen Not heraus, weil Bedürfnisse nicht erfüllt werden, Sehnsüchte nicht erfüllt werden, weil, sie sich einfach in einer plötzlich moralischen Grauzone bewegen, wo sie nicht wissen, was sie tun sollen und schreckliche Angst haben, Menschen zu verletzen. Also ja, sie machen es auf, weil sie Angst haben, verlassen zu werden, aber sie machen es in erster Linie, weil sie Angst davor haben, Menschen zu verletzen, die sie lieben, denn das wollen sie nicht. Und deswegen würde ich dich einladen, eine Offenheit zu haben dafür, dass es eben auch andere Wege gibt, außer wir müssen uns auf jeden Fall trennen und wie geht das? Und da gebe ich heute ganz viele Möglichkeiten zu.
Aufbau der Folge
Die Folge ist für dich interessant, wenn du selber davon betroffen bist, auf der einen oder anderen Seite oder auf der dritten Seite, wenn du konkrete Schritte gerne wissen möchtest, was von welcher Seite getan werden kann oder sollte. Diese Folge könnte für dich aber auch dann interessant sein, wenn Betrugsgefühle an anderer Stelle auftauchen, zum Beispiel in Freund*innenschaften. Manchmal passiert das, wenn so ein bisschen Abstand geschaffen wird von einer Person oder wenn irgendwelche Geldgeschäfte nicht gut gelaufen sind. Und es kann aber auch relevant für dich sein, wenn die Langzeitbeziehung, um die es eigentlich geht, bereits getrennt ist und ihr im Scheidungsprozess seid und da Betrugsgefühle entstehen. Weil das passiert nämlich ganz oft, dass dann die Menschen sich ganz anders verhalten als innerhalb der Beziehung und dann entsteht auch oft ein Betrugsgefühl. Also diese Folge ist für dich immer dann relevant, wenn bei dir oder der anderen Person Betrugsgefühle entstehen. Ich werde heute einen groben Ablauf von diesem ganzen Prozess geben. Also was passiert während, nach einem Betrug, was braucht es an der Reparatur und so weiter. Und das ist so ein großes Thema, das lässt sich nur ganz schlecht in eine Folge bringen. Zumindest wenn die nicht zehn Stunden gehen soll. Das heißt, an vielen Stellen werde ich nicht detailliert genug sein, aber es wird noch im Nachgang Folgen dazu geben. Und die darfst du dir dann natürlich auch anhören. Und es wird zu dieser Folge auch eine Praxisfolge geben, wo ich wie immer drei Phänomene aus meiner Praxis als Paarberaterin aufdrösel und was du damit machen kannst. Die Folge richtet sich grundsätzlich an das Paar, das betroffen ist. Also das heißt, es geht hier vor allem um ein Miteinander. Aber in dieser besonderen Situation gibt es natürlich ganz häufig ein Gegeneinander, unterschiedliche Positionen und Interessen. Und das heißt, so wie das hier dargestellt wird, geht es in vielen Fällen gar nicht. Das wird aber in einer der folgenden Folgen sicherlich noch Raum finden. Und das ist nur meine Sichtweise. Es gibt auch andere Sichtweisen. Und ich werde auch so ein paar Quellen zitieren oder die findest du in den Shownotes. Aber mir ist ganz wichtig, nimm für dich nur mit, was für dich sich gut anfühlt und gut in dir resoniert. Und was nicht, lässt du liegen. Und schau dir auch andere Quellen an. Schau dir andere Podcasts, andere Stimmen an, die mit dem Thema sicherlich ganz anders umgehen.
Was dich heute erwartet
So, und dann möchte ich gerne noch einen kleinen Ausblick geben, damit du weißt, was dich heute erwartet. Ich spreche als erstes natürlich wie immer über die Definitionen, gebe dann noch eine kleine inhaltliche Einleitung und dann gibt es einen Bereich, in dem ich vier Phasen dieses Umgangs definiert habe. Und in diesen Phasen beantworte ich immer die gleichen Fragen, sodass ihr gucken könnt zum Beispiel, was passiert eigentlich in dieser Phase, welche Fragen sind nützlich und wie könnte der Alltag und die Kommunikation aussehen. Nach diesen vier Phasen gibt es dann einen Bereich, in dem ich erkläre, was eigentlich parallel die ganze Zeit passieren muss und worauf ihr achten dürft und was ihr für die Zukunft auch beachten dürft. Weil das Ganze ganz schön umfangreich geworden ist und sich irgendwie so eine natürliche Mitte ergeben hat, haben wir beschlossen, dass wir diese Folge zwei teilen und an zwei unterschiedlichen Sonntagen herausbringen. Denn wir regen immer wieder zur Selbstfürsorge an und an dieser Stelle hast du dann eben die Möglichkeit, ganz aktiv die Selbstfürsorge als Chance zu nutzen und eben nach der ersten Folge erstmal sacken zu lassen und nachzudenken und vielleicht ein paar Sachen aufzuschreiben. Und dann gibt es einen Sonntag später eben diese parallelen Sachen, auf die du hinschauen kannst neben den Phasen. Das heißt, wenn du jemand bist, der Sachen nicht gut unbeendet lassen kann, dann solltest du die Folge vielleicht jetzt ausmachen und sie erst hören, wenn auch die Folge danach erschienen ist. Und ansonsten ist das eine ganz fantastische Gelegenheit, ein bisschen Selbstfürsorge zu üben und da einfach darauf zu achten, dass du dich nicht überfrachtest.
