- Öffnen nach dem Verrat? Wenn B nach einem Betrug Beziehungsöffnung vorschlägt
- Integration von C: Chancen, Risiken, Projektionen und „verbrannte“ Rollen
- Enthusiastisches Ja aller Beteiligten: Wann Öffnung Sinn machen kann
- Babyschritte, klare Absprachen, Fehlerkultur und Schutz für A
- Die Tortur der kleinen Enthüllungen: scheibchenweise Wahrheit stoppen
- Proaktiv ehrlich sein: Ankündigen, was noch kommt; zuhören, was angekommen ist
- Trennung: Reflex oder wohlüberlegt? Bewusst entscheiden statt aus Abhängigkeit
- Schwebezustand gestalten: Wohn- und Gesprächsregeln, Selfcare, Realitätschecks, Tools
- Öffnung ist eine Option, kein Muss – nur mit einem ehrlichen, begeisterten Ja aller.
- Erst Reparatur, dann Struktur: Beziehungen A–B, B–C und A–C brauchen Aufmerksamkeit.
- Scheibchenweise Wahrheit verletzt erneut – lieber vollständig oder mit Ankündigung nachliefern.
- Trennung ist legitim, aber nicht automatisch die beste Lösung.
- Schwebephasen brauchen Schutz, klare Gesprächsfenster, Listen/Skalen und viel Selbstfürsorge.
- Vorwissen und Vertiefung: 136 – Umgang mit Betrug – Wie geht das?
- Fortsetzung: 137 – Umgang mit Betrug – Wie geht das? (Fortsetzung)
- Beziehungsöffnung – Grundlagen: #10 – B wie Beziehungsöffnung (Teil 1)
- Beziehungsöffnung – Vorbereitung: #35 – B wie Beziehungsöffnung (Teil 2)
- Beziehungsöffnung – Praxis: Teil 3: Wie geht das und worauf sollte ich achten?
- Absprachen: #77 – A wie Absprachen
- Transparenz: #47 – T wie Transparenz
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Intro
Willkommen bei Mono, Poly & Co., dem Non-Profit-Wissens-Podcast für Beziehungen in allen Formen. Ich bin Sonja Jüngling, Paar- und Sexualberaterin und außerdem Beziehungsbegeisterte, Abenteurerin und Gegensatzaushalterin. Mein wundervolles Team und ich liefern dir frei Haus und kostenlos alles, was du für die individuelle Gestaltung deiner Beziehungen benötigst. Mit ganz praktischen Tipps, Insights und Interviews. Schön, dass du für dich losgehst. Nutz gern zusätzliche Unterstützungsangebote und schaff Raum für das, was dich bewegt. Und nun viel Spaß mit der heutigen Folge.
Begrüßung
Guten Morgen hier bei Mono, Poly & Co. Also bei dir ist es vielleicht nicht guten Morgen, bei mir aber schon. Bei dir ist es vielleicht guten Abend oder gute Nacht oder guten Tag, was auch immer. Aber ich starte gerade frisch in den Tag und habe total gute Laune heute. Was lustig ist, weil es heute ein so schweres Thema ist. Und ich möchte gern nochmal darauf eingehen, wie wichtig es ist, auch schwere Themen mit Leichtigkeit zu nehmen. Zu versuchen zumindest, auch wenn die Worte, wenn ein Betrug passiert ist. Und dann würdest du vielleicht sagen, sowas passiert ja nicht. Das ist ja eine feste Entscheidung. Und Betrug war es ja nicht. Es war ja nur ein Versehen. Was auch immer. Aber vielleicht versuchst du da ein bisschen mit Leichtigkeit drauf zu gucken. Jedenfalls geht es heute um dieses Thema. Das heißt, heute rede ich über die beiden Menschen oder mit den beiden Menschen, die sich in einer Partnerschaft, Lebensgemeinschaft, Bestandsbeziehung, Nesting-Partnerschaft, also in einer verbindlichen Partnerschaft befinden und wo eine Person mit einer Außenperson etwas gemacht hat, was unerwünscht war und unabgesprochen. Und ich habe in der ersten Folge, die in zwei Teile geteilt war, am Anfang erklärt, dass ich die Personen einfach nach Buchstaben benannt habe. Also die Person, die nichts wusste, ist A. Die Person, die was wusste und was mit einer anderen Person gemacht hat, ist B. Und die Person, die ja als Außenbeziehung, als Affäre betrachtet wird, ist C. Und natürlich können die Rollen auch mal getauscht werden, leider. Aber so handhabe ich das heute. Wenn ich also mal von A, B oder C rede, dann weißt du, wer gemeint ist. Ich habe schon eine sehr ausführliche Folge dazu gemacht, wie du beziehungsweise ihr mit Betrug umgehen könnt. Wenn du die noch nicht kennst, dann hör sie gern. Und es wird jetzt zeitnah auch eine Folge geben für die Person, die als Außenbeziehung Affäre wahrgenommen wird, obwohl die ja manchmal selber betrogen wurde.
