- Warum Hingucken entscheidend ist: Wiederholung vermeiden, Privatsphäre schützen
- Klarheit schaffen: Fakten vs. Interpretation, das passende Tempo, das „Warum“ verstehen
- Auf Augenhöhe statt Kreuzzug: reflektierte Verantwortung statt bloßer Unterwerfung
- Dreischritt im Repair: Anerkennung (Vergangenheit) – Verbindung/Repair (Gegenwart) – Lösung/Veränderung (Zukunft)
- Vielfalt der Verletzungen: Heimlichkeit, Lügen, Vertragsbrüche, Selbstwertthemen u. a.
- Heilung als Prozess: Empathie, Sympathie, Trost und ggf. therapeutische Begleitung
- Wiederaufbau: bewusste Entscheidung, Vertrauenssprung, temporäre Transparenz-Vereinbarungen
- Neu verhandeln, Bedürfnisse klären, neue gute Erfahrungen schaffen – und Trauern erlauben
- Empathie für A, B und C: Bedürfnisse und Grenzen aller Rollen sehen
- Fazit: Selbstbestimmung, Lernen aus Mustern, Unterstützung nutzen
- Drei parallele Felder: Klarheit, Heilung, Wiederaufbau – keines davon überspringen.
- Teile Infos „so detailliert wie nötig, so undetailliert wie möglich“.
- Nachhaltige Reparatur braucht Augenhöhe und Eigenverantwortung.
- Repair-Dreischritt: Schmerz anerkennen – Verbindung herstellen – Lösungen umsetzen.
- Gefühle sind Information: Bauchgefühl ernst nehmen.
- Vertrauen ist eine bewusste Entscheidung; Transparenz kann vorübergehend helfen.
- Neu verhandeln, Erfolge feiern und Altes betrauern stärkt den Neustart.
- Hol dir Unterstützung und bilde dich weiter.
🔗 Links & Ressourcen zur Folge:
- Vorherige Folge (Teil 1): 136 – Umgang mit Betrug – Wie geht das?
- Methode: Gewaltfreie Kommunikation nach Marshall B. Rosenberg
- Esther Perel: estherperel.com/about
- Ulrich Clement: Institut für Beziehungsdynamik (IGST) – Profil
- Aino Simon – Couple Care Methode: couplecare.de/methode
📚 Buchtipps:
- Aino Simon: Liebe lieber einzigartig (Autorenwelt)
- Ulrich Clement: Guter Sex trotz Liebe (Ullstein Verlag | Autorenwelt)
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Zu Sonjas Beziehungs-Coaching und Blog-Beiträgen: https://sonjajuengling.de/
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Und wenn du Lust hast, bei Bildern oder Texten eine zusätzliche menschliche Note beizusteuern, melde dich gern bei uns. Wir freuen uns über jede Verstärkung.
Intro
Willkommen bei Mono, Poly & Co., dem Non-Profit-Wissens-Podcast für Beziehungen in allen Formen. Ich bin Sonja Jüngling, Paar- und Sexualberaterin und außerdem Beziehungsbegeisterte, Abenteurerin und Gegensatzaushalterin. Mein wundervolles Team und ich liefern dir frei Haus und kostenlos alles, was du für die individuelle Gestaltung deiner Beziehungen benötigst. Mit ganz praktischen Tipps, Insights und Interviews. Schön, dass du für dich losgehst. Nutz gern zusätzliche Unterstützungsangebote und schaff Raum für das, was dich bewegt. Und nun viel Spaß mit der heutigen Folge.
Begrüßung und Einleitung
Hallo zusammen und willkommen zu einer neuen Folge von Mono, Poly & Co. Das, was ich euch heute zu bieten habe, ist ein bisschen was Besonderes, denn wir haben uns dem Thema Betrug oder Außenbeziehung oder Affäre oder Fremdgehen oder wie auch immer du es benennen möchtest, gewidmet. Und die Folge heute ist der zweite Teil des Auftaktes. Das heißt, wenn du den ersten Teil noch nicht gehört hast und an dem Thema Interesse hast, dann hör dir doch erstmal den anderen Teil an. In diesem anderen Teil habe ich ganz viel Einleitung gegeben, Weil für viele Menschen ist dieses Thema wahnsinnig schwer. Also jede Person hat in so einer Dreierkonstellation unterschiedliche Wünsche, Bedürfnisse, Nöte, Ängste, Fehler, Gefühle, Schuldgefühle, Vorwurfsgefühle. Es gibt die Person, die nichts weiß von den unabgesprochenen Außenkontakten. Es gibt die Person, die das weiß und es gibt die dritte Person. Und ihr alle braucht ganz unterschiedliche Dinge. Und wenn du die dritte Person bist, dann wartest du vielleicht besser auf die Folge, die wir extra für dich machen. Und im ersten Teil von dieser Folge, der sich nennt Umgang mit Betrug, da habe ich darüber gesprochen, wie das aussehen kann, wenn sowas passiert. Und ich habe das Ganze in vier Phasen unterteilt und habe die Phasen genau benannt, was zu den jeweiligen Zuständen aktiv ist und wer was dort beachten darf und was du tun kannst. Und heute möchte ich darüber sprechen, was auch noch parallel passieren muss, meiner Meinung nach passieren muss oder sagen wir mal sollte, damit das Ganze, ein nachhaltiges, gutes Ergebnis gibt, egal wie ihr euch entscheidet, wie danach die Beziehung aussehen soll.
