Ein Kilo Probleme: Ändern oder annehmen? Sonja erklärt radikale Akzeptanz und wie bewusste Entscheidungen Leid verringern.
In dieser kompakten Impulsfolge räumt Sonja mit dem Perfektionsdruck auf. Anhand des Bildes vom „Kilo Probleme“ zeigt sie, warum ständiges Optimieren nicht automatisch zufriedener macht – und wie radikale Akzeptanz hilft, den inneren Widerstand zu lösen. Du bekommst eine klare Einladung, bewusst zu wählen: Will ich etwas verändern – oder entscheide ich mich heute fürs Annehmen?
📌 Themen dieser Folge:
Das Bild vom „Kilo Probleme“: Warum in der Summe immer etwas los ist
Unser Hang, das Haar in der Suppe zu suchen – und was dahinter steckt
Nie ganz fertig: „Heilsein“ als Illusion
Radikale Akzeptanz: Schmerz vs. Leid und der Unterschied zum Gutheißen
Bewusste Entscheidung: Ändern oder Akzeptieren (Gleichmut als Leitidee)
Selbstbeobachtung: kleine Schritte würdigen, Grenzen der Veränderbarkeit erkennen
💡 Das Wichtigste in Kürze
Jede Person hat sinnbildlich „ein Kilo Probleme“ – löst du eins, zeigt sich oft ein neues.
Schmerz ist unvermeidlich; Leid entsteht häufig durch inneren Widerstand.
Radikale Akzeptanz heißt annehmen, ohne zuzustimmen – das lässt sich üben.
Triff eine bewusste Wahl: ändern oder akzeptieren – und du darfst sie jederzeit neu treffen.
Veränderung hat Kosten: Prüfe Aufwand und Nutzen realistisch; feiere kleine Fortschritte.
Beziehungsrealität: Kompatibilität bedeutet oft, dass „meine Scheiße zu deiner Scheiße passt“.
🔗 Links & Ressourcen zur Folge:
#71 – Interview: Dirk – Neurodivergenz: Interview: Dirk – Neurodivergenz
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Intro
Willkommen bei Mono, Poly & Co., dem Non-Profit-Wissens-Podcast für Beziehungen in allen Formen. Ich bin Sonja Jüngling, Paar- und Sexualberaterin und außerdem Beziehungsbegeisterte, Abenteurerin und Gegensatzaushalterin. Mein wundervolles Team und ich liefern dir frei Haus und kostenlos alles, was du für die individuelle Gestaltung deiner Beziehungen benötigst. Mit ganz praktischen Tipps, Insights und Interviews. Schön, dass du für dich losgehst. Nutz gern zusätzliche Unterstützungsangebote und schaff Raum für das, was dich bewegt. Und nun viel Spaß mit der heutigen Folge.
Einleitung
So, heute gibt es mal wieder eine Impulsfolge, also kurz und knackig. Heute geht es um Akzeptanz von Problemen. Genau, warum möchte ich heute darüber sprechen? Wir sind ja total schnell dabei, uns selbst zu optimieren und immer besser werden zu wollen. Und grundsätzlich will ich das überhaupt nicht anprangern. Ich finde das super. Ich möchte auch besser werden. Sachen, die mir auf die Nerven gehen, die nicht meinem Wertesystem entsprechen, die ich aber trotzdem tue, da möchte ich drauf gucken. Aber ich möchte wirklich in Frage stellen, ob ich mich da ändern muss oder ob ich das vielleicht akzeptieren möchte. Denn der Philipp Sievers,
Ein Kilo Probleme
der hat gesagt, jeder Mensch hat ein Kilo Probleme. Und ich glaube, damit hat er total recht. Ich glaube, jeder Mensch hat ein Maß an Problemen, das ungefähr gleich ist. Natürlich gibt es Menschen, siehe die Feierfolge, gibt es Menschen, die mehr feiern und andere Menschen, die weniger feiern. Also von Mensch zu Mensch gibt es sicherlich einen Unterschied, aber ich glaube, am Ende hast du einfach jeden Tag ein Kilo Probleme oder sagen wir mal durchschnittlich im Jahr. Und wenn du ein Problem behebst, das ist natürlich toll, aber dann kriegst du halt was Neues, meiner Erfahrung nach. Meiner Erfahrung nach, ich begleite ja viele KlientInnen über Jahre und ich habe ja auch selber schon Therapie gemacht und natürlich bringt das alles was und löst die Probleme, die mir so auf die Nerven gehen und vielleicht ist das auch gut, aber das heißt nicht, dass ich keine neuen kriege. Es gibt Studien dazu, dass du nach drei Monaten, wenn es dir richtig geil geht, fängst du an, das Haar in der Suppe zu suchen. So