Beziehungspflege ohne Krampf: Vier Tools für regelmäßige Verbindung – vom Check‑in über Zwiegespräch bis RADAR und Paarspiele.
In dieser Folge denkt Sonja Beziehungsarbeit neu: weg vom „wir müssen reden“ hin zu leichten, regelmäßigen Ritualen, die Nähe schaffen und im Alltag wirklich machbar sind. Du lernst vier konkrete Tool‑Kategorien kennen – von kurzen Check‑ins über das tiefgehende Zwiegespräch bis hin zu RADAR‑Meetings und Paarspielen – und wie ihr sie so kombiniert, dass Prävention in eurer Langzeitbeziehung selbstverständlich wird.
📌 Themen dieser Folge:
Warum Beziehungspflege leicht und freudvoll sein darf – und dann erst funktioniert
Was Beziehungspflegetools sind
Routinen etablieren
Tool 1: Beziehungs‑Check‑in – flexibel von 5 bis 90 Minuten, ideal wöchentlich
Tool 2: Zwiegespräch – klare Rede‑/Zuhörphasen, tiefes Verstehen, deeskalierend
Tool 3: RADAR – Rückblick, Agenda, Diskutieren, Actions, Reconnection
Tool 4: Paarspiele – Leichtigkeit, Neugier und oft körperliche Verbindung
Kombination im Alltag: das Set finden, das ihr dauerhaft macht
💡 Das Wichtigste in Kürze:
Beziehungspflege braucht Struktur, sonst geht sie im Alltag unter.
Starte mit kleinen, regelmäßigen Verbindungsmomenten; Check‑ins geben Sicherheit.
Zwiegespräch wirkt besonders nach mehreren Durchläufen
RADAR macht Planung greifbar: Prioritäten, To‑dos und ein Team‑Gefühl.
Spiele bringen Humor und Körperlichkeit
Neue Routinen 6–8 Wochen konsequent üben und mit Positivem verknüpfen.
Kombiniert Tools passend zu euch
🔗 Links & Ressourcen zur Folge:
R.A.D.A.R. – Multiamory: RADAR‑Überblick
Vorlage: Multiamory RADAR Template (PDF)
Zwiegespräch – Leitfäden:
Wheel of Consent (für berührungsbezogene Spiele/Übungen):
Spiele:
The Sex Talk: Let’s talk about us
Sag Mal – Für Paare (Teil 1 und Teil 2)
Talk About
Paar Minuten
Curious Tough
🎧 Weiterhören:
#143 – Wie gelingt gute Beziehung? – Phänomene aus der Praxis
#145 – Beziehungsqualität: Kann ich wirklich ich sein in einer romantischen Partnerschaft ?
📚 Buchtipps:
Gianna Bacio: Love your sex (Rowohlt Verlag, Autorenwelt)
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Intro
Willkommen bei Mono, Poly & Co., dem Non-Profit-Wissens-Podcast für Beziehungen in allen Formen. Ich bin Sonja Jüngling, Paar- und Sexualberaterin und außerdem Beziehungsbegeisterte, Abenteurerin und Gegensatzaushalterin. Mein wundervolles Team und ich liefern dir frei Haus und kostenlos alles, was du für die individuelle Gestaltung deiner Beziehungen benötigst, mit ganz praktischen Tipps, Insights und Interviews. Schön, dass du für dich losgehst. Nutz gern zusätzliche Unterstützungsangebote und schaff Raum für das, was dich bewegt. Moin Moin und willkommen zu einer neuen Themenfolge hier bei MoPoCo. Das Thema heute ist Beziehungsarbeit. Da kreuzen sie sich dir wahrscheinlich schon direkt die Zehennägel. Nein, wir machen natürlich keine Beziehungsarbeit, weil Beziehungsarbeit ist Arbeit und da schalten die meisten schon ab. Wer hat da schon Bock drauf?