Definitionen
Dann fangen wir mal an. Was ist denn überhaupt Betrug? Also Betrug ist ja im Grunde genommen, wenn ein Vertrag nicht eingehalten wurde. Also wir haben was vereinbart, ausgesprochen oder nicht und dann entsteht das Gefühl, dass der Vertrag gebrochen wurde. Synonym dazu wird oft die Untreue benannt. Für mich hat das einen kleinen anderen Geschmack und für dich darf das genauso sein, wie das für dich ist. Untreue bedeutet, dass meine Loyalitätserwartung nicht erfüllt wurde. Dass jemand nicht treu war in einem Aspekt oder in mehreren Aspekten, von denen ich eigentlich eine Treue erwartet hätte. Manchmal wird es auch als Fremdgehen bezeichnet. Das heißt, es gibt eine fremde Person, die in unserem System eigentlich keine Rolle spielt, die aber plötzlich ja so ein Miteinander mit einer Partnerperson bietet. Ich benutze die Begriffe heute synonym, die sind aber natürlich eigentlich nicht synonym. Wichtig daran ist, was ist die Definition von Betrug? Immer dann, wenn du ein Betrugsgefühl hast. Immer dann, wenn du denkst, ich wurde hier verarscht, ich verarsche. Es gibt ja von beiden Seiten oder von allen drei Seiten da ein Gefühl zu. Und immer wenn dieses Gefühl auftaucht, dann ist das für mich ein Betrug. Völlig egal, was in den Handlungen widergespiegelt wird, weil jede Person eben die eigene Wahrheit hat. Was Betrug auch ist, neben einem tragischen Ausdruck unerfüllter Bedürfnisse und viel Drama und viel Verletzung und Größe und viel Aufwand, ist, dass es eine Chance ist. Ich weiß, das fühlt sich nicht immer so an, aber im Grunde genommen ist es ja eine Chance, zum Beispiel alte Verletzungen, die in die Richtung gingen, aufzuarbeiten, eine andere Erfahrung damit zu machen, wenn ich betrogen wurde oder mich betrogen fühle. Es ist eine Chance, die Beziehung, die betroffen ist und auch meine anderen Beziehungen neu zu gestalten, weil ich ganz viel lerne und ganz viel mitnehme und ganz viel wachse. Und es ist eine Chance, mich und die andere Person wirklich kennenzulernen und auch unsere Beziehung wirklich kennenzulernen auf eine Weise, die vorher nicht stattgefunden hat.
Inhaltliche Einleitung
So, das war die Definition, bevor ich jetzt in die inhaltliche Darstellung gehe. Also es ist, das, was ich hier mache, ist ein Modell und zwar meins oder unseres. Das besteht aus vier Phasen und in diesen Phasen gebe ich einen Namen für die Phase. Ich gebe an, was das Ziel der Phase sein könnte. Ich gebe eine Frage oder mehrere mit. Ich gebe an, was in dieser Phase passiert, was in dieser Phase wer tun könnte, wie der Alltag in dieser Phase aussehen könnte, wie die Kommunikation in dieser Phase aussehen könnte und worum es eigentlich geht. Also das heißt, jede der vier Phasen, da habe ich so ein paar Punkte, den Titel mit dem Ziel, die Frage, was passiert eigentlich, was könnte wer tun, den Alltag, die Kommunikation und worum es geht. Das heißt, wenn du willst, kannst du dir jetzt einen Zettel und einen Stift nehmen und das mitschreiben. Du könntest aber auch erst einmal durchhören und dann später nochmal nachschauen. Also ich hatte überlegt, da eine Übersicht mit zur Verfügung zu stellen, Aber mit der eigenen Handschrift und den eigenen Worten das zu notieren, kann sehr viel mehr bei dir bewegen, als es einfach nur passiv vorgekaut zu bekommen. Genau, das sind die vier Phasen. Und parallel zu den vier Phasen, also viele AutorInnen bauen das in die vier Phasen ein. Aber ich habe eigentlich die Erfahrung gemacht, dass ganz unterschiedlich ist in unterschiedlichen Phasen passiert, was diese Aspekte angeht. Das, was nämlich parallel passieren muss, ist hingucken. Es braucht eine Klarheit über die Fakten und das Warum. Es braucht eine Heilung und es braucht einen Wiederaufbau. Und das passiert quasi parallel zu den vier Phasen. Und das ist, wie gesagt, ein Modell. Das heißt, in der Realität ist es vermutlich nicht so deutlich trennbar, wie ich das hier so tue. An manchen Stellen geht es für dich vielleicht gut, an anderen nicht. Behalte das im Hinterkopf. Es ist ein Modell. Es soll dir helfen, zu strukturieren und zu verstehen. Und wenn es dir nicht hilft, dann such gern was anderes. Ich möchte außerdem gerne definieren, also ich werde nicht den Fremdgeher oder das Opfer oder die Betrogene oder so, diese Worte werde ich nicht nehmen, weil es ist halt einfach eine Rolle in diesem System. Ich will in keinster Weise irgendeinen Vergleich hervorrufen, wer mehr leidet oder wer schlimmere Schmerzen hat oder wer der Böse ist oder wer die Schuld hat oder sowas. Das versuche ich zu vermeiden, weil das eigentlich niemandem hilft, denn jede Wahrheit einer Person ist eine Wahrheit und jeder Schmerz ist wahr. Und ja, es ist einfach ganz oft total heilsam und wichtig, diesen Schmerz auch anzuerkennen. Völlig egal, was unsere Gesellschaft oder unsere inneren moralischen Kompasse dazu sagen. Die Wahrheit ist auf jeden Fall richtig. Und deswegen habe ich mich entschieden, mit Personen zu arbeiten, also zu sagen, es gibt Person A. Das ist in dem Fall die Person, die vorher nichts wusste und die sich in einer geschlossenen oder andersartig geklärten Beziehung befand. Also auch in der Polyamorie gibt es ja Untreue. Das heißt, A ist die Person, die keinen unabgesprochenen sexuellen, romantischen, intimen Kontakt zur Außenwelt hatte. Und B ist die Person, die Kontakt zu einer Außenperson hatte und die das in irgendeiner Form verheimlicht oder in dem Zusammenhang auch gelogen hat. Und C ist die Person, mit der der Außenkontakt bestanden hat. Mir ist wichtig an der Stelle, das ist, glaube ich, gerade schon mehrfach rausgekommen, aber ich möchte es jetzt nochmal deutlich sagen, also das, was die Polyamorie von der Untreue, abgrenzt, ist eben die Heimlichkeit