sind wir Menschen. Das hat uns so erfolgreich gemacht. Und deswegen könnte es ja auch ein Weg sein, zu sagen, ja, und ich glaube, das Problem, das behalte ich einfach. Das kenne ich so gut, finde ich nicht ganz so schlimm wie die anderen. Weil wer weiß, was ich dann für ein Problem kriege. Also es gibt ja diesen lustigen Spruch, wenn das die Antwort ist, hätte ich gerne meine Frage zurück. Oder wenn das die Lösung ist, hätte ich gerne mein Problem zurück. So ist es ja. Also jeder Mensch hat ein Kilo Probleme und du darfst dich natürlich entscheiden, ein Problem doof zu finden. Aber weißt du, ob das nächste Problem nicht sogar doofer ist? Weil ich glaube nämlich, wir werden nie fertig oder heile oder so, sondern, also, ich habe immer so 28 Baustellen oder sowas und. Ach, bin ich ein besserer Mensch, wenn ich die alle aufgebraucht habe oder habe ich dann einfach neue 28 Baustellen und viel erledigt mit Selbstschau und Arbeit und Prozesse? Ich weiß nicht. Ich finde, dass wir nie ganz fertig werden, ist gut so, weil das Ding ist halt auch, es gibt so eine Person, der ich folge auf Insta, die hat gesagt, die hat irgendwie 30 Jahre Therapie gemacht oder 15, also auf jeden Fall eine lange Zeit und dachte, sie darf, sie muss erst heile sein, bevor sie in Beziehung geht. Aber am Ende trifft sie ja dann ständig auf Leute, die kaputter sind als sie und wo einfach das Niveau nicht passt. Weil im Grunde genommen, wie passen Menschen zusammen? Meine Scheiße muss zu deiner Scheiße passen. Und wenn sie einfach niemanden findet, weil ihre Scheiße schon so tief in dem Problemkreisel ist, dass niemand in ihrem Niveau in ihren Problemen gräbt. Also ich meine, das macht dann halt keinen Sinn. Also ich glaube, wir werden nie fertig und heil und das ist gut so. Das sagt der Buddhismus und dem glaube ich sowieso immer. Und naja, es ist halt auch die Frage, also wenn ich ein oberflächliches Problem habe, dann ist es natürlich ganz leicht, das zu lösen. Aber ich kriege ja immer wieder dieselben Probleme, nur auf einem anderen Niveau meiner Erfahrung nach. Und ich sollte mir echt gut überlegen, ob ich lieber auf Prozesse gucke und in die Selbstoptimierung gehe oder ob ich vielleicht lerne, zu akzeptieren, was ich habe und zu genießen, was gerade da ist. Und radikale Akzeptanz, das ist etwas, was in der Psychotherapie oft gelehrt wird. Also einfach zu akzeptieren, alles zu akzeptieren, was gerade da ist, das ist schon auch eine coole Fähigkeit. Ich kann das nicht so gut, ich werde aber immer besser damit. Und Akzeptanz heißt ja nicht, dass ich irgendwas gut finde, aber dass ich es erstmal so sein lasse, wie es ist und loslasse und keinen inneren Widerstand mehr habe. Und das sagen zum Beispiel die BuddhistInnen. Das innerer Widerstand, also der Spruch ist glaube ich, Schmerz ist unvermeidlich, Leid ist eine Entscheidung. Also ob ich mich da reinfallen lasse und das scheiße finde und in Widerstand gehe, also ganz oft ist der Widerstand eigentlich der schlimmere Schmerz. Und wenn ich es einfach durchlaufen lasse, siehe BDSM, dann ist der Schmerz auch meistens gar nicht so schlimm. Das ist jetzt ein bisschen Gedankensprung, aber in meinen Notizen steht es halt so. Also die systemische Haltung ist ja, dass jede Person genau so gut ist, wie sie ist. Und ich stehe da auch total zu. Also natürlich können wir alle auch besser werden, aber also ich meine, wir alle können was gut und was anderes nicht so gut. Und diese individuelle Mischung, was wir gut können und was nicht, das zeichnet uns doch aus. Das ist doch eigentlich cool. Jede Person ist gut, so wie sie ist. Und ja, wenn sie dir auf die Nerven geht, such halt eine andere. Nur dich selber kannst du halt nicht wechseln. Und tatsächlich ist es ja so, mich selber zu verändern, damit dieses Problem weggeht, das könnte ja auch viel mehr kosten als Akzeptanz von diesem Problem. Vielleicht ist das ja gar nicht so schlimm.