Einleitung
Also wir arbeiten den ganzen Tag und müssen Haushalt machen und so. Da will man nicht auch noch für die Beziehung arbeiten. Beziehung soll Spaß machen. Verstehe ich voll. Und deswegen solltest du dranbleiben, wenn du wissen willst, wie das mit Leichtigkeit und ohne drüber nachzudenken geht, regelmäßige Verbindungsmomente zu machen und die Beziehung zu pflegen und dabei auch noch Spaß zu haben. Also am Ende geht es heute wieder um Prävention. Wenn du die Folgen noch nicht kennst, dann hör dir doch mal die Folge Wie gelingt gute Beziehung und auch die dazugehörige Praxisfolge an. Das könnte dir helfen, in deiner Beziehung alles gut zu machen, bevor die Probleme entstehen. Also es geht vor allem um Langzeitbeziehungen natürlich. Ja, heute gibt es einen Ausblick. Ich spreche heute darüber, was ein Beziehungspflegetool ist, warum ich das brauche. Und dann stelle ich vier Beziehungspflegetools vor. Das ist einmal der Check-in, das Zwiegespräch, RADAR und Paarspiele. Und da gibt es natürlich noch ein Fazit. Also, was ist ein Beziehungspflegetool? Das ist eine Methode, die dir hilft oder euch hilft, eure Instandhaltungsarbeit zu erleichtern. Jede Beziehung muss manchmal auf die Hebebühne, jede Beziehungspflanze braucht mal einen neuen Topf. Also das muss einfach passieren, weil Langzeitbeziehungen, dafür sind wir Menschen
Definition
biologisch nicht so richtig gut geeignet. Und da flachen die Hormone ab. Und ja, das fällt uns einfach schwer, dauerhaft da Begeisterung für zu haben. Beziehungsweise die Begeisterung dafür, die fällt uns eigentlich nicht schwer. Aber wir gewöhnen uns an so viele Dinge und dann merken wir gar nicht, wie großartig das ist, was wir haben. Und dann schweifen wir oft ab. Und deswegen braucht es immer mal wieder so einen frischen Wind. Und da können Beziehungspflegetools total helfen. Das heißt, diese Beziehungspflegetools, die geben euch strukturierte Vorgaben für Beziehungsarbeit, die dann aber auch noch Spaß macht. Damit du dran bleibst, müssen die Beziehungspflegetools so sein, dass du auch Spaß hast. Sonst funktioniert es nicht. Weil nur Pflicht, das kann man nicht so gut. Also los geht’s. Warum brauche ich ein Beziehungspflegetool? Also warum habe ich gerade schon gesagt, macht Beziehungen besser und hilft dir bei deiner täglichen Arbeit. Aber ich habe es nochmal aufgedröselt. Also die Beziehung ist wie eine Pflanze, die gepflegt werden muss. Und das bedeutet, dass ich nicht nur viel gute Zeit mit meiner Partnerperson
Warum brauche ich das?
verbringen muss, sondern dass ich ab und zu auch mal ein paar Bugs, also ein paar Probleme ausräumen muss. Und die entstehen automatisch, weil das Leben verändert sich, die Menschen verändern sich und Konflikte miteinander sind völlig alltäglich und gehören zum zwischenmenschlichen Leben dazu. Das heißt, es gibt immer mal wieder so Schluckauf und deswegen braucht jede Beziehung ab und zu mal ein bisschen Hilfe. Manche machen das ganz automatisch, die brauchen kein Beziehungspflegetool, die machen regelmäßig Quality Time und Rudelzeit, also regelmäßig 1 zu 1 Zeit, wo man sich so ganz direkt wahrnimmt und begegnet und Rudelzeit, also wir befinden uns im gleichen Haushalt oder machen gemeinsam was mit Freundys. Aber es sind auf jeden Fall positive Erlebnisse. Das passiert automatisch. Es passiert automatisch, dass es Verbindungsmomente gibt, emotionale und verbale Verbindungsmomente, also so Momente, wo wir uns ganz nah sind und wo wir die Verbindung spüren, unsere Nervensysteme sich miteinander korregulieren. Und diese Paare, die sprechen dann auch Konflikte direkt an und dann werden die Konflikte auch ganz mit ruhigem Nervensystem