darüber und der Vertragsbruch und dass die beiden Menschen unterschiedliche Ansprüche an das, was passiert haben und darüber nicht kommuniziert wurde. Genau, was ich noch zur Einleitung sagen möchte, ist, dass rund um diesen ganzen, Prozess ganz, ganz viele Gespräche notwendig sind. Wenn ihr das zusammen macht, wenn eine Person sich weigert, dann braucht ihr diese Gespräche natürlich nicht machen, aber diese Gespräche sind auch wirklich hilfreich. Und die sind natürlich begleitet mit vielen Emotionen. Die brauchen Zeit und Kraft. Das heißt, wenn du durch diesen Prozess wirklich durchgehen willst, du kannst das Ganze natürlich auch ignorieren, es hat alles Vor- und Nachteile, aber wenn du da durchgehen willst, dann brauchst du Zeit und Kraft, die du bereitstellen musst. Das heißt, es braucht eine Phase, wie lange ist es ganz unterschiedlich, in der du dafür einfach Ressourcen brauchst. Und es sinnvoll ist, diese Ressourcen, wenn du dich bewusst dafür entscheidest, auch zur Verfügung zu stellen. Und ich glaube, es ist schon klar, aber ich sage es jetzt nochmal ganz klar, deutlich. Es ist groß, also wenn ein Betrug, ein gefühlter Betrug passiert oder ein reeller Betrug, das ist unglaublich groß. Und ich erzähle in den zukünftigen Folgen auch, warum das so groß ist. Aber es ist nicht das Ende der Welt, auch wenn unsere Umwelt das immer so darstellt. Es wird betrogen, also ist die Beziehung zu Ende. Und das bedeutet, alles, was ich mir bisher gedacht habe, ist zerbrochen. Meine Welt zerbricht. Und das ist gar nicht immer der Fall. Manchmal schon und manchmal eben auch nicht. Und das ist mir ganz wichtig. Du wirst da durchkommen. Du wirst es schaffen. Es wird einen danach geben und es wird auch Gutes danach geben. Auch wenn du dir das gerade nicht vorstellen kannst. Und es wird sich so anfühlen, als wenn die Welt untergeht. Und dieses Gefühl wahrzunehmen und ernst zu nehmen, ist wichtig. Auch wenn de facto die Welt natürlich nicht untergeht. Denn die Erde wird sich weiterdrehen, die Sonne wird sich weiterdrehen, wir werden alle weiter atmen, wir werden alle weiter Geld verdienen, Geld ausgeben, lieben, lieben lassen. Das wird alles passieren. Auch wenn wir uns das vielleicht wünschen, dass wir alles zerschlagen und sterben möchten. Für manche Menschen ist das ja tatsächlich ein Gefühl. Ich habe es eingangs schon gesagt, ich beziehe mich heute auf die Aktionen der Paare, also des betroffenen Paares und natürlich geht der Prozess auch allein. Der ist dann vielleicht nicht so schön, vielleicht noch schöner, vielleicht weniger oder mehr anstrengend, aber es ist auch möglich, das alleine zu machen, wenn du Interesse daran hast, das aufzulösen, daran zu wachsen und da mit geheilten oder zumindest versorgten Wunden rauszugehen.
Phase 1: Aufdeckung
Jetzt fange ich mit den Phasen an. Die erste Phase nenne ich die Phase der Aufdeckung. Das Ziel dieser Phase sollte meiner Meinung nach sein, die Situation zu akzeptieren. Das ist mir ganz wichtig, die Situation und nicht, dass das okay war oder dass ich verzeihen muss oder so. Es geht hier rein darum, dass ich da ankomme, dass diese Tatsache, ich wurde betrogen, jetzt meine Realität ist. In die Akzeptanz solltest du meiner Meinung nach kommen. Und da rein sollte nicht nur Person A kommen, sondern auch Person B und C. Die Katze ist aus dem Sack, es ist jetzt real. Die Frage, die ich dir bezüglich dieser Phase mitgeben möchte, ist, wie überwinde ich den Schock? Denn das ist ein Schock. Das ist groß und wirklich ein Schlag ins Gesicht. Und die Frage ist, es ist immer leichter hin zu etwas Positivem als weg von etwas Schlechtem. Also ich möchte nicht darüber nachdenken, weil es so schlimm ist. Das bringt mich sicherlich nicht weiter. Aber wie überwinde ich den Schock? Wie komme ich in ein Danach aus dem Ausnahmezustand? Das ist sicherlich eine hilfreiche Frage. Was passiert in dieser Phase? Vor allem Person A erlebt wirklich einen Schock, erlebt wirklich ein großes Trauma. Ob das dann traumatisierend ist oder nicht, hängt davon ab, wie es sich danach anfühlt, aber es ist erstmal wirklich eine große Verletzung, die alles aufrüttelt. Und alle Personen haben sicherlich eine gewisse Fassungslosigkeit und einen Ausnahmezustand, den sie in dieser Phase der Aufdeckung erleben. Was könnte wer in dieser Phase tun? Allen drei Personen sollten und dürfen ausgewählte, und das ist mir ganz wichtig, ausgewählte, einzelne Freundys helfen, die dürfen unterstützen. Und es sollte aber in dieser Phase klar sein, dass das nicht an die große Glocke gehängt wird. Das fällt einem manchmal ein bisschen schwer, das irgendwie anderen Menschen gegenüber zu verheimlichen, weil man die natürlich auch nicht hintergehen möchte, selbst nicht hintergehen möchte, sondern transparent sein möchte. Aber wenn ich das vielen Menschen erzähle, dann sind viele Handlungsstränge nicht mehr möglich. Deswegen ist an der Stelle total wichtig, das nicht so groß zu machen, sondern nur ausgewählte Personen damit einzuweihen. Manchmal kann es auch hilfreich sein, sich durchaus eine Zeit zu nehmen, diesen Schock auch auszuagieren. Also sich anzuschreien, auch aggressiv zu sein, im beiderseitigen Einvernehmen, das ist mir ganz wichtig. Da komme ich zum Schluss nochmal drauf. Aber das kann sinnvoll sein, das wirklich auszuagieren und wirklich empört zu sein, die Empörung, die Wut auch rauszulassen, aber nur, wenn die andere Person auch bereit ist, das zu hören. Was auch möglich wäre, wäre das in einen Brief oder in eine Sprachnachricht zu packen, wo die andere Person sich überlegen kann, ob und wann sie das hört. Aber dass das Raum findet, das ist total wichtig und dass ihr überlegt, ob ihr das wirklich ausagieren möchtet. Das kann