Für wen ist die Folge relevant?
Heute ist für dich die Folge interessant oder für euch, wenn ein Betrug begangen wurde, rausgekommen ist und überlegt wird, wie es weitergeht. Oder wenn du gerade den Betrug der Partnerperson entdeckt hast, egal ob es eine feste Partnerschaft ist oder du im Grunde genommen die Affäre bist. Also da ist immer die Frage, wie geht es weiter? Und dann ist die Folge relevant für dich, weil ich heute drei Phänomene aus meiner Praxis als Paarberaterin benenne. Die Folge ist auch hilfreich, wenn du wissen willst, wie er das macht, wenn eine Trennung im Raum steht. Da wird es auch noch eine extra Folge zu geben, aber ich gebe heute einen kleinen Einblick. Ja, dann können wir jetzt starten. Ich sage mal, die drei Phänomene, die ich beobachte.
Vorschau
Das erste Phänomen ist, dass es eine Erwartung gibt, dass dann geöffnet wird und dass die Person, mit der der Betrug, ja, ich habe es schon wieder gesagt, ich werde es ja häufiger sagen, begangen wurde, eine Rolle spielen muss oder darf. Das zweite Phänomen ist, wenn es so eine scheibchenweise, schrägstrich erzwungene, passiv rauskommende Wahrheit gibt. Und der dritte Fall ist, wenn ich mit der Einstellung daran gehe, dass ja jetzt total klar ist, dass wir uns trennen müssen, weil das sehe ich auch ein bisschen anders.
Das erste Phänomen
Okay, fangen wir mit Nummer 1 an. Du bist die Person, in den Podcast-Folgen habe ich sie B genannt, die etwas Unerlaubtes mit einer anderen Person gemacht hat und stehst also jetzt da. Das erste Gespräch ist vielleicht schon erledigt und die Partnerperson ist nicht total schnell weggerannt, sondern es gibt einfach total Beef. Und jetzt überlegst du, naja, aber ich will die Person nicht loslassen und ich habe von Polyamorie gehört oder von offener Beziehung, vielleicht ist das ja eine Option. Das ist die Situation. Also du hast einen Kontakt mit einer anderen Person gehabt, romantischer oder sexueller Natur und der Kontakt war emotional oder körperlich anstrengend für deine Partnerperson und du sitzt da und wünschst dir eigentlich, dass du beides haben kannst. Also erstmal herzlichen Glückwunsch. Das klang jetzt ironisch, aber ich meine es wirklich ganz ernst. Ich finde, wir sollten uns viel mehr erlauben, alles haben zu wollen. Ich finde, da ist gar nichts Falsches dran. Wir haben fucking nur 4000 Wochen auf dieser Welt und ich finde, da darf ich zumindest den Wunsch haben, dass ich alles kriegen kann. Und zwar am besten nur alles Gute und zwar am besten, dass ich nichts bezahlen muss dafür. Ich finde, dieser Wunsch ist völlig valide. Ich finde, man darf sich auch, ich habe das schon oft gesagt und ich wünsche es mir so sehr, natürlich wird es nie passieren, aber ich darf doch den Wunsch anerkennen, dass es an meiner Birkenallee immer knusprige, warme Hähnchen gibt, die weder das Tierwohl gefährden, noch Kalorien haben und auch, nicht schlecht für mein Herz-Kreislauf-System sind. Ja, Wünsche darf man haben. Und ich finde, den darfst du auch du haben. Natürlich darfst du dir erlauben, darüber nachzudenken, wie es wäre, wenn du beide Menschen behalten könntest. Das wäre doch großartig. Das wäre fantastisch, solange es in deine moralischen Wertevorstellungen passt. Und das heißt bei mir, dass es allen Menschen möglichst gut damit geht. Also du sitzt also da, hast was gemacht, worauf du nicht stolz bist und wünschst dir eigentlich, dass beide bleiben dürfen. Erstmal voll fein, das für dich klar zu haben. Ob du das deiner Partnerperson direkt unter die Nase reiben möchtest, weiß ich nicht, weil die wird vielleicht sowas sagen wie, ja, du willst immer alles haben, man kann nicht alles haben. Du darfst diesen Wunsch erstmal aussprechen und ihn feiern. Was ich noch dazu sagen will, er ist nicht nur valide, sondern in unserer Gesellschaft wird es ja auch so gelebt, dass wenn ich Gefühle für eine Person habe, dann muss es auch eine Beziehung sein, weil Gefühle sind der einzige Grund für eine Beziehung. Das sehe ich übrigens ganz anders, aber da kommen wir vielleicht zum