gelöst und die streiten sich ganz wenig, sodass alle im Grunde genommen immer glücklich sind und es werden gute Lösungen gefunden. Und manche machen vielleicht sogar so ein paar klassische Regeln, also eine Date Night in der Woche oder keine Ahnung. Der Doturan, wird der so ausgesprochen, sagt zum Beispiel, der hat dieses klassische Modell der 2-2-2-Zeit nochmal ein bisschen abgewandelt, weil er meint, das ist zu lang. Also klassischerweise ist es alle zwei Wochen eine Date Night, alle zwei Monate, ein Wochenende, alle zwei Jahre ein großer Urlaub. Und Doturan sagt, das ist eigentlich zu wenig, man braucht tägliche Connection und das sehe ich auch so. Und der hat das so verändert, dass er sagt, zwei Stunden die Woche wirklich enge Nähe, also am besten nackt kuscheln. Pillow Talk, sage ich da immer zu, also sehr intime Gespräche, alle zwei Wochen eine Date Night, wo man ausgeht und alle zwei Monate ein ganzes Wochenende allein, wo man Zeit miteinander verbringt. Also es gibt Paare, die machen das alles ganz automatisch. Die machen alles richtig, was man braucht, um eine gute Beziehung zu führen, Aber wenn es Alltag gibt oder Kinder oder beides oder eine Langzeitbeziehung oder, einfach, ja, wenn das Leben passiert, dann geht das oft unter. Und juhu, dafür gibt es Lösungen. Ich brauche da nicht von alleine dran zu denken. Ich brauche nicht darauf vertrauen, dass sich das ganz natürlich entwickelt, sondern es gibt Lösungen, Tools, die ich einfach… Routinen, die ich einführen kann. Und das ist total schön und praktisch. Und dafür gibt es diese Folge. Und in diesen Tools gibt es dann Raum für Anliegen, für Missstimmungen, für Verletzlichkeit, für sich spüren, für Verbindungen, Das könnt ihr nutzen ganz automatisch, wenn der Alltag gegen euch arbeitet und die Kinder zu viel Raum einnehmen. Wenn ihr keine Lust habt, kreativ zu sein oder das einfach nicht schafft. Wenn ihr keine Lust habt, nachzudenken oder das einfach nicht schafft. Wenn ihr einfach tun wollt, was irgendwer sagt und wo ihr wisst, das ist gut für euch. Das ist so ungefähr wie Gemüse sollte der größte Anteil eurer Nahrung sein. Da braucht man nicht viel nachzudenken. Das ist eine ganz einfache Regel. Und wenn ihr nicht nachdenken wollt, dann sind vielleicht Beziehungstools genau das Richtige für euch. Und ganz wichtig ist, bei Beziehungspflegetools sollte immer was Positives dabei sein, weil wir arbeiten ja nicht gerne. Wir sind ja sehr faule, vermeidende Wesen, sehr bequeme Wesen, die am liebsten den ganzen Tag nur Spaß wollen. Und deswegen ist es total wichtig, auch die Sachen, die Pflicht sind und die manchmal vielleicht auch unangenehme Elemente haben, mit etwas Positivem zu koppeln. Weil sonst machen wir es nicht. Wenn es alles scheiße ist, da bleiben wir einfach nicht dran. Wenn wir keinen Spaß am Sport entwickeln, werden wir keinen Sport dauerhaft machen. Und deswegen ist es ganz, ganz wichtig, dass da positive Elemente bei sind. Das könnten zum Beispiel sein, aus dir heraus Neugier oder Lust, weil das Tool so toll ist. Oder es gibt eine Belohnung am Ende. Oder es gibt einen anderen Anreiz. Wenn ich das mache, dann gibt mir meine Partnerin, mein Partner Komplimente. Oder ihr könnt auch in das Tool die Wertschätzung oder die Komplimente schon mit einbauen, dass ihr jedes Mal euch ganz wohl und geschmeichelt fühlt. Und wenn ihr das nicht gut aushaltet im Persönlichen, dass euch das jemand sagt, weil euch das unangehen lässt, dann macht es zur Regel, dass ihr nach jedem Beziehungspflege-Tool, nach jeder Anwendung euch ein kleines Brieflein gebt, wo ihr reinschreibt, was ihr toll findet an der anderen Person. Ja, aber irgendwas