hilfreich sein. Also auch wenn du Person A bist, dass du Kontakt zu Person C aufnimmst. Ihr wisst, Einvernehmen ist mir immer wichtig. Also schaut hin, dass ihr das so hinkriegt, dass die Personen auch wirklich einverstanden damit sind. Und es kann auch hilfreich sein. Also was könnte wer tun? Ihr könntet in Abstand gehen, vorübergehend ausziehen oder so. Da komme ich gleich noch drauf. Aber also emotionaler Abstand, eine Gesprächspause, das kann schon sinnvoll sein. Wie sieht der Alltag dann aus? Das ist die Frage, könnt ihr euch überhaupt noch begegnen und wie könnte das aussehen? Könnte es möglich sein, dass ihr vorübergehend auszieht? Das wäre eben der ultimative Abstand. Und was ist überhaupt noch an Alltag möglich miteinander, ohne dass es jedes Mal eskaliert oder sehr schmerzt? Also der Alltag sollte deutlich reduziert werden in dieser Phase der Aufdeckung. Meiner Erfahrung nach ist es so, dass die Kommunikation so wenig dramatisch und so viel einvernehmlich wie möglich sein sollte. Also wenn ihr das ausagieren wollt, anschreien und so, dann ist das natürlich sehr dramatisch, aber es ist eben eine bewusste Entscheidung zur Dramatik. Und da wäre es gut, wenn ihr das einvernehmlich macht. Kann die andere Person das gerade überhaupt aushalten? Oder ist sie so in den Schuld- und Schamgefühlen verloren, dass das gar nicht möglich ist, da wirklich zuzuhören. Wichtig ist bei der Kommunikation, sich ernst zu nehmen und zu verzeihen und auch die andere Person ernst zu nehmen und ihr kommunikative Schnitzer auch zu verzeihen. Wenn das nicht möglich ist, machst du es nicht. Gezwungen bringt das überhaupt nichts. Und auch anzuerkennen, in der Kommunikation, es ist gerade ein Ausnahmezustand. Wir können vermutlich keine klugen Entscheidungen gerade treffen. Wir sind einfach so ausgelöst. Unser Nervensystem ist so außerhalb unserer Komfortzone, dass es überhaupt keinen Sinn macht, wirklich ernsthaft zu reden. Und es ist auch wichtig, in diesem Ausnahmezustand eben auch, ich habe gerade gesagt, mich ernst nehmen mit meinen Gefühlen, aber eben Äußerungen vielleicht auch ein bisschen weniger ernst zu nehmen. Also so Sachen wie, ich will dich nie wiedersehen oder wir müssen uns jetzt sofort trennen oder so, dass ihr die wirklich mit Bedacht betrachtet, weil also immer, wenn Menschen sich im Ausnahmezustand befinden, dann ist es klug, ein paar Monate, also am besten ein Jahr, keine großen Entscheidungen zu treffen, weil ich eben im Ausnahmezustand bin. Das gilt für zum Beispiel Verliebtsein, zum Beispiel Verlust einer lieben Person, einer nahen Person, Geburt eines Kindes. Also alles, was wirklich epochale Ereignisse in deinem Leben sind. Da solltest du dir gut überlegen, was für Entscheidungen du wann triffst und gib dir da gerne Zeit mit. Ich weiß, dass das herausfordernd ist, das zu sagen, weil das bedeutet auch, dass ihr eine ganze Weile in so einer Art Schwebezustand seid. Und es geht ja nicht darum, dass ihr das anders macht, nur seid euch dessen bewusst, dass die Entscheidungen, die da getroffen werden, oft gar nicht dauerhaft gültig sind. Also ein Ich will dich nie wiedersehen hält meistens nicht, zumal wenn Kinder da sind, ist das ja auch einfach gar nicht logistisch umsetzbar. Wenn ich auf die Kommunikation gucke, wiederhole ich nochmal, so wenig dramatisch und so viel einvernehmlich wie möglich, die eigenen Gefühle und die anderen Gefühle ernst zu nehmen und, mir meine eigenen Schnitzer und die der anderen Person auch zu verzeihen, wenn das möglich ist, den Ausnahmezustand anzuerkennen und dabei eben auch anzuerkennen, dass da manchmal Sachen gesagt werden, die vielleicht gar nicht der Realität so standhalten. Okay, das war Phase 1, die Phase der Aufdeckung, wo das Ziel ist, die Situation zu akzeptieren. Entschuldigung, ich habe noch einen Punkt vergessen. Worum geht es in dieser Phase? Es geht hier ganz klar um Damage Control. Es geht hier darum, dass nicht zu viel Geschirr zerschmissen wird, was man nicht mehr kleben kann. Es geht um Schutz. Es geht um den Schutz aller Personen, dass die nicht zu viel aus der Aufdeckung übernehmen. Dass das alles passiert, das ist schlimm genug. Die Phase der Aufdeckung sollte nicht eine zweite traumatisierende Situation werden.
Phase 2: Stabilisierung
Dann kommen wir jetzt zur Phase 2. Die habe ich genannt Stabilisierung. Das Ziel ist hier wieder in die Handlungsfähigkeit zu kommen. Und da würde ich dir die Frage mitgeben, was brauche ich jetzt oder was brauchen wir jetzt, um eben wieder stabil miteinander zu interagieren. Was passiert in dieser Phase hoffentlich? Ganz viel Selbstversorgung, vor allen Dingen für Person A. Ganz viel Reflexion. Was passiert hier gerade? Wirklich beobachten, wie geht es mir mit was? Wie handle ich? Handle ich nach meinen moralischen Werten? Das ist einfach ganz wichtig, dass ihr da irgendwie einen Weg zurück ins Leben findet. In ein wie auch immer geartetes Leben. Also nicht in ein davor, hoffentlich. Denn das hat zu der Affäre geführt. Aber dass ihr irgendwie euch in den Blick nehmt und euch in die Stabilisierung führt. Was könnte wer tun in dieser Phase? Hier könnte es sinnvoll sein, wenige, aber nützliche Informationen zu geben und einzuholen, also was ist wirklich passiert, aber wirklich so detailarm, wie es geht und die Person, die noch, die unwissende Person darf da gerne geschlossene Fragen stellen. Weil you cannot unknow things. Und in der Phase, wenn ich eh schon aufgebracht bin, ist die Frage, wie viel mehr möchte ich mich noch aufbringen. Also es kann da sinnvoll sein, echte Informationen zu geben, um eben das Gedankenkarussell in irgendeiner Weise zum Stoppen zu bringen. Und es kann auch sinnvoll sein, für die Stabilisierung einen Kontaktabbruch