späteren Zeitpunkt irgendwann in dieser Podcast-Reihe, aber da kommen wir vielleicht später irgendwann mit einer getrennten Folge zu. Also natürlich, wenn ich mich in jemanden verliebe, sollte ich darüber nachdenken, ob ich den häufiger sehen möchte. Ohne Frage. Aber nur, weil ich mich in jemanden verliebt habe oder vielleicht sogar denke, dass ich diese Person liebe, heißt das ja nicht, dass ich mit dieser Person eine Beziehung haben muss. Also das bedingt sich ja nicht. Ich bin ja nicht, also die Fanta 4 sagen Sklavin meiner eigenen Hormone. Das will ich natürlich ein Stück weit schon, aber ich bin doch immer noch ein Mensch, der bewusst entscheiden kann. Und ich habe das schon in einigen Folgen erwähnt, dass ich Gefühle durchaus beeinflussen kann. Und diese Möglichkeit hast du hier auch. Ich muss nicht jemanden heiraten, nur weil ich ihn liebe. Ich kann auch entscheiden, dass diese Person mir nicht gut tut. Oder dass ich mich gerade auf meinen Job konzentrieren will. Ich sage nicht, dass das leicht ist und ich sage nicht, dass das klug ist, weil vielleicht verpasst du was, aber es ist auf jeden Fall möglich. Und nur weil ich eine zweite Person liebe und merke, oh, ich kann das und ich liebe die erste Person nicht weniger, heißt das nicht, dass jetzt eine offene Beziehung oder eine Polyamorie stattfinden muss. Es ist eine Option, aber es ist kein Muss. Beziehungen und Gefühle sind unabhängig voneinander und ich kann mich dazu entscheiden, die Gefühle zu handhaben, indem ich innere Arbeit leiste, indem ich Kontakt zu dieser Person reduziere, indem ich nicht weiterhin mit der Person in Kontakt bin und sage, wie toll ich sie finde und mir sagen lasse, dass die Person mich toll findet, weil das schürt die Gefühle. Ja, also ich habe eine Entscheidungsmöglichkeit. Was ich dann eben noch bedenken darf bei dieser Idee, ob ich diese Partnerperson mit in mein Beziehungskonstrukt rein integrieren möchte, von Mono zu Poly umbauen ist groß, habe ich schon oft gesagt. Aber speziell, wenn dieser Umbau mit einem gefühlten Feind passiert, ist das wahnsinnig aufwendig und langwierig und anstrengend und groß, weil meine Partnerperson, die ich betrogen habe, wird die andere Person, mit der ich betrogen habe, als Feindin betrachten oder als Feind betrachten. Sie wird misstrauisch sein. Sie wird einen Menschen in ihrem Inner Circle haben, dem sie misstraut und der ihr schlimme Dinge angetan hat, weil wir projizieren natürlich auf die dritte Person. Es ist ja viel leichter, auf irgendeine fremde Person sauer zu sein als auf meine Partnerperson, der ich vertraut habe. Also diese Person ist der Feind, das Böse in Person vom Gefühl her. Natürlich stimmt das nicht. Diese Person hat auch einen Ausdruck unerfüllter Bedürfnisse gelebt und wollte vermutlich niemanden damit verletzen. Aber trotzdem passiert das ja. Und Feinde oder Menschen, denen ich misstraue, in ein Beziehungskonstrukt zu holen, ist groß, aufwendig und langwierig. Und ich muss tatsächlich einfach sagen, diese Personen, selbst wenn es eine grundsätzliche Offenheit dank diesem Vorfall gibt für eine Polyamorie oder ein Interesse, diese Personen sind oft verbrannt. Und weil es eben ein großes Misstrauen gibt. Und Leid ist unter diesen Umständen vorprogrammiert. Und Leid ist unter diesen Umständen vorprogrammiert. Und Leid? Es ist eine zweite Chance. Es ist eine Chance auf ein viel bewussteres Leben mit mehr Möglichkeiten. Also du musst letztendlich gut selbst überlegen, ob du das probieren möchtest, aber ich möchte dir zumindest sagen, was das heißt. Das heißt, wenn du bemerkst, da gibt es eine Person, die ich gerne versuchen möchte, in mein Beziehungskonstrukt zu integrieren, dann guck auf deine Gefühle. Schau, ist das einfach die NRE, die Freude darüber, dass es Bestätigungen gibt? Das ist ja auch total aufregend. Ergründe, was das für Gefühle sind. Ist das ein Fling? Ist das schon tiefergehend? Was ist eigentlich der Grund dafür, dass mich das jetzt so flasht, dass das so groß für mich ist? Und dann kannst du versuchen, das