Positives solltet ihr immer dazunehmen, sonst bleibt ihr vermutlich nicht dran. Es kann sein, dass es was Positives aus euch herausgibt, dass ihr sagt, boah, ich finde das so geil, ich mache es gern, ich habe da Bock drauf. Aber dann ist es eben wichtig, dir das auch bewusst zu machen. Also, dass das da ist und dass das aus dir herauskommt und positiv ist. Weil sonst geht das nämlich unter in diesem ganzen Pflichtgefühl. Wenn ihr etwas neu anfangt, dann solltet ihr die ersten sechs bis acht Wochen auf jeden Fall gnadenlos durchziehen, damit sich die Routine etabliert. Aber gnadenlos durchziehen heißt nicht, dass ihr nicht mal verkürzen dürft oder von morgens auf abends verschieben. Ja, in den ersten sechs bis acht Wochen ist es schwierig. Da sollte es wirklich strikt durchgezogen werden. Aber danach könnt ihr ja vielleicht ein bisschen mal fünfe gerade sein lassen. Nur es sollte häufiger nach Plan stattfinden als nicht stattfinden. Also jetzt habe ich ein bisschen erklärt, warum man das braucht. Weil der Alltag eben manchmal stärker ist. Der Sinn dahinter sind echte Begegnungen, Missstimmungen auflösen, sich spüren und es sollte überall dazu gehören, dass es Spaß macht. Sonst bleibt ihr nicht dran. So, welche Beziehungspflege-Tools gibt es? Ich fange erstmal mit dem ganz Klassischen an, der Beziehungscheck-in. Da geht es im Grunde genommen um ein Gespräch, in dem die Hauptfrage ist, wie geht es dir in Klammern mit unserer Beziehung? Was gibt es Neues? Was ist in der letzten Woche passiert? Was ist in dir lebendig? Was geht in dir vor? Was möchtest du mir erzählen?
Tool 1: Beziehungs-Checkin
Das ist es, worum es dort geht. Und ich habe mir überlegt, dass ich bei jedem Check-in dieselben Fragen beantworte. Also als erstes erzähle ich, was der Ursprung ist. Dann rede ich darüber, wie das geht, wie oft das gemacht werden muss, was die Vor- und die Nachteile sind und warum ich dieses spezielle Tool empfehle. Also, das Beziehungscheck-in habe ich schon gesagt, was das ist. Der Ursprung, also ganz zurück geht es mal wieder auf den großartigen Herrn Gottman, der ein Beziehungsgespräch eingeführt hat, das hieß State of the Union, SOTU. Und das hatte auch einen festen Ablauf, da ging es viel um Zuhören. Das fängt an mit einer Runde Wertschätzung. Dann wird das Problem besprochen, aber vor allem zugehört. Und dann wird nach der Problembesprechung, in der es eine Lösung geben kann oder nicht, wird am Ende noch eine Frage gestellt, was kann ich in der nächsten Woche tun, damit du dich geliebt fühlst. Das ist wirklich ein ganz schönes Tool. Also finde ich, kann man auch direkt das nehmen, statt einem klassischen Beziehungs-Check-In das SOTU. Das findet ihr im Internet sicherlich auch Anleitungen zu. Das ist ganz einfach zu finden. Und der klassische Beziehungscheck-in ist eben im Grunde genommen, wie geht’s, ein Fragenkatalog. Da gibt es viele unterschiedliche Fragenkataloge. Auch ich habe natürlich einen Fragenkatalog, den ich meinen Klienten auch dann schicke. In ferner Zukunft wird sowas vielleicht dann auch bei MoPoCo auf der Homepage, runterladbar zu finden sein. Und dann könnt ihr aus einem Katalog von Fragen euch die rauspicken, die sich gut für euch anfühlen, fest oder immer wieder neu. Ihr könnt auch, was weiß ich, die alle auf einen Zettel schreiben und dann welche ziehen. Und ihr könnt den Check-in begrenzen oder Minimalzeit annehmen. Also das könnt ihr ganz frei gestalten. Wie oft sollte das sein? Wöchentlich. Also da macht alles andere wirklich keinen Sinn. Manche Leute machen es sogar täglich. Und das ist wirklich total hilfreich. Und das kann halt von fünf Minuten bis fünf Stunden gehen. Üblicherweise