Ausblick über die Folge
Ich gebe auch heute wieder einen Ausblick, worüber ich heute spreche. Also ich teile das sogenannte Hingucken in drei Bereiche ein. Einmal eine Klarheit für mich, einmal der große Bereich Heilung. Was auch immer das heißt, da gehe ich gleich drauf ein. Und dann spreche ich auch noch über den Wiederaufbau, also wie es am Ende weitergehen kann. Und dann gibt es am Ende natürlich noch ein Fazit und ein bisschen Empathie für jede Rolle. Jetzt wünsche ich dir viel Spaß mit der heutigen Folge. Es geht ums Hingucken.
Einleitung ins Thema Hingucken
Das ist total schwer und viele machen das nicht. Und das bedeutet, dass das wieder passieren kann in dieser Beziehung oder in der anderen. Und hingucken ist an dieser Stelle wichtig. Worauf gucke ich? Ich gucke auf eine Klarheit. Was ist eigentlich passiert? Warum ist das passiert? Bin ich jetzt immer angelogen worden? Als du gesagt hast, du bist auf dem Hautkongress gewesen, warst du wirklich auf dem Hautkongress oder war die Person da? Was ist da genau passiert? Das muss parallel passieren. Und zwar so detailliert wie nötig und so undetailliert wie möglich. Denn es geht da auch um den Schutz der Privatsphäre der Person C. Und es geht aber auch um den Schutz der Person A, weil zu viel Information kann zum falschen Zeitpunkt extrem schmerzhaft sein. Also es geht um eine Klarheit. Es geht ein Stück weit um eine Heilung. Heilung ist immer ein großes Wort. Da sage ich gleich vermutlich noch ein bisschen mehr zu, was ich mit Heilung meine. Im Grunde genommen, kurz zusammengefasst, ist es die Wunde, die geschlagen ist, in irgendeiner Form versorgen. Und es geht um Wiederaufbau. Also wie kann es weitergehen? Das muss parallel passieren und zwar miteinander, aber auch durchaus für mich selbst. Was brauche ich eigentlich in dieser oder in anderen Beziehungen ab jetzt für die Zukunft? Was habe ich gelernt? Achtung, die Tendenz hier bei diesem Punkt Klarheit, Heilung und Wiederaufbau ist, dass die, Person B zu Kreuze kriecht und einfach nur das macht, was Person A erwartet und fordert und das ist nicht nachhaltig. Euer Ziel sollte es sein, die Beziehung nachhaltig zu retten, wie auch immer sie eben danach aussieht, aber das passiert nicht, wenn ihr keine Augenhöhe habt. Und wenn eine Person zu Kreuze kriecht, sie kriecht, sie ist also nicht auf Augenhöhe, das macht keinen Sinn. Also es wäre total sinnvoll, dass die Person B ihre Schuldgefühle bearbeitet, vielleicht auch Person C und in einen ehrlichen, reflektionsfähigen Zustand kommt. Denn nur dann kann ich wirklich ein ebenbürtiger Gesprächspartner oder eine ebenbürtige Gesprächspartnerin sein. Nur dann kann ich wirklich auf Augenhöhe in eine nachhaltig sinnvolle Verhandlung kommen. Also Augenhöhe ist an der Stelle wichtig. Wenn ihr parallel zu den Phasen hinguckt und Klarheit, Heilung und Wiederaufbau in Angriff nehmt, ist es total wichtig, dass ihr das auf Augenhöhe tut. Was mache ich also parallel? Parallel arbeite ich diese Beziehungsverletzung auf. Und im Grunde genommen ist es nur das. Es ist ein Konflikt, wo Beziehungsverletzungen mehrere vermutlich passiert sind. Es ist ein besonderer und ein großer Konflikt, aber es ist nicht mehr, es ist ein Konflikt.