zu machen mit der Person C. Ich empfehle immer einen vorübergehenden Kontaktabbruch, weil in manchen Fällen geht es gar nicht, dass man die Person ganz aus dem Leben schmeißt. Und diese Personen, also selbst wenn alle sagen und das Beste finden, dass B und C sich nie wiedersehen und das auch umsetzen können, braucht es meiner Meinung nach, damit alle, Gut und Heile aus der Situation rauskommen, durchaus auch eine Verarbeitung der Trennung, Verarbeitung des Kontaktabbruchs an der Stelle. Das heißt, alternativ dazu könnte es auch möglich sein, dass man nicht eine Kontaktpause macht, sondern dass es ein Treffen gibt zwischen A und C und eventuell auch mit B. Um eben zu gucken, wie, ja, es geht halt um Stabilisierung in der Phase, wie könnte das gehen. Die klassischen Begleitungen von solchen Szenarien sagen, es ist ganz klar und absolute Grundvoraussetzung, dass zu C kein Kontakt mehr besteht. Und das macht auf eine gewisse Weise Sinn. Umsetzbar ist es oft schlecht und manchmal ist es eben so, dass dann alle Personen mehr unter diesem Kontaktabbruch oder der Kontaktpause leiden, als wenn sie, unter kontrollierten Bedingungen weiterhin Kontakt möglich machen, wo dann auch Informationen rausgegeben werden. Und ich habe das durchaus schon begleitet, dass Person A dann von sich aus, ohne dass Person B das wusste, Kontakt zu C aufgenommen hat, um eben vorweg benannte Informationen zu bekommen, weil es ist halt eine dritte Person. Und die Literatur sagt an vielen Stellen eben, eine endgültige und absolute Trennung zu C ist absolut notwendig, um weiterzugehen. Das sehe ich anders. Ich finde, das darf man individuell gestalten, weil manchen Personen A ist es tatsächlich hilfreich, wenn es noch Kontakt zu Person C gibt, wenn der kontrolliert und transparent ist. Da komme ich aber später noch drauf. Also transparent im Sinne von, kann ich kontrollieren, dass die beiden wirklich nur das machen, was abgesprochen ist und kann ich darauf vertrauen. Genau, was könnte wer noch tun? Beide könnten vorsichtig versuchen, wieder eine Verbindung herzustellen in der Stabilität und die kann auch stabilisierend wirken, weil wenn das eine monogame Beziehung war oder eine Nummer 1 Beziehung, eine sehr enge Lebensgemeinschaft, dann kann Kontakt, gerade Körperkontakt natürlich stabilisierend wirken und regulierend wirken, in einem gewissen Rahmen. Aber das muss eben ganz vorsichtig sein. Und wenn ihr Verbindungen wiederherstellen wollt, wie sieht das aus und was würde es das für brauchen? Und es müsste halt klar sein, dass diese Verbindung gerade eine besondere Verbindung ist, die nicht, also eine Beziehung kann man nicht am Reißbrett planen, an dieser Stelle diesen Kontakt gibt. Und das heißt nicht, dass das ab jetzt für immer so sein muss. Wie könnte also der Alltag aussehen? Ihr könntet anfangen, wenn ihr stabil seid und im Rahmen der Stabilisierung, kleine gemeinsame Momente und Routinen wieder einzuführen. Also das, was ihr vorher gemeinsam gemacht habt, auch jetzt wieder zu tun. Die Kinder zusammen abholen, sonntags morgens zum Pony fahren, keine Ahnung. Also die Sachen, die euch halt und Positives gegeben haben, die kleinen Dinge, morgens vor der Arbeit noch einen Kaffee zusammen trinken oder so, dass ihr mal überlegt, welche kleinen gemeinsamen Momente und Routinen ihr wieder in den Alltag integrieren wollt. Und wie könnte die Kommunikation aussehen? Ich würde sie an dieser Stelle sehr höflich bezeichnen. Also meine Definition von höflich ist das, was die Gesellschaft vorschreibt, was ich denke, was anständig ist. Ich bin ja keine große Freundin von Höflichkeit. Ich bin eine Freundin von wohlwollender Ehrlichkeit, rücksichtsvoller Ehrlichkeit. Aber an dieser Stelle kann es sehr sinnvoll sein, höflich zu sein und wirklich gut darauf zu achten, was gehört zum guten Ton, was ist anständig. Und die Kommunikation sollte sehr vorsichtig sein und wenig echte Verletzlichkeit geben. Denn es kann immer wieder sein, dass ihr aus der Stabilisierungsphase nochmal in die Aufdeckungsphase zurückrutscht oder in eine andere Phase und dann seid ihr sehr zart, sehr verletzlich und es kann sehr schnell zu weiteren Verletzungen führen. Deswegen würde ich in dieser Phase, in der Phase 2, in der Stabilisierung, echte Verletzlichkeit nur sehr selten aufmachen, sondern wirklich sehr abständig, vorsichtig und höflich sein. Worum geht es in der Phase 2 der Stabilisierung? Um ein vorsichtiges Annähern, um wieder im Alltag in irgendeiner Form anzukommen und wieder Normalität herzustellen.
Phase 3: Entscheidung
Dann kommen wir zu Phase 3. Phase 3 ist die Phase der Entscheidung in meinem Modell. Also damit meine ich nicht, so wie ich es jetzt entscheide, wird es für immer sein, denn Beziehungen kann ich nicht am Reißbrett planen. Aber dass es eine vorläufige Entscheidung gibt oder zumindest eine Tendenz. Wollen wir versuchen, zusammenzubleiben oder wollen wir uns trennen? Ja, und das Ziel an dieser Stelle ist Orientierung und Planbarkeit. Denn je nachdem, wie lange Phase 1 und 2 dauern, das kann wenige Stunden bis, mehrere Monate oder Jahre sein, je nachdem, wie lange Phase 1 und 2 dauern, ist eine Orientierung ja vielleicht wirklich wichtig. Worauf darf ich mich einstellen? Wir müssen ja auch irgendwie planen, Urlaube und so weiter. Und ich habe gerade gesagt, die kann mehrere Monate oder Jahre dauern. Also Phase 3 darf auch schon nach relativ kurzer Zeit versucht werden einzuläuten. Und da könnt ihr dann gut gucken, sind wir dazu überhaupt schon in der Lage oder sind wir eigentlich zu sehr noch mit Phase 1 und 2 beschäftigt. Also die Phase 3 ist die Phase der Entscheidung und das Ziel ist die Orientierung, damit ihr planen könnt. Die Frage, die ich euch da mitgebe, ist, wollen