Ganze einzudämmen. Und dann kannst du versuchen, diese Person nicht mehr als die eine Möglichkeit, die Beziehung zu öffnen, sehen. Und falls ihr tatsächlich oder falls du dich aber tatsächlich dafür entscheiden solltest, das vorzuschlagen, einen echten Versuch mit dieser Person zu machen, dann gibt es ein paar Dinge zu beachten. Also erstens solltest du dann wirklich sicher sein, dass du ein enthusiastisches Ja von deiner Partnerperson hast. Ich bin nicht dafür, dass es immer enthusiastische Ja’s geben muss für alles, was ihr macht. Aber an dieser Stelle ist ein Ich bleibe nur, weil ich nicht gehen kann oder Ich bleibe nur, weil, also ist einfach nicht angebracht, nicht hilfreich. Das kann für einen weiteren Beziehungsstart hilfreich sein, aber für wir versuchen, die Feindin in mein Bett zu holen, den Feind in mein Bett zu holen, ist ein nicht enthusiastisches Ja einfach nicht genug. Also falls ihr das versuchen wollt, es sollte von beiden ein enthusiastisches Ja geben. Es braucht Beziehungsreparatur mit allen dreien. Also nicht nur die Beziehung zwischen A und B muss gekittet werden und die Beziehung zwischen B und C muss gekittet werden, sondern auch die Beziehung zwischen A und C muss gekittet werden. Also dieses ganze Projizieren und das Misstrauen, das muss geheilt werden und nicht bevor die Person integriert wird, sondern im Prozess und da muss ich bereit zu sein und da müssen alle bereit zu sein und fähig zu sein. Es ist nämlich auch gar nicht so einfach. Und solltet ihr willens sein, die Beziehung zu reparieren und in den Prozess zu gehen, wollen wir eine Kitchen-Table-Poly, eine Gartenparty-Poly oder eine Parallele Poly. Also wie eng wollen wir den Kontakt mit dem anderen Menschen? Wenn ihr das alles geklärt habt und euch daran macht, dann müsst ihr auch noch darauf achten, gute vorübergehende Absprachen zu treffen, die so wasserdicht wie möglich sind, aber inklusive einer Fehlerkultur, weil es werden Fehler passieren. Es werden Momente passieren, die schwierig sind, die als Fehler oder Absprachenbruch interpretiert werden. Und dann müsst ihr nachjustieren. Also wenn ihr vorhabt, nachdem ihr eure Gefühle genau angeschaut habt und ein enthusiastisches Ja von allen Personen eingeholt habt, dann ist da noch ein ganz schöner Haufen Arbeit vor euch, den ihr angehen solltet. Der letzte Punkt, den ich bei diesem einen Phänomen, der Erwartung, dass geöffnet wird und die Person C eine Rolle spielt, erwähnen möchte, ist, wenn es tatsächlich eine Option sein sollte, dann könnte es sinnvoll sein, dass Person A anfängt. Also zumindest, wenn ihr nicht Mono-Poly liebt, also wenn ihr nicht dahin geht, dass eine Person sagt, ja mach du mal und ich will aber nicht, dann geht das natürlich nicht. Sondern wenn ihr sagt, ja, dann gucken wir mal, ob Öffnen eine Option ist, dann sollte Person A anfangen damit. Weil erstens macht ihr dann einen Perspektivwechsel, ihr setzt euch in die Schuhe der anderen Person. Und zweitens geht es dann eben an dieser Stelle mal um Person A, weil das ging es ja jetzt eine ganze Weile nicht. Person A war nicht im Vordergrund bei, wir machen einen Kontakt, der nicht erlaubt ist. Sondern die Bedürfnisse von B und C haben eine Rolle gespielt. Und wenn dann am Anfang die Bedürfnisse von A eine Rolle spielen, ist das total gut. Allerdings ist es total wichtig, dass Person A dann nicht mit der Haltung daran geht, oh, jetzt kann ich mich rächen. Also Rache ist immer eine Option, auch wieder Gutmachung. Ich will euch das gar nicht wegnehmen. Aber dann muss es offen kommuniziert werden. Und auch da braucht es ein enthusiastisches Ja. Habe ich auch schon begleitet, dass die Partnerperson, die über Jahre betrogen hat, gesagt hat, ja, du darfst jetzt ein Jahr lang machen, was du willst und ich darf nichts dazu sagen, egal wie scheiße es mir geht und ich werde das aushalten und ich will das so. Ja, das ist eine Option, aber das solltet ihr total offen klären. Im Idealfall läuft es meiner Meinung nach allerdings so, dass ihr versucht, es gut zu machen.