3 Schritte zum Umgang mit Konflikten
Und wenn ich auf Konflikte gucke, dann gebe ich in der Beratung immer so einen Dreierschritt. Das Erste ist, den Schmerz anzuerkennen, die Wahrheiten zu verstehen, in die Vergangenheit zu gucken. Das zweite ist, ins Repair, in die Verbindung zu gehen, also die Gegenwart anzuschauen. Wie ist es gerade? Wie können wir wieder in Verbindung kommen? Und der dritte Schritt ist die Lösung, also eine eventuelle Lösung oder auch nur ein, ja, Shit happens, wird nicht wieder passieren. Also da gucken wir in die Zukunft. Da nehmen wir uns vor, das beim nächsten Mal hier und da, also wirklich sehr detailliert anders zu machen. Also ich wiederhole das nochmal. Der drei Schritt ist. Anerkennung, Schmerz, Repair oder Lösung. Die andere Ebene ist Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Und die dritte Ebene ist Verstehen, Verbindung herstellen und uns etwas vornehmen für die Zukunft. Und das ist auch keine lineare Methode, aber das sind die drei Schritte, die passieren müssen, um Beziehungsverletzungen und Konflikte irgendwie zu befrieden. Und das heißt, auch hier funktioniert das. Und an der Stelle ist mir einfach wichtig, ich habe gerade gesagt, es sind mehrere Verletzungen, weil es gibt unterschiedliche Aspekte. Also der Aspekt, dass das passiert ist, also dass es eine emotionale oder körperliche Handlung oder Verbindung mit jemand anders gab oder gibt, das ist eine Verletzung. Die andere Verletzung ist die der Heimlichkeit. Dann gibt es die der enttäuschten Erwartungen. Es gibt die der Lügen. Es gibt die des Vertragsbruches. Es gibt die, dass jetzt nichts mehr so war, wie es vorher war. Also den Abschied vom Lebensplan. Die Angst vor dem Gruppenausschluss. Wenn ich meine Partnerperson verliere, dann fühle ich mich auch wie aus einer Gruppe ausgeschlossen, weil ich brauche die Person. Da gibt es vielleicht Freundeskreise. Es gibt die Verletzung, ist das überhaupt real? Wer bist du? Wer bin ich? Es gibt die Verletzung, dass ich alles hinterfrage. Es gibt die Verletzung der Selbstachtung. Ich habe mir das alles gefallen lassen. Ich war naiv. Es gibt die Verletzung des Selbstwertes. Ich bin es nicht wert oder jemand anders war besser als ich oder was. Also ich habe jetzt verschiedene Aspekte aufgezählt und es sind sicherlich noch nicht alle. Aber das heißt, jeder Aspekt hat eine eigene Verletzung. Und ihr seht, dass ganz viel davon gar nichts mit Person B oder C oder der Handlung zu tun hat, sondern vielleicht aus meiner Vergangenheit kommt. Und im Grunde genommen braucht jeder dieser Aspekte eben Anerkennung, Repair und Lösung. Wie bei allem im Leben. Wir sind ja alle eine Work in Progress und auch unsere Beziehung ist eine Work in Progress. Und da müssen wir uns halt gut überlegen, was ist gerade das Wichtigste. Und das kann ich miteinander machen, aber es ist total sinnvoll, das auch mit anderen Menschen aufzuarbeiten. Also wenn zum Beispiel mein Selbstwert verletzt ist, dann sollte ich das vielleicht eher mit einer Therapeutin aufarbeiten.