Entscheidung: Ändern oder Akzeptieren
Und ich glaube, es ist wichtig, an der Stelle dich bewusst zu entscheiden. Möchte ich dieses Problem lösen oder möchte ich vielleicht einfach akzeptieren, wer und wie ich bin? Und es gibt ja diesen komischen Spruch, der ist gar nicht komisch, ich finde den eigentlich cool. Ich glaube, es ist ursprünglich noch mit Herrgott. Ich glaube ja nicht an den klassischen christlichen weißen Gott mit Bart, männlich und so. Aber es gibt ja diesen Spruch, bitte gib mir den Gleichmut zu ertragen, was ich nicht ändern kann. Die Kraft, das zu ändern, was ich ändern kann und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. Und ich finde, da braucht man gar keine Weisheit zu. Ich darf mich einfach entscheiden, möchte ich an dieser Stelle akzeptieren oder möchte ich ändern. Und alles im Leben ist halt leichter, wenn es eine bewusste Entscheidung ist. Und dafür brauche ich nicht weise sein, dafür brauche ich einfach nur auf mich zu gucken und gucken, was ich an der Stelle machen möchte. Und ich darf jeden Tag, jede Stunde meine Meinung ändern, denn da geht es ja um mich alleine.
Kapazitäten kennen
Genau. Also so viel zu dem Akzeptanz versus Problem. Ich finde, man kann ein Problem auch einfach mal akzeptieren. Solange ich da mit anderen Leuten nicht fürchterlich auf den Sack gehe, ist das sowieso immer eine Wahl. Und wenn ich Leuten damit fürchterlich auf den Sack gehe, kann ich auch mal prüfen, ob ich mich wirklich ändern muss oder ob ich vielleicht einfach sagen kann, du, ich würde mich gerne da für dich ändern, siehe die Folge mit Dirk. Ich glaube, Neurodivergenz war es. Also ich glaube, es ist einfach wichtig zu wissen, wo ich auch, also meine Kapazitäten von Veränderung auch einschätzen zu können. Weil manche Sachen kann ich halt nicht ändern. Also ich werde immer ein bisschen zu spät sein, glaube ich. Ich habe es geschafft, nicht mehr eine Viertelstunde, sondern nur noch fünf Minuten zu spät zu sein. Und das finde ich schon geil. Und dafür darf ich mich feiern. Aber es gibt halt Sachen, die kann ich einfach nicht ändern. Und das kostet dann so viel Kraft. Ja, so, ich komme jetzt zum Ende. Ist schon viel zu lang. Schönen Tag dir. Wie schön, dass du bei der heutigen Folge dabei warst. Wir freuen uns, wenn du etwas Wertvolles mitnehmen konntest. Vielleicht magst du es dir kurz notieren? Gab es einen Aha-Moment? Möchtest du etwas vom Gesagten umsetzen? Gibt es jemanden, mit dem du die Folge diskutieren möchtest? Geh für dich los und mach dein Leben lebenswerter. Und vergiss nicht, jede Person darf fühlen, was sie fühlt.