ist es so 60 bis 90 Minuten. Die Vorteile von dem Check-in sind, die Länge und die Art sind total anpassbar. Es gibt geringe Hürden, weil es sich wie ein stinknormales tägliches Gespräch anfühlt. Nur eben, dass ich mich ein bisschen diszipliniere darin, das wirklich auch zu machen. Wichtig wäre natürlich, dass beide ähnliche Redeanteile haben und dass es sich einfach für beide gut anfühlt. Was ist der Nachteil von einem Check-in? Es gibt dort keine vorgesehenen Slots für Verhandlungen oder Beschlüsse oder Diskussionen. Aber das ist natürlich integrierbar und kann auch getrennt davon gemacht werden. Also ihr könnt auch erst ein Check-in machen und dann die Probleme diskutieren. Also ihr könnt euch das wirklich wie so ein Baukasten zusammenstellen, dass es für euch passt. Warum empfehle ich Check-ins? Das ist ein wirkliches Zuhören im Alltag und gibt eine Sicherheit. Wenn ich unter der Woche irgendwas habe, was mich nervt, wo ich merke, das ist oder was mich beschäftigt, was ich gerne erzählen möchte, wo ich merke, mein Gegenüber hat keine Kappers, dann werde ich nicht nervös, weil ich weiß, am Ende der Woche gibt es ein Beziehungscheck-in. Und da kann ich das erzählen. Ich kann mir das dann ja sogar aufschreiben, damit ich es nicht vergesse. Das zweite Tool, das ich ziemlich häufig empfehle, von dem ich auch sehr begeistert bin, ist das Zwiegespräch. Der Ursprung ist bei Michael Lukas Möller und Célia Fatia. Wie geht das? Das sind dreimal 15 Minuten jeweils pro Person im Wechsel, die wir uns zuhören.
Tool 2: Zwiegespräch
Das heißt, jede Person spricht am Ende 45 Minuten und das heißt, es sind insgesamt 90 Minuten. Das ist also eine ziemlich strikte Vorgehensweise und es gibt in der Ursprungsversion auch sehr, oder auch in anderen Versionen auch sehr starre Regeln, die ich durchaus für sinnvoll halte. Ihr müsst nur gucken, welche Regeln sind für euch sinnvoll. Also da geht es in erster Linie um Zuhören und Reflektieren. Das heißt, ich muss ganz frei sein in dem, was ich erzähle. 15 Minuten vollzukriegen ist da ganz schön krass, ohne Fragen. Und da ist es eben wichtig, dass ich mich distanzieren kann von den nonverbalen Äußerungen, Haltungen meines Gegenübers, von den Urteilen, die ich zu hören meine oder zu fühlen meine. Das heißt, es könnte sein, dass es neben den Regeln nicht zu unterbrechen auch die Regel geben könnte, dass man sich dabei gar nicht anguckt. Also da müsst ihr gucken, wie ihr euch am wohlsten fühlt. Es gibt auch Menschen, die sagen, ich möchte nicht, dass du was dabei aufschreibst oder so. Also da müsst ihr gucken, dass ihr das so gestaltet, wie ihr das braucht. Und bei allen Beziehungs-Check-ins ist es so, dass das Verhandeln darüber, was das Beste ist und wie man das gestaltet und was man möchte, ist schon ein unglaublich guter Teil der Beziehungsarbeit. Weil es eben ernst genommen wird und ihr miteinander in Diskussionen geht und hoffentlich dahin zu einer Lösung kommt und so das Selbstwirksamkeitsgefühl habt und ein Projektgefühl habt, was ja total wichtig ist für Beziehungen. Wie oft sollte das Zwiegespräch gemacht werden? Alle ein bis zwei Wochen. Am wirksamsten ist es natürlich wöchentlich. Es gibt eine Podcast-Folge von Homer, die verlinken wir euch auch in den Shownotes. Und Homer sieht das ganz klar, es soll immer nach den genauen Regeln gemacht werden und vielen fällt das halt schwer. Also ihr könnt das auch anpassen, aber dann wird die Magie des Zwiegesprächs nicht so deutlich. Vielleicht könnt ihr euch hocharbeiten auf 90 Minuten. Und was ist der Vorteil? Das ist tatsächlich so ein bisschen wie Psychotherapie. Also es wird ganz viel reflektiert. Es ist zum