Wie geht hingucken? 1. Klarheit
Wie geht das jetzt mit dem Hingucken, mit der Klarheit, der Heilung und dem Wiederaufbau? Also ich habe bei Klarheit gesagt, es geht darum, Fakten zu verstehen. Also was ist wirklich passiert? Und es geht darum auch, das Warum zu klären. Und die Fakten, da geht es um Infos, um Tatsachen, die müssen geteilt werden und auch verstanden werden mit, warum das so passiert ist und warum ich das nicht mitbekommen habe. Und wie hätte ich es erkennen können? Wo wollte ich vielleicht auch das Bauchgefühl, was sich bei mir gemeldet hat, nicht sehen? Ja, und das darf ich alles mitnehmen, weil das sind wichtige Informationen für die Zukunft. Wenn ich das Bauchgefühl nochmal habe, dass ich das thematisiere und dem folge, weil vielleicht ist da was dran. Vielleicht bilde ich mir auch nur was ein und es war ein Schatten der Vergangenheit, aber vielleicht ist da auch was dran, weil Recht hat das Bauchgefühl immer. Und bei dem Weitergeben von Informationen und Tatsachen, die geteilt werden müssen mit den Gründen, da ist es ganz, ganz wichtig, gut aufs Tempo zu achten. Gut zu gucken, wo interpretiere ich, wo habe ich interpretiert. Also es geht darum, darüber zu sprechen, was ist wirklich passiert und auch Sachen zu verstehen, warum die passiert sind. Und bei dem Warum, da geht es eben auch, warum ist diese Affäre überhaupt passiert. Geht es darum, dass ich unzufrieden in dieser Beziehung war? Also ist es ein Notbehelf? Habe ich eigentlich innerlich die Beziehung schon verlassen? Oder habe ich Gründe, die mehr mit meiner Veranlagung zu tun haben? Bin ich vielleicht tatsächlich ein Mensch, der Bedürfnisse auf mehrere Beziehungen verteilen möchte? Also das Warum klären, welchen Sinn hatte das Verhalten? Und der Sinn ist hier natürlich in dicke Anführungsstriche gesetzt. Denn mit jedem Verhalten, was wir machen, erfüllen wir uns ein Bedürfnis und wir verwehren uns ein Bedürfnis. Wir handeln in unserem Interesse und deswegen sinnhaft. Aber natürlich gibt es auch Sachen, die wir machen, wo wir uns auch ein bisschen selber mit schaden. Und wie gesagt, wir erfüllen uns immer auch ein Bedürfnis nicht oder verwehren uns ein Bedürfnis. Und es macht durchaus Sinn zu gucken, warum ist das passiert? Und da soll nicht die Schuldkarte hin und her geschoben werden. Denn auch wenn es gute Gründe gibt, dass die Affäre passiert ist, dann ist A nicht selbst schuld. Und die guten Gründe haben vielleicht mit A gar nichts zu tun, sondern es geht um die guten Gründe von B. Vielleicht braucht B Bestätigung, die mit A nicht möglich war, weil die Beziehung schon so alt ist. Und dieses blauäugige Du bist so toll gibt es halt nach 15, 20, 30 Jahren Beziehung nicht mehr. Ja, also wirklich zu gucken, habe ich eine Midlife-Crisis, habe ich eine Krankheit, habe ich vielleicht Angst oder eine Fehlinterpretation, hat sich das Muster eingeschlichen, dass immer, wenn ich eine Kritik äußere, es ein großes Drama gibt und deswegen sage ich nichts mehr. Ja, also was ist da eigentlich passiert? Welche guten Gründe gab es dafür? Und der Sinn der Sache ist, hier gemeinsam für die Zukunft zu lernen, damit das nicht nochmal passiert. Und Gefühle und Bedürfnisse sind an dieser Stelle Informationen, die wichtig sind, die wir bedenken sollten. Und es wäre an dieser Stelle, wenn ihr das Warum klärt, auch wichtig darauf zu gucken, welche Sicherheitsmechanismen können wir einführen, dass das nicht nochmal passiert. Also welche Gefühle können wir ernster nehmen? Können wir Gesprächsformate einführen oder Termine, wo wir nochmal auf diese Punkte draufgehen? Können wir einen Actionplan machen? Also was können wir wirklich tun, damit das nicht nochmal passiert? Dann habe ich gerade, das war das Erste, Klarheit. Dann das Zweite,
2. Heilung