Wie richtig öffnen?
Und mit so wenig Schmerz wie möglich. Also mit Babyschritten. Ganz langsam. Erstmal auf eine Party gehen mit Flirten, ohne dass was passiert. Dann vielleicht irgendwann mal ein nächstes Date, aber eben nicht mit Übernachten und Sex und allem, sondern Babyschritte. Ja, und das sollte Person A machen, meiner Meinung nach. Oder sagen wir mal, ich würde nicht sagen, dass es die beste Option ist, aber es ist eine, die verdammt gut ist und die euch unglaublich helfen wird, die Situation zu verstehen. Eben durch den Perspektivwechsel, dadurch, dass A plötzlich das Gefühl hat, in Anführungsstrichen in Kontrolle zu sein, selbst wenn sie nur Dinge tut, die abgesprochen sind und die sich für euch gut anfühlen. Und ob Person C dann am Ende integriert wird in die Sache, hängt von ganz vielen Punkten ab. Also ob C und B bereit sind, so lange zu warten, ob A verzeihen kann, ob A sich einlassen kann, was auch immer. Ja, aber wenn Öffnung eine Option ist, wäre mein Tipp zu sagen, okay, dann öffnen wir ganz langsam in Babyschritten. A darf als erstes und fängt an. Ihr arbeitet euch durch die Perspektivwechselgefühle und überlegt dann, ob C noch eine Option ist. Und C darf dann natürlich und sollte da auch mitentscheiden, weil das kann unter Umständen Monate dauern, bis das wieder eine Option ist. Und dann würde das in dem Fall mindestens eine vorübergehende Trennung zwischen B und C bedeuten. Genau, also das war mein Punkt eins. Was macht ihr, wenn ihr die Erwartung habt, dass geöffnet wird und Person C eine Rolle spielen darf in eurem Leben? Das Phänomen Nummer zwei, das ich ganz oft erlebe oder begleite,
Das zweite Phänomen
meistens kommen die Menschen ja nachher zu mir, ist, dass es so ein Gefühl von erzwungener, scheibchenweiser Wahrheit gibt. Die Affäre ist rausgekommen und man denkt, ich habe jetzt alles erfahren und dann kommt nach und nach, kommen so kleine Piekser immer wieder raus. Also zum Beispiel, der erste Schwung, der erste Schock ist vorbei, aber dann stellt sich raus, dass in einem Urlaub vor drei Jahren, wo wir total eng waren, es schon schriftlichen Kontakt mit der Person C gab. Und dieser Hammer, der ist dann halt, der tut einfach weh. Der reißt eine Wunde, die mühevoll mit irgendwelchen Bändern zusammengehalten wird, nochmal auf. Also sowas sollte auf gar keinen Fall passieren und es sollte auf gar keinen Fall versehentlich passieren. Also wenn ein Betrug rauskommt, spielt eine große Rolle, ob ich das proaktiv erzähle oder ob es versehentlich rauskommt. Und wenn es rauskommt, wie reu ich und wie offen ich da bin und wie sehr ich auf die Bedürfnisse der Person, die sich betrogen fühlt, eingehe. Also die Randfaktoren, wie weitere schwierige Situationen rauskommen, spielen durchaus eine totale Rolle. Also das sollte so wenig wie möglich passieren, dass wenn der erste Schock vorbei ist, dass es dann noch so eine Scheibchenweise Wahrheit gibt. Das heißt, das zweite Gespräch, in dem proaktiv alles gesagt wird oder zumindest angekündigt wird, dass es noch mehr gibt, das sollte auf jeden Fall stattfinden. Und da wirst du Angst vor haben, weil das ist natürlich schwierig, weil kein Mensch verletzt gern die eigene Partnerperson. Aber es ist einfach wichtig, dass das rauskommt, weil wenn es versehentlich hinterher rauskommt, dann kann es eben sein, dass es daran zerbricht. Also, es sollte ein weiteres oder mehrere weitere Gespräche geben oder aufgeschrieben werden und angekündigt, dass es eben mehr gibt. Und es sollte auch erklärt werden, warum es mehr gibt. Weil