wir, und das ist ganz wichtig, eine gemeinschaftliche Entscheidung uns trennen oder wollen wir mono, offen oder poly weiter zusammen sein? Und diese Frage kann an dieser Stelle nicht endgültig geklärt werden, aber eine Tendenz von beiden Personen kann total sinnvoll sein Und vielleicht schafft ihr es sogar, eine einvernehmliche, gute Entscheidung zu treffen, was ihr versuchen wollt. Und ja, es ist viel verlangt, so viel Unklares auszuhalten. Das habe ich eingangs schon gesagt und ich kann das nur immer wieder erwähnen, weil wir sind in unserer Gesellschaft nicht gewöhnt, Unklarheiten in Bezug auf Beziehungsstatus zu haben. Aber genau das ist an dieser Stelle sinnvoll, meiner Meinung nach. Also die Fragen, die es hier zu beantworten gilt, sind, wollen wir uns trennen oder mono, offen oder poly zusammen sein? Ist Kontakt zu C noch möglich und wenn ja, wie und welcher Kontakt darf sein? Und da ist es auch wichtig, eine gemeinschaftliche Entscheidung herbeizuführen und das nicht aus lauter Schuldgefühlen von B, A entscheidet, ob C und B sich treffen dürfen, sondern das sollte gemeinschaftlich entschieden werden. Und letztendlich darf jede Person ja machen, was sie will. A kann sich mit C treffen, B kann sich mit C treffen. Niemand kann das verbieten und gleichzeitig hat alles Konsequenzen. Und darüber zu sprechen, was so die Idealvorstellung wäre, wäre gut. Und vielleicht stellt ihr fest, dass es gar nicht so anders ist, was ihr wollt. Und an dieser Stelle, also bei beiden Fragen wollen wir uns trennen oder in irgendeiner Form zusammenbleiben. Als Freundys könntet ihr ja auch weiterhin gehen. Also könnte ein Kontakt zu C möglich sein und wie sähe der aus? Das gemeinschaftlich zu entscheiden, gibt ganz viel Handlungsspielraum. Denn wir alle mögen es nicht, wenn über unsere Köpfe hin entschieden wird. Wir alle mögen eher Freiwilligkeit. Und wenn ihr in eine gemeinsame Entscheidung kämt, wäre das total schön. Muss aber auch nicht sein. Aber das wäre das Ziel. Eine vorläufige Entscheidung. Und wenn ihr das nicht gemeinschaftlich schafft, sondern die Entscheidung durch die Grenzen einer Person gesetzt werden, zum Beispiel, ich kann das jetzt nicht mehr, du hast dich für mich für immer verändert, dann ist das so. Aber darüber zu sprechen und auch das offen zu machen, dass ich das eigentlich gar nicht entscheiden möchte, aber dass mein System das im Grunde genommen entschieden hat, das kann auch schon total verbindend und hilfreich sein. Was passiert in dieser Phase? Ja, bewusst wählen passiert hier und gemeinsam mit klarem Kopf eine Entscheidung treffen, die dann auch vielleicht dauerhaft Gültigkeit haben könnte und da ist es wichtig, die Grenzen ernst zu nehmen. Also Person B schlägt sich hier oft viel mit Schuldgefühlen und Scham rum und stimmt dann quasi allem zu, aber das ist keine bewusste, einvernehmliche, ehrliche, langzeitlich günstige Entscheidung, Sondern, also wenn ihr eine nachhaltige Entscheidung wollt, denn davon gehe ich aus. Ihr wollt ja, das ist eine wichtige Beziehung für euch und nachhaltig ist da wichtiger als kurzfristig meiner Meinung nach. Und da ist es sicherlich wichtig, die eigenen Grenzen ernst zu nehmen, weil sonst ist es keine nachhaltige Entscheidung. Was könnte wer tun in dieser Phase? Beide sollten sich miteinander und ohne einander informieren und lernen. Lernen darüber, was ist hier gerade passiert? Welche Möglichkeiten gibt es? Was ist offen? Was ist Poly? Warum möchte ich Mono leben? Also wirklich, damit ich eine Handhabe habe, damit ich weiß, worauf ich gucken kann. Also da ist es ganz wichtig, sich wirklich fortzubilden, was theoretisch und praktisch möglich ist. Also was theoretisch möglich ist, indem ich mich einfach über die andere Kultur, die Nicht-Monokultur informiere. Und was aber auch praktisch möglich ist, was ist meine Veranlagung? Also bin ich, das ist ja ein Spektrum, bin ich eher Mono veranlagt oder eher Poly? Was ist meine Wahl? Also selbst wenn ich eher Poly veranlagt bin, möchte ich vielleicht trotzdem Mono leben, weil mir alles andere zu tricky ist. Und gibt es Trauma? Gibt es Bindungstraumata? Gibt es Entwicklungstraumata? Das spielt eine Rolle, weil das bedeutet, dass du in einem Nicht-Monokontext sehr viel mehr Arbeit hast, als jemand, der an dieser Stelle kein Bindungstrauma oder kein Entwicklungstrauma hat. Also gibt es natürlich keine Studien zu. Ich weiß nicht, ob Schocktrauma an dieser Stelle auch relevant sind. Meine Vermutung wäre ja, aber da könntet ihr vielleicht eher bei Dami Charf oder Verena König mal nachhorchen. Wie könnte also der Alltag aussehen? Sich innerlich und gemeinsam offen mit den Optionen beschäftigen. Das heißt, im Alltag, der hoffentlich wieder einigermaßen funktioniert nach der Phase 2, durchaus immer wieder darüber unterhalten. Und das muss gar nicht sein, dass man sich vornimmt, so jetzt reden wir wieder drüber, sondern das kann auch im Alltag passieren. Aber solltet ihr immer gut beobachten, wie fühlt sich das Gespräch an? Ist es eher konfliktreich? Ist es ein Streit? Möchten wir das deswegen beenden? Ich verweise da nochmal an die Folge Safe Word. Also schaut gut, wie die Gespräche laufen und wie sie sich anfühlen. Weil wenn ihr immer wieder nur die Fakten, um die Fakten ringt, wer hat Recht gehabt, welche Version ist richtig. Also wenn ihr immer wieder um die Fakten ringt, was ist sinnvoll, was ist nicht sinnvoll, das macht keinen Sinn. Seht zu, dass das Gespräch ruhig ist, dass euer Nervensystem offen ist dafür, wirklich die andere Person zu hören. Und sprecht eher über Gefühle und Bedürfnisse als über Fakten. Sprecht darüber, was ihr wann braucht. Ja, also die Gespräche dürfen angesetzt sein, geplant sein, ein Ende haben, eine