was meine ich mit Heilung? Wir alle werden immer das Ergebnis unserer Erfahrungen sein. Also richtig heile sind wir glücklicherweise nie, weil dann werden wir nämlich alle gleich und alle aufgelöst und erlöst und buddhaesk. Und wie langweilig, dann werden wir ganz gleich. Wir sind die Summe unserer Erfahrungen und die Erfahrungen sind auch wichtig und die will ich auch nicht wegmachen oder vergessen. Aber da einen entspannten, souverän, gelassenen Umgang mit zu haben, Das ist das Ziel von Heilung und das dauert. Das kann Jahre dauern, bis ich da hinkomme. Aber klar zu haben, das ist es, was ich mir für mich wünsche, dass ich da irgendwann vielleicht drüber lachen kann und dass ich da souverän und verzeihend mit bin. Und das wird dauern. Und dafür braucht es ehrliche Empathie und Sympathie und Trost. Ich könnte jetzt Stunden darüber sprechen, was ist Sympathie, was ist Empathie. Ich verweise dann auf die gewaltfreie Kommunikation, die ist mir da sehr hilfreich. Was ist Trost und vor allen Dingen, was hilft bei dir? Ich bin zum Beispiel jemand, wenn ich im Film gesehen habe, ich will kein Mitleid, habe ich immer gedacht. Hä, wieso nicht? Mitleid ist doch voll geil. Und ich brauche viel Trost. Und sich das einzugestehen und aber gleichzeitig klar zu haben, dass für diesen Trost nicht meine Partnerperson zuständig ist, sondern dass ich dafür zuständig bin, mir diesen Trost aus verschiedenen Quellen zu holen, ist ganz wichtig. Und gleichzeitig ist es auch wichtig, eine Empathie meiner Partnerperson zu bekommen. Empathie bedeutet für mich herausstellen, was sind die Wünsche und Bedürfnisse und was sind die Gefühle dabei. Und auch klarzumachen, hey, ich habe dich verstanden. Das ist für mich Empathie. Sympathie ist, ich kann mitschwingen. Ich sehe das genauso wie du. Ich habe das auch schon mal erlebt. Und Trost ist im Grunde so ein, oh, duzi, duzi, du Arme. So unterscheide ich das, aber du darfst das für dich gerne selber gucken. Aber irgendwas davon brauchst du vermutlich für Heilung neben Zeit. Genau, das war zum Thema Heilung. Und wenn wir jetzt in den dritten Bereich
3. Wiederaufbau
gucken, Wiederaufbau, wenn ich auf den Wiederaufbau gucke, dann ist erstmal wichtig, dass ich mich entscheide, wieder aufzubauen. Die neue Beziehung, wie auch immer sie aussieht, Elternschaft, gar keinen Kontakt, Bekanntschaft, egal welchen Kontakt es noch gibt, ein Vertrauen in die gute Absicht und die Ehrlichkeit meines Gegenübers habe. Also Vertrauen ist eine Entscheidung, es ist ein Glaubenssprung, nämlich, dass ich glaube, dass das, was ich erwarte, auch eintritt. Und natürlich ist es hilfreich, wenn mein Gegenüber mir hilft, es aufzubauen. Aber letztendlich ist es eine Entscheidung. Die muss als erstes passieren. Eine Entscheidung in die gute Absicht und in die Ehrlichkeit der Partnerperson und nicht ein Vertrauen, dass du mich nie wieder verletzen wirst oder dass du nie wieder das machen wirst. Das ist unrealistisch. Je enger Menschen sind, desto mehr werden sie sich verletzen. Das heißt, als erstes die Entscheidung in das Vertrauen, in die gute Absicht und dann eben sich gegenseitig helfen, dieses Vertrauen auch wieder aufzubauen. Und gegebenenfalls da auch einvernehmlich in die Kontrolle zu gehen. Weil wie kann ich Vertrauen stärken, indem ich diesen Glaubenssprung mache und dann weich oder hart aber sicher lande? Und ich kann nicht wissen, ob ich sicher gelandet bin, wenn ich verschiedene Informationen nicht habe. Das heißt, wenn das für dich fein ist als Person B, dann darf das ein Angebot sein, zum Beispiel den Standort zu teilen für eine Weile oder zum Beispiel, Chats zu zeigen, wenn die Person, die auch in dem Chat ist, zustimmt oder den Handycode zu teilen. Für mich wäre das keine Option, aber du darfst das entscheiden und anbieten und ob das für die Person A dann hilfreich ist, das muss dann entschieden werden. Aber also ein Beweis dafür zu haben, dass dieser Glaubenssprung sicher war, kann total helfen, das schneller wieder aufzubauen. Also mehr Transparenz als üblich. Das sollte meiner Meinung nach kein Dauerzustand sein, aber wenn das für euch als Dauerzustand okay ist, fein. Aber im Idealfall sollte es ja so sein, dass mir der Glaubenssprung total leicht fällt und ich nur ab und zu mal eine Sicherheit noch brauche. Okay, was muss in Schritt 3 Wiederaufbau noch passieren? Dass ihr euch gemeinsam für die aktive Gestaltung der neuen Beziehung entscheidet. Also nicht nachlebt, was ihr, als ihr zusammengekommen seid, dachtet, wie Beziehung geht, sondern nachlebt, wie ihr das gern wolltet, was ihr braucht. Bedürfnisorientiert darauf gucken, wie können wir diese Beziehung gestalten. Das heißt aber auch, neu verhandeln lernen. Ja, das ist mir einfach