der Grund ist ja nicht, dass du es so lustig findest oder dass es dir egal ist, sondern der Grund ist vermutlich, dass du nicht alles gesagt hast, weil du dich einfach schämst oder weil du Angst hast, verlassen oder angeschrien zu werden oder weil du einfach negative Gefühle vermeiden willst, die so groß sind, dass du das Gefühl hast, gar nicht anders zu können. Das heißt, zu sagen, hey, da gibt es leider noch mehr und sich dafür zu entschuldigen, kann ein total wichtiger Move an der Stelle sein. Und damit eben klar ist oder damit sichergestellt werden kann, dass es keine weitere scheibchenweise erzwungene Wahrheit gibt, ist es wichtig, sich von Person A erzählen zu lassen, was gehört wurde. Also was angekommen ist und auch was wehtat. Das ist natürlich hart, aber das alles sind wichtige Informationen für die Zukunft. Und du kannst an der Stelle auch gucken, also nicht, wie gehe ich in Zukunft mit sowas um? Obwohl ja, ein Stück weit schon. Also wie viel Ehrlichkeit wird verlangt? Das ist halt die Prävention. Dass ich weiß, wann, an welchen Stellen was erwartet wurde. Und auch, ich hoffe, dass in diesem Gespräch auch rauskommt, dass du dann sagst, ja, aber das wäre doch total anstrengend für dich gewesen, wenn ich das da und da gesagt hätte und die Person A dann sagt, ja, wäre es, aber es wäre mir lieber gewesen als so. Damit du halt weißt, manchmal ist es halt Pest oder Cholera Und damit du weißt, was davon vielleicht doch nicht Pest oder Cholera, sondern nur ein Schnupfen war. Also lass dir erzählen, was die Partnerperson gehört hat, was schlimm war und justiere gegebenenfalls nach. Und ich weiß, das ist hart und schwierig und das solltet ihr vielleicht nicht alles in einem Gespräch machen, aber das ist wichtig, damit dieses scheibchenweise erzwungene Wahrheitsgefühl nicht kommt, weil das zerstört oft total viel. Und ich möchte an dieser Stelle noch sagen, dass nicht in allen Lebenslagen Gestehen der beste Weg ist. Also in der Zeit, bevor ich die Arbeit mit Beziehungen zum Beruf gemacht habe, habe ich ganz oft Situationen erlebt, in denen Menschen in meinem Umfeld erlebt und auch, in der ehrenamtlichen Begleitung erlebt, in denen Menschen Jahre, nachdem ein Betrug passiert ist, plötzlich ein schlechtes Gewissen gekriegt haben und das den Menschen erzählt haben. Und ich kann das total nachvollziehen und ich würde immer überlegen, ob das, gerade wirklich hilfreich ist, etwas ist, das ich moralisch wichtig finde und meine Partnerperson auch oder ob es rein zur Erleichterung meines schlechten Gewissens ist, weil ich denke, jetzt ist ja alles gut, weil ich habe wirklich Beziehungen daran zerbrechen sehen. Aber in dieser Situation, wenn es gerade sowieso so ungemütlich ist, wenn gerade so ein großer Schock ist, dann würde ich sagen, ist das der falsche Moment, Wahrheiten zurückzuhalten. Aus Schutz, aus, das ist für alle besser, also da müsst ihr natürlich auch gemeinsam drüber reden. Es gibt Menschen, die sagen, ich will auch gar nicht alles wissen und es gibt Menschen, die sagen, ich will alles wissen. Es sollte natürlich mitbeachtet werden. Aber der aktuelle Schock ist nicht der Moment, wo du sagen solltest, ah, manchmal ist die Wahrheit ja gar nicht das Richtige. Ich mache das lieber später, wenn es wieder ein bisschen sicherer ist. Nein, einfach nur nein. Wenn du denkst, das ist was, was die andere Person wissen muss, mach es so früh wie möglich. Nicht unter allen Umständen, aber dann kündige wenigstens an, dass es mehr gibt, sodass die Person A nachfragen kann gegebenenfalls.