starke Struktur haben und die dürfen sich spontan ergeben, weil manchmal ist so ein, ach, weißt du was, ich habe nochmal über das Gespräch gestern nachgedacht und ich finde, an der Stelle hattest du total recht oder an der Stelle sehe ich das auch so und ich stimme dir zu, das war blöd von mir, das tut mir leid. Ja, sowas kann sehr viel wirksamer sein, als zweieinhalb Stunden über diese Sache zu reden. Also der Alltag sollte so sein, dass ihr euch innerlich und auch gemeinsam offen mit den Optionen beschäftigt und ganz wirklich ergebnisoffen. Selbst wenn ihr schon klar habt, das will ich nicht, mal drüber nachdenken, warum will ich das nicht und da wirklich ins Gespräch gehen, weil wenn du sagst, das geht für mich nicht, das ist meine Grenze, voll fein und gleichzeitig muss die andere Person diese Grenze dann ja auch akzeptieren. Und sie zu verstehen, woher diese Grenze kommt und wie doll du dich schon bemüht hast, die Grenze aufzuweichen, das sind Informationen, die bei der Akzeptanz deiner Grenze total hilfreich sind. Wie sollte die Kommunikation aussehen? Habe ich gerade schon ein bisschen was gesagt. Es sollte, wenn möglich, wenig Streit sein oder wenn überhaupt bewusstes Anschreien. Also die Kommunikation sollte eine vorsichtige Klarheit haben. Also es sollte ganz viel Pampern und Erklären dabei sein. Also wenn ich was sage, eine Grenze setze oder um was bitte, dass ich da ganz genau klar mache, was ist meine Intention, was ist meine Motivation, wo sehe ich, dass das vermutlich herausfordernd für dich ist, wo ist meine Erwartung so, dass ich denke, das ist für dich eine Kleinigkeit. Also je mehr Informationen drumherum, desto besser und auch da eher über Gefühle und Bedürfnisse sprechen als über Fakten. Und worum geht es in dieser Folge? Und das ist da der wichtigste Punkt. Es geht um eine echte Wahlfreiheit. Und dieses Echt habe ich hier in drei Kästchen gesetzt. Es ist also wirklich wichtig, da in eine authentische Meinung von mir zu kommen und so lange weiter zu diskutieren, bis ich das Gefühl habe, ich hatte wirklich eine Wahl. Also was will wer wirklich? Jetzt könnt ihr euch natürlich denken, dass diese Phase unter Umständen auch ziemlich lang sein kann, weil was will ich? Diese Frage stellen sich viele Menschen ja gar nicht. Wir stolpern so in die monogame Lebensgemeinschaft und was ich aber wirklich will und was ich denke, was ich will, weil die Gesellschaft mir das sagt. Also ich meine, das steht ja nirgends. Also was will ich wirklich? Das kann ja eine dreijährige Reise zu mir selbst sein. Aber dass ihr versucht, euch so nah wie möglich einer echten Wahlmöglichkeit anzunähern, wäre total gut. Und darum geht es in dieser Phase.
Phase 4: Handlung
Okay, dann komme ich jetzt zu Phase 4. Die Phase 4 nenne ich Handlung. Das Ziel ist, das Neue einzuleiten, also ein neues Normal zu finden. Die Frage, die ich euch damit gebe, ist, wie kann der Alltag aussehen, bis es ein echtes, neues Normal gibt, bis es ein Danach gibt. Also ihr habt euch ja hoffentlich schon in Phase 3 zu irgendwas committed und habt gesagt, wir wollen mal versuchen, zusammenzubleiben oder wir wollen mal versuchen, monogam zusammenzubleiben, wir wollen mal versuchen, offen zusammenzubleiben oder wir wollen uns trennen. Was heißt das überhaupt? Muss eine Wohnung aufgelöst werden? Wie könnte das aussehen? Und die Frage ist eben, wie kann der Alltag aussehen, bis das neue Normal komplett stabil ist? Was passiert in der Folge? Da gibt es eine Wohnraum-Kalender-Kommunikationsneugestaltung und auch eine Neugestaltung von ganz vielen anderen Aspekten. Vielleicht möchtet ihr ein anderes Label haben, vielleicht eine F-Plus oder eine F oder eine Bekanntschaft oder eine Elternschaft oder vielleicht möchtet ihr wieder eine romantische Partnerschaft haben. Vielleicht möchtet ihr eine romantische Partnerschaft, aber keine Lebensgemeinschaft mehr haben. Ja, also da geht es um echte Umgestaltung, wie das gehen kann. Und das im Idealfall, wenn es langfristig gut funktioniert, lasst ihr euch damit Zeit. Was kann wer tun an dieser Stelle? Da könnt ihr kreativ nach Lösungen suchen, die eure Änderungen einleiten oder die neue Verbindung festigen. Also da möchte ich gerne an der Stelle ein Beispiel geben. Also wenn ihr feststellt, ein Grund für die Handlung war, dass ich mich eingeengt gefühlt habe, aber dann könnte ja vielleicht helfen, einen eigenen Raum zu haben, ein eigenes Schlafzimmer, einen eigenen kleinen Safe Space. Also das heißt, die Wohnung wird umstrukturiert. Und wie können wir trotzdem die Verbindung im Alltag spüren? Also wenn ich zum Beispiel ein gemeinsames Schlafzimmer habe, dann habe ich im Idealfall gemeinsam aus dem Tag raus, gemeinsam in den Tag rein. Und das wird ja dann wegfallen, wenn ihr getrennte Schlafzimmer habt oder wenn ihr oft in euren eigenen Räumen seid. Und wie könnt ihr diese kleinen Berührungsmomente in den neuen Alltag retten? Also das meine ich, wenn ich sage, kreativ nach Lösungen suchen. Also zu gucken, wie können wir das alte Gute bewahren und das neue Gute einführen. Und da muss man wirklich kreativ sein und auch gut in Bedürfnisverhandlungen. Das war, wer könnte was tun. Dann kommen wir jetzt in den Alltag, der sollte bewusst positiv gestaltet werden. Ihr solltet eure Motivation immer wieder offen machen und auch motiviert bleiben. Denn hier geht es um Aufbruch. Hier geht es darum, neue Wege zu beschreiten. Und da hilft es immer, wenn ich versuche, positiv zu sein. Nicht toxisch positiv, also nicht alles Negative ignorierend, aber durchaus mit so einer Aufbruchstimmung da dran gehen. Also es geht um Unterstützung und zugewandt sein. Aber es geht eben auch um ehrlich sein, um zu sagen, Also du hör mal, also gemeinsames