wichtig. Das heißt auch neu verhandeln lernen. Wie könnte das gehen? Was brauche ich eigentlich in dieser Beziehung? Dann ist es auch wichtig für den Wiederaufbau. Braucht es Reparatur? Habe ich Rachegefühle? Braucht es eine Wiedergutmachung? Braucht es ein Verzeihen? Und da ticken die Menschen total unterschiedlich und da können wirklich lustige Lösungen bei rauskommen. Ich habe es schon gehört, das habe ich auch schon ein paar Mal gesagt, dass eine Person, ich habe es auch schon erlebt, aber dieses Beispiel, was ich nehme, kann ich nur vom Hörensagen, dass eine Person festgestellt hat, dass ihr Mann über Jahre eine Affäre mit seiner Sekretärin hatte, also der Klassiker, und die hat sich gewünscht, eine Wiedergutmachung und eine Rache. Sie wollte, dass der Mann genauso leidet wie sie. Und was tut ihm am meisten weh? Sein Geld, weil er Geschäftsmann ist. Und dann hat sie gesagt, du zahlst mir jetzt, ich weiß, die Idee ist nicht mehr, Aber du zahlst mir jetzt jedes Jahr eine Kreuzschiffreise für 12.000 Euro, weil ich weiß, dass dir das total wehtut. Und das brauche ich jetzt für drei Jahre oder einmal. Oder du kaufst mir einen Ring für 60 Millionen Euro oder was weiß ich, wie da die Geldverhältnisse sind. Oder einmal die Woche spülst du jetzt. Machst du den Haushalt ganz alleine oder verwöhnst mich. Was auch immer. Also Wiedergutmachung und Rache sind Optionen, wenn sich das gut für beide anfühlt. Und auch Verzeihen ist eine Option, aber es ist kein Muss. Nichts davon ist ein Muss. Ich kann auch die ganze Zeit im Groll bleiben. Ob ich das machen möchte oder nicht, ist die Frage, weil der Groll schädigt vor allem eine Person, nämlich mich selbst. Aber du musst nicht verzeihen. Verzeihen bedeutet auch nicht, dass ich akzeptiere oder gut heiße, was du gemacht hast. Verzeihen heißt, dass ich meinen Groll loslasse und nach vorne blicken möchte. Ja, und da ist es einfach wichtig, braucht es Reparatur und zu welcher Reparatur seid ihr bereit, zu welcher Rache seid ihr bereit, zu welchem Verzeihen seid ihr bereit, was braucht ihr da? Beim Wiederaufbau geht es auch darum, schöne Erfahrungen wieder neu miteinander zu teilen. Also es gab schöne Erfahrungen vorher, sonst hätte die Beziehung nicht so lange gehalten, das ist nämlich einer der wichtigsten Pfeiler, schöne Erfahrungen gemeinsam zu haben und da wieder neue zu finden, dass es sich gut anfühlt und auch neue schöne Erfahrungen ganz bewusst herzuleiten und zu gestalten. Zum Wiederaufbau gehört auch, Erfolge zu feiern. Also zu sehen, hey, das hat gut funktioniert, ich konnte mich wirklich auf dich verlassen. Du warst proaktiv, transparent. Ich bin nicht ausgerastet. Ich bin mit meiner Eifersucht klargekommen, obwohl du heute Abend auf einer Firmenfeier warst, wo die Person auch ist. Ja, also Erfolge feiern, gemeinsam oder alleine, aber sie auf jeden Fall feiern, weil unser Hirn ist Confirmation und Negative Bias. Das heißt, wir sehen nur die Sachen, die wir sehen wollen und wir sehen die negativen Sachen eher als die positiven. Und deswegen ist es so wichtig, sich die positiven Sachen bewusst zu machen, damit das Hirn eben auch da geschult wird. Und ein ganz, ganz wichtiger Punkt, der bei diesem Wiederaufbau ganz, ganz wichtig ist, und da bin ich nicht sicher, es gehört dazu, Wiederaufbau oder zur Heilung, gemeinsam trauern, loslassen. Das Alte gibt es nicht mehr. Vielleicht gibt es was Neues, Schönes, Schöneres als vorher, aber das Alte gibt es nicht mehr. Und das zu betrauern, das ist total wichtig, das zu verabschieden, vielleicht ein Ritual machen, gemeinsam oder alleine. Das ist total wichtig, zumal Trauern in unserer Gesellschaft ohnehin viel zu wenig Raum hat. Das heißt, da wird es ganz viele Trittbrettgefühle geben, die auch mitmachen wollen. Also trauert um das, und zwar ohne Vorwurf, um das, was ihr verloren habt. Gemeinsam im Idealfall. Und wenn ihr das nicht könnt, trauert alleine. Trauert wütend. Ganz egal, aber trauert. So, jetzt bin ich am Ende von diesem Punkt, diesen parallelen Hingucken, Klarheit, Heilung und Wiederaufbau. Und an der Stelle ist mir ganz wichtig, also egal in welcher Position du dich
Verständnis und Empathiedusche für alle