Das dritte Phänomen
So, das dritte Phänomen, die vorschnell durch gesellschaftliche oder eigene Erwartungen, geprägte Entscheidungen. Die Beziehung muss beendet werden. Das wird in Filmen propagiert. Wenn betrogen wird, dann ist absolut total vorbei. Und was ist Betrug? Betrug ist, dass meine Erwartungen, ich habe mich auf eine Loyalität oder so verlassen, nicht erfüllt wurden. Und wir haben ja jeden Tag Betrug in unserem Leben. Durch die Werbung und Versprechen, die nicht gehalten wurden oder die Politik, aber auch in unseren Beziehungen. Ich verspreche, ich komme pünktlich und dann komme ich nicht pünktlich. Im Grunde genommen ist das auch ein kleiner Betrug. Und zu entscheiden, ab wann der Betrug groß genug ist, dass ich die Beziehung beende, ist ein valider Punkt. Ich möchte nur sagen, Trennung ist nicht die einzige Option, damit umzugehen. Und das weißt du vermutlich schon, sonst würdest du diesen Podcast nicht hören oder diese Podcast-Folge. Aber es ist manchmal eine Option. Manchmal ist Trennung der leichtere und bessere Weg, aber manchmal ist es das eben auch nicht. Und ich finde, du solltest da im Idealfall mit deiner Partnerperson, und mit Person C offen drüber nachdenken, was da günstig ist. Und es sollte am Ende, das sage ich auch in der Betrugsfolge, eine gemeinsame Entscheidung geben. Wenn ich allerdings die Trennung nehme, dann werden innere und äußere Strukturen nicht aufgelöst und Verletzungen nicht geheilt und ich wachse nicht und ich weiß nicht, wie ich in Zukunft damit umgehe und ich weiß nicht, wie ich es rausfinde. Weil im Prozess eines Betruges stelle ich ja auch fest, Mensch, ich hatte an der Stelle schon die ganze Zeit ein komisches Bauchgefühl. Also oft stelle ich das fest. Und das aufzuarbeiten kann eben helfen, diesem Bauchgefühl zu vertrauen und das demnächst vielleicht früh zu sagen. Weil das würde helfen, dass es gar nicht erst zu so einer verfahrenden Situation kommt. Ich sage damit nicht, du bist selber schuld, wenn du es nicht gesagt hast. Aber es kann halt helfen an den vielen hundert Möglichkeiten, wo die Katastrophe abgewendet werden kann. Deswegen, also eine Trennung ist eine Option, aber es ist nicht immer der bessere Weg, weil eben innere und äußere Strukturen nicht aufgelöst werden, die unter Umständen echt blöd sind. Und auch ein unschöner Umgang mit Transparenz, also dass nicht alles Relevante ausgesprochen wird, kann dabei aufgedeckt werden und kann dann ab jetzt anders gehandhabt werden, was nicht nur eine Prävention von Betrug ist, sondern was auch, insgesamt das Vertrauen und die Tragfähigkeit dieser Beziehung stärkt. Denn ihr wisst alle, Transparenz ist mein besonderes Steckenpferd, das mag ich sehr gern und das hilft an ganz, ganz vielen Stellen. Wenn es das richtige Maß ist, nicht hundertprozentig ehrlich ist immer gut oder hundertprozentig offen ist immer gut. Also was ich gerade sagen wollte ist, ein Betrug im Sinne von Affäre ist im Grunde nur ein besonders großer Konflikt, begleitet durch eine besonders schlimme Verletzung und es kann eben sinnvoll sein, das aufzuarbeiten. Es kann sich lohnen für diese Beziehung, für diesen Menschen und ob sich das lohnt oder nicht, sollte auch unabhängig davon entschieden werden, wie abhängig ich bin. Also, das ist jetzt eine bescheuerte Formulierung, aber wenn ich das versuche, eine Beziehung zu retten, dann sollte ich das nicht aus Abhängigkeitsgefühlen tun, sondern dann sollte ich das tun, weil ich denke, das ist eine gute Idee. Nicht aus Vermeidung, weil eine Trennung für die Kinder schmerzhaft ist oder für meinen Geldbeutel schmerzhaft ist, sondern ich sollte das tun, weil ich denke, das ist wirklich eine gute Idee. Also aus Abhängigkeitsgefühlen heraus eine Beziehung zu halten, macht keinen Sinn. dann ist Trennung wirklich eine Option. Und Trennung ist immer eine Option. Wenn das bedeutet, dass es beiden hinterher besser geht, dann ist Trennung immer eine Option. So, und ihr solltet euch für diese Entscheidung, ob Trennung eine Option ist oder nicht oder ob die Beziehung eine Option ist oder nicht, solltet ihr euch gut Zeit nehmen. Und das heißt, dass ihr einen gewissen Schwebezustand irgendwie aushalten müsst. Und da möchte ich ganz kurz was mitgeben. Es wird aber noch eine separate Folge dazu geben. Wenn ihr einen Schwebezustand habt, wo ihr nicht so genau wisst, trennen wir uns oder nicht, dann sind drei Sachen ganz wichtig. Erstens, wer weiß davon, warum weiß die Person davon, also zum Beispiel Psychohygiene und echte Unterstützung und hält diese Person dicht, weil ihr könnt es gerade