Teil deeskalativ, weil es halt Tempo rausnimmt und weil nicht direkt reagiert werden kann und in manchen Regelsystemen auch gar nicht sollte. Also natürlich kann ich Themen aufnehmen, aber ich sollte nicht reagieren. Ich könnte vielleicht sagen, das war jetzt gerade schwer von dir zu hören, ich muss mich erst mal wieder konzentrieren, aber inhaltlich könnte das schwierig sein, das zu besprechen. Und deswegen, es kann da sehr deeskalativ und temporizierend sein. Es ist insgesamt sehr einfach, weil es keine Vorbereitung braucht. Es sind halt klare Regeln und ich muss nichts machen, sondern da ist der Sinn ja, dass ich das ausspreche, was gerade in mir vorgeht. Es ist extrem wirksam. Es sorgt wirklich für echte Nähe. Und ja, dass ich die Verbindung zu dem, was in meiner Partnerperson lebendig ist, nicht verliere. Weil das geht im Alltag wirklich manchmal unter. Manchmal erfahre ich von meiner Partnerperson Dinge, die seit zwei, drei Monaten aktiv sind, weil ich in einem Gespräch sitze und zuhöre, wie meine Partnerperson jemand anderem das erzählt, weil das einfach im Alltag untergegangen ist, vergessen wurde oder was weiß ich. Ja, das waren die Vorteile. Was sind die Nachteile des Zwiegesprächs? Es ist wie Psychotherapie. Also es ist extrem reflektiert und dadurch etwas hart und ungewohnt, wenn du nicht gewohnt bist, über deine Gefühle zu sprechen, wenn du nicht gewohnt bist, über dich zu sprechen, wenn du nicht gewohnt bist, dich in den Mittelpunkt zu packen, wenn du nicht gewohnt bist, zuzuhören und nichts zu sagen, weil du vielleicht Sorge hast, was zu vergessen. Also das kann schon sehr anstrengend sein. Es gibt keinen Dialog und keine Beschlüsse. Das halte ich auch für einen Nachteil. Kann natürlich nachher oder vorher oder integriert werden. Warum ich es trotzdem empfehle, ist, dass echtes Zuhören machbar gemacht wird und wirklich gut Verbindung entsteht. Und das Zwiegespräch hat wirklich so ein Zauber inne, der aber erst nach fünf bis sechs Durchläufen klar wird. Also da müsst ihr euch ein bisschen durchquellen, weil am Anfang ist es schon ganz schön hart, finde ich. Was ist mein drittes Tool? Das Tool habe ich schon ganz oft empfohlen, genauso wie das Zwiegespräch, nämlich RADAR. Das ist eine Abkürzung, also ein Akronym. Ich übersetze es mal ins Deutsche. Der erste Punkt ist ein Rückblick. Der zweite Punkt ist eine Agenda. Der dritte Punkt ist das Diskutieren der Punkte auf der Agenda. Der vierte Punkt sind die Maßnahmen oder die Actions.
Tool 3: RADAR
Und der fünfte Punkt ist die Reconnection, also dass man wieder miteinander eincheckt. Und das kommt von dem Podcast Multiamory und ist angelehnt an ein Projektmanagement-Tool aus dem Scrum. Und es gibt zwei Folgen von Multiamory, die wir euch auch in den Shownotes verlinken, die auch schon ein paar Mal da waren. Also es ist einmal, wo das Tool vorgestellt wurde, gibt es eine Podcast-Folge drüber und einmal so nach einem Jahr oder so geben die nochmal so extra Tipps. Ich finde das Tool richtig toll. Es ist extrem wirksam. Es gibt einen festen Ablauf. Also diese fünf Punkte werden durchgegangen und ich habe eine integrierte To-Do-Liste. Und es wäre natürlich sinnvoll, wenn das irgendwie zeitlich gedeckelt würde und auch geguckt wird, wie detailliert wollen wir es eigentlich machen. Es kann zum Beispiel sinnvoll sein, genauso wie im Scrum, dass man erstmal eine Bestandsaufnahme macht und dann erst in der Woche danach oder in dem Durchlauf danach dann in die Diskussion und dann erst danach in die Beschlüsse geht. Also da könnt ihr wirklich gucken, wie es für euch am günstigsten ist. Da lernt ihr dann halt auch den, also da ist, wie ein Projekt