befindest, Person A, Person B oder Person C, du wirst wahrscheinlich ganz schön Schmerzen gelitten haben. Und ich finde es an der Stelle sehr wichtig, Empathie und Verständnis zu bekommen. Und vermutlich wirst du dir das selber schlecht geben können aus Schuldgefühlen. Vermutlich wirst du projizieren und so. Und deswegen möchte ich jetzt einmal eine kleine Verständnis-Empathie-Dusche für jede Position benennen. Person A erleidet das Gefühl des Zusammenbrechens der Welt. Der Wegbrechen allen Glaubens in die Beziehung oder die Person, das ist schrecklich. Und es tut mir leid, falls du das erlebt hast. Im Großen und im Kleinen, das ist einfach schrecklich. Es ist schrecklich, eine Hoffnung gehen lassen zu müssen. Es ist schrecklich, herauszufinden, dass über wenige Momente oder viele Jahre etwas gar nicht so war, wie ich dachte. Das ist immer ganz, ganz schrecklich und das erschüttert mich. Und das einfach wahrzunehmen und ernst zu nehmen, ist total wichtig. Und da darf es Raum für geben, weil das ist anstrengend und das ist groß. Auch dieses Gefühl, hintergangen zu werden und sich nicht auf Sachen verlassen zu können. Ja, ich hinterfrage alles als Person A. Wie geht Person B? Ich werde wahrscheinlich in Schuld und Scham und Selbstvorwürfen versinken oder ich werde alles auf meine Partnerperson projizieren und sagen. Kein Wunder, wenn sie mir keinen Sex gibt, dann hole ich es mir woanders. Also ich werde mir Geschichten erzählen, die mich von meinen echten Gefühlen vielleicht abschneiden. Und natürlich darfst du Scham erleben, aber darum geht es hier nicht. Das ist, dass du so gegen deine eigenen Interessen gehandelt hast und sonst hättest du keine Schuld und Scham, wenn du das nicht getan hättest. Das ist anstrengend und das macht dich ein Stück weit hilflos. Und du kannst dich ja auch auf dich selber nicht verlassen. Du hättest wahrscheinlich vor zehn Jahren auch nicht gedacht, dass du das machst. Und du hast wahrscheinlich auch total Angst vor den für dich logischen Konsequenzen. Die wird sich jetzt bestimmt trennen. Ich muss jetzt für immer zu Kreuze kriechen, was auch immer. Dass du da Angst hast, wie es weitergeht. Was habe ich für eine Scheiße gemacht? Du kannst ja noch nicht mal jemanden anschreien außer dich selber. Das ist schrecklich. Und das fühlt sich sicher hilflos an. Und das macht sich ja ganz schreckliche Angst. Und wie könnte es Person C gehen? Person C hat vielleicht auch Schuldgefühle und hat vielleicht den Eindruck, ich habe eine gute oder lange Beziehung zerstört. Das, was glaube ich am größten ist, ich bin völlig hilflos und ausgeschlossen. Die beiden verhackstücken jetzt alleine, ob und welche Rolle ich weiterhin im Leben von B spielen darf. Schrecklich, schrecklich, schrecklich, schrecklich. Es ist ganz viel Zwang und null Gestaltungsmacht. Also wenn es gut läuft, das habe ich auch schon begleitet, wird Person C in diesen Prozess des parallelen Hinguckens mit einbezogen. Aber oft ist sie einfach hilflos. Und da kann ich dir nur sagen, guck bitte gut auf deine Grenzen. Auch du, lass nicht alles mit dir machen.
Fazit
Ich möchte gerne ins Fazit kommen. Das Fazit ist, es ist groß, es ist anstrengend und es lohnt sich. Es lohnt sich, neue Wege zu gehen und dich selbst zu entdecken. Es lohnt sich, eine neue Beziehung zu gestalten. Das Fazit ist außerdem, du bist weder Opfer noch Täter oder Täterin, sondern du bist Teil dieses Systems und du hast jetzt die Chance, eine neue Tür aufzuschließen, die dich viel glücklicher macht als die alte und die dazu führt, dass sowas nicht nochmal passiert. Nutz die Chance. Ja, geh in die Selbstgestaltung. Du darfst natürlich mal schimpfen und nimm dir auch Raum dafür, sauer zu sein. Und du hast sicherlich mit allen Verurteilungen recht. Und gleichzeitig hilft es dir nicht weiter, dich weiterzuentwickeln, wenn du nur in der Verurteilung der anderen Person oder dir selber gegenüber bist, sondern das, was dir hilft, ist dir klarzumachen, das ist meine Position. Das waren meine Fehler. Jetzt erkenne ich die. Vorher konnte ich nicht anders. Und so möchte ich das in Zukunft machen. Also eine bewusste Selbstbestimmung ist wichtig. Und wenn du dich als Opfer oder als Täterin betrachtest, dann bist du nicht selbstbestimmt, weil dann hast du dir eine Rolle zugeschrieben, die du gar nicht hast, die