nicht gebrauchen, noch mehr Unruhe zu haben und die von außen kommt. Das könnt ihr gerade nicht gebrauchen, also seht zu, dass das nicht so viele Menschen wissen. Im ersten Affekt solltet ihr keine Story posten, meine Beziehung ist am Ende oder was weiß ich. Also ich weiß, dass das passiert, weil das fühlt sich schrecklich an und man braucht da Unterstützung. Aber versucht, den Kreis der Menschen, die davon wissen, so klein wie möglich zu halten und dann nur zuverlässige Menschen zu haben. Zweitens, erklärt die Wohnraumsituation. Unter Umständen kann es sinnvoll sein, ein bisschen Abstand zu haben. Wie könnt ihr das machen? Getrennte Schlafzimmer, ein Airbnb mieten? Und das dritte, was ihr für diesen Schwebezustand klären solltet, ist, ich habe es hier genannt, back to euch, back to you und den Akku aufladen. Also seht zu, dass in dieser Phase, in der ihr überlegt, ob ihr euch trennt, eure Beziehungsbasis nicht flöten geht. Das heißt, ihr müsst da aktiv für sorgen, dass ihr weiterhin Schönzeit habt, in der ihr nicht über dieses schlimme Thema redet. Ja, was auch immer das schlimme Thema ist, aber in der ihr wirklich über gute Sachen redet, schöne Dinge erlebt. Ich sage das immer wieder, gute Beziehungen sind kein Hexenwerk. Du brauchst Verbindungselemente, Verbindungsangebote, die angenommen oder mindestens anerkannt werden, jeden Tag. Du brauchst gute gemeinsame Erfahrungen. Du brauchst eine einigermaßen gescheite Kommunikation und Streitkultur und du brauchst das Gefühl, dass ihr ein Team seid. Und diese vier Sachen, die braucht ihr auch in dieser schwierigen Phase. Also seht zu, dass ihr den Akku aufladen könnt, indem ihr Schönzeit gemeinsam organisiert, indem ihr alleine Zeit für euch habt, in der ihr reflektieren könnt und in der ihr eine gute Selbstfürsorge macht. Und die schweren Gespräche sowohl mit euren UnterstützerInnen als auch mit eurer Partnerperson solltet ihr eindämmen auf vielleicht so ein bis maximal dreimal pro Woche, und dann auch nicht so furchtbar lang und nicht mitten in der Nacht, weil das kann unter Umständen lange dauern und das ist eine schwere Entscheidung. Also nehmt euch da Zeit für. Aber nicht zu viel, damit der Akku, damit ihr überlebt, damit ihr weiter funktionstüchtig seid und klug entscheiden könnt. Denn es dauert so lange, wie es dauert. Also, wenn ihr tatsächlich darüber nachdenkt, ob Trennung nicht die einzige Option ist, dann guckt auch darauf, was ist wichtig für die Entscheidung. Macht Listen, gemeinsam oder allein. Arbeitet mit Skalen. Was brauche ich in Beziehung? Was ist mir wichtiger als anderes? Arbeitet mit Wünschen. Guckt, macht einen Realitätscheck. Klärt wirklich wie Geschäftsleute, das brauche ich in Beziehung. Bist du dazu bereit und kannst du das? Und dann klärt auch, wie sollte die Beziehung danach aussehen, weil zurück zu dem Vorher geht es nicht. Ich hoffe, sie wird besser, aber zurück zu dem Vorher geht es nicht. Und klärt auch, wie viel und was, wann, in welchem Tempo aufgearbeitet werden kann oder soll. Ja, es ist durchaus valide zu sagen, und diese Geschichte, die ist einfach so beschissen gelaufen, also dieser Aspekt innerhalb des Betruges ist einfach so beschissen gelaufen, da können wir nichts retten, da werde ich einfach Augen zu und durch. Ja, shit happens. Also wirklich gucken, wie viel wollt ihr aufarbeiten? Wie viel wollt ihr tun, damit ihr in Frieden kommt miteinander? Und klärt das, weil da ein gleiches Erwartungsmanagement zu haben, ist total wichtig und zwar frühzeitig. Weil das, was ihr nicht wollt, ist, ihr nehmt euch Zeit, um zu entscheiden, bleiben wir zusammen oder nicht. Und klärt alles und dann vergesst ihr was. Und dann stellt ihr fest, oh, ja, hier gibt es ja doch einen Dealbreaker.
Zusammenfassung
Also trefft keine vorschnelle Entscheidung. Sagt nicht sofort, Trennung muss sein. Oder wir können uns nicht trennen wegen den Kindern. Dann überlegt euch das gut und seht zu, wie ihr mit dem Schwebezustand gut klarkommt. Sorgt da gut für euch. Selbstfürsorge sage ich ja ganz oft. So, jetzt bin ich am Ende einer ungewöhnlich langen Praxisfolge, aber das war auch zu erwarten bei dem Thema. Danke, dass du bis hierhin zugehört hast. Wenn du den Podcast toll findest, könntest du uns unterstützen, indem du uns andere Podcasts nennst, in denen ich oder eine andere Person von uns zu Gast sein können, damit wir unsere Reichweite erweitern. Und jetzt wünsche ich dir einen schönen Tag. Atme mal. Es war ein schweres Thema. Und gönn dir was. Du hast ganz schön viel gelernt und ganz schön viel geackert heute. Bis dann.