Schlafzimmer, ich habe jetzt zwei Wochen getrennt geschlafen und das hat mir auch ganz schön gut getan. Können wir darüber reden, ob wir damit was machen können? Ob ich vielleicht einmal im Monat in ein Hotel gehe oder getrennte Schlafzimmer oder was weiß ich, also wirklich kreativ sein. Das ist nicht der Anfang vom Ende, wenn ihr die Sachen, die verbindend waren an dieser Sache, in die neue Situation rettet. Also ihr solltet ehrlich sein im Alltag, damit ihr solche Chancen, etwas zu verbessern, auch wirklich wahrnehmen könnt. Und wie sollte die Kommunikation sein? Die sollte transparent und supportive sein, also unterstützend. An der Stelle, da geht es ja schon auch ein Stück weit wieder darum, Vertrauen aufzubauen. Das heißt, es könnte da total wichtig sein, Schritte, die ich für selbstverständlich erachte oder von der ich aber weiß, dass es für die andere Person schwierig ist. Ich gehe zum Beispiel weg. Ja, treffe mich einfach mit einer Freundin, dass ich da ganz transparent bin und zum Beispiel anbiete, meinen Standort zu teilen, wenn das sich für mich gut anfühlt, damit eben eine neue Transparenz sich direkt etabliert und damit eben die alte Heimlichkeit, denn Heimlichkeit ist ja das Problem an der ganzen Geschichte, damit die eben nicht mehr da sein kann. Und wenn ihr dann diese neue, transparente, unterstützende, wohlwollende Kommunikation startet, dass ihr da auch aufmerksam seid und doofe Muster aufdeckt und auch angeht, weil alles, was ihr vorher gemacht habt, hat zu der Affäre geführt. Und deswegen gehe ich davon aus, dass ihr Kommunikationsmuster habt, die da nicht günstig waren. Und jede Person trägt ihren Teil dazu bei und gleichzeitig ist es in der Dynamik, in unserer Gesellschaft, im Außen, in der Vergangenheit drin. Also es ist nicht so, dass eine Person schuld an der ganzen Geschichte ist. Ich will auch nicht sagen, dass die andere Person schuld daran ist, sondern es ist einfach eine Dynamik, die aus vielen, vielen Gründen entstanden ist und die ihr aber jetzt die Möglichkeit habt zu ändern. Worum geht es in der Phase 4 der Handlung? Es geht um einen Neuanfang. Ich habe es heute schon dreimal, glaube ich, gesagt und ich sage es jetzt nochmal, weil es jetzt hier steht. Die Beziehung kann ich nicht an einem Reißbrett planen. Der Neuanfang, der muss wachsen, der muss gedeihen, der muss immer wieder nachjustiert werden, weil ihr wollt ja hoffentlich bedürfnisorientiert mit euch und der Beziehung umgehen, damit es euch nach dem Betrug besser geht als vorher. Und deswegen ist der Neuanfang ein Weg, den ihr geht und nicht das Ziel, jetzt sofort alles fertig zu haben. Ich kann Beziehungen nicht am Reißbrett planen, aber ich kann eben viel dafür tun, damit die Beziehung, die ich hier habe, in die Richtung wächst und gedeiht, wie ich das gerne hätte. Ich vergleiche Beziehungen ja immer mit Pflanzen und dass wir darüber reden, wir haben jetzt ein Bäumchen, wie soll der denn am Ende aussehen? Und was können wir tun, dass er so aussieht? Wie oft müssen wir ihn gießen, müssen wir ihn umpflanzen, müssen wir ein Gerüst rumbauen, müssen wir ihn beschneiden? Ja, all solche Sachen kann sinnvoll sein zu besprechen. Also worum geht es? Es geht um Neuanfang und um gemeinsames Gestalten. So, jetzt habe ich die vier Phasen durch. Wie gesagt, das ist ein sehr künstliches System, aber ich wiederhole sie nochmal. Es gibt die Phase 1, die Aufdeckung. Das Ziel ist, die Situation zu akzeptieren und da geht es viel um Ausnahmezustand aushalten und wie können wir das gestalten. Es geht also um Damage Control und Schutz. Die Phase zwei, die Phase der Stabilisierung, da ist das Ziel, wieder in die Handlungsfähigkeit zu kommen. Da geht es also um Selbstfürsorge, um Reflexion, um sich um sich kümmern und vielleicht auch um die andere Person kümmern. Das heißt, da geht es um ein sich vorsichtig annähern und wieder irgendeine Form von Kontakt herstellen. Also von tröstendem Kontakt herzustellen oder gutem Kontakt herzustellen, weil der Kontakt in der Aufdeckungsphase ist oft nicht gut. In der Phase drei geht es um eine vielleicht vorläufige Entscheidung. Also es geht um das Ziel, sich zu orientieren, wo soll es hingehen? Für was wollen wir uns committen? Da geht es um eine echte Wahlmöglichkeit und was ich und wir wollen. Und in der Phase 4, das ist die Handlung, da geht es darum, Neues einzuleiten und ganz vorsichtig einen neuen Setzling oder den alten Setzling zu retten und den so zu behandeln, dass er sich so entwickelt, wie ihr das gerne hättet.
Abschluss
Und jetzt habe ich alle Phasen durch. Das heißt, jetzt kommt die Stelle, in der wir die Folge unterbrechen. Das heißt, du müsstest dann die nächste Folge anmachen, um das hingucken und was parallel passieren muss, noch herauszufinden. Und bevor du das machst, falls es schon raus ist, kann ich dir sehr empfehlen, jetzt dich vielleicht ein bisschen zu strecken, mal zu schauen. Okay, welche Worte haben wirklich unangenehme Gefühle ausgelöst? Was bewegt das eigentlich bei mir? Und möchte ich damit irgendwas machen? Möchte ich das liebevoll in den Arm nehmen, bejahend fühlen, wie Robert Betz immer sagt. Und dann hörst du uns in der nächsten Woche wieder im zweiten Teil Umgang mit Betrug. Wie geht das? Nämlich mit dem Thema hingucken. Wie schön, dass du bei der heutigen Folge dabei warst. Wir freuen uns, wenn du etwas Wertvolles mitnehmen konntest. Vielleicht magst du es dir kurz notieren? Gab es einen Aha-Moment? Möchtest du etwas vom Gesagten umsetzen? Gibt es jemanden, mit dem du die Folge diskutieren möchtest? Geh für dich los und mach dein Leben lebenswerter. Und vergiss nicht, jede Person darf fühlen, was sie fühlt und hat gute Gründe für alles, was sie tut. Also sei verständnisvoll.