gar nicht so klar schwarz-weiß da ist. Alles, was du jetzt tust, alles, was ich gesagt habe, das lohnt sich, an Arbeit reinzustecken, weil was du sicherlich auch gehört hast, ist, dass du ganz viel wächst und ganz viel, entdeckst und das alles tust du für dich und nicht für die andere Person oder für die Beziehung, sondern weil du das willst, was du willst. Mein Fazit ist auch, die Bewusstmachung von Phasen und Aspekten kann total helfen, mit der Situation einen Umgang zu finden. Ich glaube, wenn ich so einen Plan habe, so eine ganz klare Handlungsanweisung, die du dir vielleicht aus dieser Folge für dich ziehen kannst, dann ist das total selbstermächtigend. Und dann kann ich bewusste Entscheidungen treffen und ihr als regelmäßige Hörerin von MoPoCo weißt, so bewusst machen und bewusste Entscheidungen treffen ist so, so wertvoll. Und so ist es schwer. Und das Fazit ist auch, dass ihr mit diesem ganzen Prozess hinkommt zu sicherer, echter, authentischer Verbindung und Einvernehmlichkeit, egal wie die Beziehung hinterher aussieht. Das ist das Ziel. Sichere, echte Einvernehmlichkeit. Dass nichts mehr gegen den Willen und heimlich passiert. Und diese Einvernehmlichkeit in den Mittelpunkt zu stellen, die Freiwilligkeit in den Mittelpunkt zu stellen, die eigenen Grenzen, die Verhandlungsfähigkeit in den Mittelpunkt zu stellen, das ist auch hier, das ist in ganz vielen Sachen, aber es ist auch beim Umgang mit Betrug das A und O, denn gute Beziehungen sind dann gut, wenn, die Bedürfnisverhandlung günstig für alle verläuft. Was empfehle ich jetzt am Ende dieser Folge? Vertief. Such dir Unterstützung. Mach mehr, als diese Folge zu hören. Du darfst die Folge natürlich auch hören. Du darfst sie gerne weiterverbreiten und darfst sie 15 Mal hören und nachfragen. Du darfst mir E-Mails schreiben, kannst mir Nachrichten auf Insta schreiben. Das darfst du alles tun, aber vertief es. Hol dir auch andere Blickwinkel auf dieses Thema. Aino Simon hat das in ihrem Buch Liebe lieber einzigartig, finde ich, ganz schön gemacht. Du kannst KI befragen. Du kannst Esther Perel, der Beziehungsgott Gottman, Ulrich Clemens anfragen. Du kannst die Bücher von diesen lesen. Esther Perel ist wirklich, ja, die denken die alle mit, diese Affäre. Und informier dich. Guck auf Insta, folge irgendwelchen Leuten, die sich mit Betrug beschäftigen. Aber prüfe in jedem Fall gut, was resoniert gut in dir. Was macht dich nur noch saurer und stachelt deine Wut an. Was fühlt sich für dich an, als wenn es dir für deine individuelle Lösung nützlich wäre. Das ist immer so. Das ist bei allen Leuten, denen du zuhörst, wie fühlt sich das für dich an? Was ist deine Wahrheit und dein To-Do aus dieser Geschichte? Genau. Ich habe am Ende der Folge ja immer einen Aufruf. Heute ist mein Aufruf,
Aufruf
falls du eine Person bist, die einen Betrug hinter sich hat und da gestärkt rausgegangen ist und hinterher gesagt hat, ja, das war bei mir auch so. Egal, ob du noch mit der Person zusammen bist oder nicht, ob du Mono bist, ob du Poly bist, ist mir ganz egal. Wenn du einen Betrug hinter dich gebracht hast und jetzt das Gefühl hast, hey, ich bin da total rausgewachsen, ich habe was Gutes mitgenommen oder vielleicht sogar, das war gut, dass mir oder uns das passiert ist, dann freue ich mich total, wenn du dich bei mir meldest für ein Interview. Weil ich glaube, ein Erfahrungsbericht von einer überlebenden Person ist super hilfreich für alle Menschen, die das gerade selber durchleben. Und vielleicht hast du ja auch noch irgendwelche Tipps und Tricks, vielleicht gibt es ja irgendwelche Foren, die du kennst oder Internetseiten, die total hilfreich sind. Die verlinke ich gerne in den Shownotes, schicke sie uns gern. So, und jetzt bin ich am Ende der Folge. Danke fürs Zuhören und noch einen fantastischen Tag. Wie schön, dass du bei der heutigen Folge dabei warst. Wir freuen uns, wenn du etwas Wertvolles mitnehmen konntest. Vielleicht magst du es dir kurz notieren? Gab es einen Aha-Moment? Möchtest du etwas vom Gesagten umsetzen? Gibt es jemanden, mit dem du die Folge diskutieren möchtest? Geh für dich los und mach dein Leben lebenswerter. Und vergiss nicht, jede Person darf fühlen, was sie fühlt und hat gute Gründe für alles, was sie fühlt.