wird dann die Beziehung betrachtet. Und da könnt ihr natürlich auch gucken, was ist am schlauesten, wie mache ich das am liebsten und zum Beispiel, wie sortieren wir die To-Do-Liste, nehme ich da die Eisenhower-Matrix, also diese Sortierung in wichtig und eilig und wie gehe ich damit um, das kann total hilfreich sein, man hat so ein Teamgefühl. Genau, das war jetzt schon ein Vorteil. Aber wie oft sollte ich das machen? Monatlich? Es gibt durchaus auch Leute, die das häufiger als monatlich machen. Zwei monatlich fände ich auch okay. Kommt halt darauf an, wie viel auf eurer To-Do-Liste ist. Die Vorteile ist, dass es sehr effizient und strukturiert ist, dass es klar auch auf die Metaebene geht und die Emotionen mitnimmt. Und du hast eben so ein Teamgefühl. Das finde ich wirklich gut. Das heißt, man hat direkt drei Sachen abgedeckt, die für gute Beziehungen wichtig sind. Nämlich Kontakt miteinander. Man hat das Gefühl, dass man etwas miteinander gestaltet und erschafft. Und man hat ein positives Erlebnis. Ja, also da werden gleich viele Fliegen auf einmal erwischt. Der Nachteil ist, es ist wenig Freiheit durch die starke Struktur und es fühlt sich dadurch eventuell nach Arbeit an, auch durch die To-Do-Liste. Aber ja, ich empfehle es trotzdem, weil es eben, also Beziehung ist ein Projekt und das ist ein Tool zur Projektplanung. Deswegen finde ich es oft passend. Das Nächste, was ich empfehlen möchte, sind Paarspiele. Es gibt da unglaublich viele Varianten. Ich möchte zwei hervorheben, weil ich dieselbe schon gespielt habe. Das eine Spiel ist von Gianna Bacio, Let’s Talk About Us. Das ist ein eher klassisches Spiel, wo es einfach Fragekarten gibt,
Tool 4: Paarspirale
die man sich gegenseitig beantwortet. Das heißt, es ist eher im Kopf, aber es geht schon auch zum Teil ordentlich zur Sache, weil Gianna Bacio hat ja Love Your Sex geschrieben und geht sehr auf Sexualität. Das finde ich auch total schön. Und es ist aber eben ein Frage-Antwort-Spiel. Und das zweite Paarspiel, was ich empfehlen möchte, ist ein Spiel, das an das Wheel of Consent angelegt ist und das heißt Curious Touch. Das finde ich ganz schön, weil es eben das Konzept des Wheel of Consents mitnimmt. Da gibt es ja auch eine Folge zu, kann ich dir sehr empfehlen. Und da geht es viel um selber machen und um wirklich was auszuprobieren und aus der Komfortzone rauszugehen. Da werden unterschiedliche Rollen verteilt. Die eine Person ist eher empfangend, die andere Person eher gebend und da kann man natürlich auch tauschen und es gibt verschiedene Phasen. Es ist wirklich ganz, ganz spannend. Also Paar-Spiele, gibt es viele Variationen. Guck in die Shownotes, guck selber im Internet. Also da gibt es ganz, ganz viele Möglichkeiten. Es gibt Apps mittlerweile und das ist alles total sinnvoll. Und du kannst natürlich auch einfach als Ergänzung normale Spiele nehmen, also Brettspiele, die mit der Partnerperson zu machen, kann auch total verbindend und sinnvoll sein. Wie oft solltet ihr Paar-Spiele machen? Ja, so oft ihr Lust darauf habt, gern mehrfach wöchentlich oder mehrfach im Jahr. Also wie es für euch sinnvoll ist. Was sind die Vorteile? Also die Vorteile sind ganz klar, Spaß, Leichtigkeit, gleichzeitig eine Tiefe. Es gibt Abwechslung, weil plötzlich Sachen ans Tageslicht kommen, die vorher nicht besprochen werden. Also das finde ich alles ganz, ganz vorteilhaft. Die Nachteile sind die Konflikte, die bei euch unterschwellig da sind, können im Spiel auftauchen und anklopfen und euch den Spaß so ein bisschen verderben. Und es gibt aber nicht wirklich einen Raum, das dann zu lösen. Dann müsstet ihr das eben unterbrechen und was anderes machen. Ein anderes Tool oder eben einfach miteinander über das, was gerade passiert ist, reden. Was ja auch sinnvoll ist, ne? Warum ich das empfehle, Körper und Sex wird oft mit einbezogen und Lachen und Spaß und Humor ist das Zentrum und das haben wir einfach alle viel zu wenig. Genau, das war das vierte Paartool, was ich, Beziehungspflege-Tool, was ich empfehle. Einmal ein Check-in, Zwiegespräch, RADAR und Paarspiele und natürlich könnt ihr das auch prima kombinieren. Also das ist sogar ehrlich gesagt das Beste. Jede Person hat Vorlieben und ihr müsst eigentlich alles mal ausprobieren, um zu wissen, was sich gut für euch anfühlt. Und das muss alles nicht innerhalb der ersten fünf Wochen sein,
Fazit
sondern guckt, was ihr für Paargewohnheiten haben wollt. Denn, und da sind wir dann jetzt beim Fazit, Routinen retten. Seht zu, dass ihr was habt, was euch gut tut und aber auch Spaß macht. Und packt das in eure Routinen und das wird euch gesund halten und am Leben halten. Das ist ganz, ganz wichtig. Sucht euch eine passende Kombi raus an Tools, die ihr gern machen möchtet. Erfindet selber Sachen oder sagt, was ihr sinnvoll findet. Ich habe Paare, die machen jeden Sonntag eine Paarmassage miteinander. Andere gehen jeden Mittwoch Eis essen. Also findet die Routinen, die wichtig für euch sind. Es gibt Paare, die kleben sich Fragen an den Spiegel oder Komplimente an den Spiegel, was beim Zähneputzen gefunden wird. Und findet eure Routinen, eure Beziehungspflegetools, die eben aus den fünf Sachen, die es für eine Beziehung braucht, das Beste rausnehmen. Also regelmäßige, gute, gemeinsame Erfahrungen, das Gefühl, als Team gut zu funktionieren, emotionale und körperliche Verbindungsmomente täglich, eine gute Kommunikationsstruktur und das auch zu lernen und zu leben und Streit gut lösen zu können und ein gutes Netzwerk, damit ihr auch gute Sachen in die Beziehung mit reinbringen könnt. Und alles, was euch hilft, das in eure Beziehung zu bringen, ist gut. Da muss es nicht eines der fünf Formate haben. Wenn ihr merkt, es funktioniert für euch gerade nicht, irgendein Tool, was ihr gerade gewählt habt, unterbrecht ruhig und kombiniert es dann entsprechend, weil lasst Fünfe gerade sein. Das habe ich ganz am Anfang gesagt. Und das ist das Wichtigste. Macht es euch leicht. Das Leben ist schwer genug. Macht es euch leicht. Macht es so, dass euch das gut gelingt und Spaß und Leichtigkeit mit sich bringt, eure Beziehungen auf einem guten Niveau zu halten. Alles andere macht keinen Sinn. Wir sind bequeme Lebewesen und wir brauchen es leicht, wir brauchen es schön, sonst halten wir es nicht durch. Genau, jetzt sind wir am Ende der heutigen Folge. Vielen Dank, dass du bis hierhin zugehört hast. Wenn dir das gefallen hat, dann nimm jede Plattform, die du kriegen kannst. Bewerte uns dort, am besten natürlich positiv. Folge uns dort, automatisiere den Download, damit unsere Zahlen nach oben gehen. Damit hilfst du uns am allermeisten.
CTA
Und jetzt wünsche ich noch einen fantastischen Tag und ganz viel Spaß mit jedem Beziehungstool, was du durch uns entdeckst oder wiederentdeckst und lebst. Bis dann! Wie schön, dass du bei der heutigen Folge dabei warst. Wir freuen uns, wenn du etwas Wertvolles mitnehmen konntest. Vielleicht magst du es dir kurz notieren? Gab es einen Aha-Moment? Möchtest du etwas vom Gesagten umsetzen? Gibt es jemanden, mit dem du die Folge diskutieren möchtest? Geh für dich los und mach dein Leben lebenswürdig. Lebenswerter. Und vergiss nicht, jede Person darf fühlen, was sie fühlt und hat gute Gründe für alles, was sie tut. Also sei verständnisvoll mit dir und mit deinen Herzensmenschen. So geht alles leichter.
